Die Zeit vergeht wie im Flug und schon wieder sind einige Wochen vergangen, seitdem ich zum letzten Mal geschrieben habe. Inzwischen ist unsere erste Arbeit getan, die Seminare sind vorbei, waren mehr als erfolgreich und die Volontäre sind alle in ihren Projekten untergebracht.
So bleibt auch wieder ein bisschen Zeit, um meinen Blog wieder einmal zu aktualisieren
. An dieser Stelle muss ich erstmal etwas berichtigen, nachdem mich Maikes Dad extra aus Deutschland angerufen hat, um mich darüber aufzuklären, dass ich in meinem letzten Bericht einen Fehler begangen habe, indem ich geschrieben habe, dass bei den ganzen Medikamenten nicht ein einziges gegen Halsschmerzen dabei ist… Ich nehme diese Stellungnahme hiermit offiziell zurück
und bestätige, dass ich vor lauter Schmerz die richtigen Tabletten doch glatt übersehen habe
… haha…
Nun ja, Gott sei Dank ist diese schmerzliche Attacke ja inzwischen schon längere Zeit überstanden, ich bin wieder wohlauf und geniesse wieder jeden einzelnen Tag hier… Nach wie vor verbringe ich die meiste Zeit in Pijal, wir haben es inzwischen sogar tatsächlich geschafft, schon einmal meine Familie zu besuchen, wo wir Pizza gemacht haben und Darwin sich köstlich über Moppel-Jimmy amüsiert hat, der auch nach 2 Stücken Pizza immer noch nicht genug hatte
.
Auch sonst ist hier schon das ein oder andere passiert wie zum Beispiel, dass Darwins Eltern gefragt wurden, ob sie Trauzeugen werden wollen. Und das ganze läuft hier etwas anders ab als in Deutschland. Man fragt, und wenn die Personen zusagen, dann kommt die gesamte Familie von Braut und Bräutigam in das Haus der Trauzeugen – bewaffnet mit Körben voller Essen und kistenweise Getränken.
So kamen besagte Familien eines Abends auch zu uns nach Hause und ihr könnt euch nicht vorstellen, was sie da angeschleppt haben… Zwei camionetas voller Essen und Getränke, das ganze Wohnzimmer stand voller Körbe, Kisten und Kartons… 2 riesige Wannen voller Hühnchen, 1 Wanne voller Kartoffeln, insgesamt 45 Meerschweinchen, 6 Kisten Bier, 2 Kisten Wein, dazu noch 1 Wanne voller Mote und Eier und ganz viel anderes Zeug. Schon vom Hinsehen war ich satt
. Genauso ging es dann später auch Gandhi, Darwins kleinstem Bruder… Nachdem alle Gäste Essen bekommen hatten, standen wir in der Küche und haben uns das genommen was wir wollten. Leider haben aber sowohl Gandhi als auch ich unseren Hunger regelrecht überschätzt, als wir dann schon nach ¼ Teller mehr als satt waren
.
Nach dem Essen ging dann die Party los, was mich schon leicht genervt hat, denn inzwischen war es schon kurz vor Mitternacht, ich war echt fertig und wollte weder von Bier noch von Tanzen etwas wissen, was ich dann auch auf typisch deutsche – vielleicht etwas zu direkte Weise – mitgeteilt habe, so dass das ganze am Ende in einer mehr oder weniger grossen Diskussion zwischen Darwin und mir endete, weil er meinte, ich würde mich ja überhaupt nicht an die ecuadorianische Kultur anpassen, was ich wiederum nicht verstehen konnte, weil ich der Meinung bin, dass ich, wenn ich nicht trinken möchte, das auch nicht tun werde… Naja
Inzwischen haben wir uns auch schon wieder vertragen, von daher kann es nicht zu schlimm gewesen sein…hehe…ich habe mich sicherheitshalber um 1 Uhr doch ins Bett gelegt, was auch eindeutig besser gewesen ist, sonst hätte ich am Ende noch bis halb 7 morgens todmüde und genervt im Wohnzimmer gesessen
.
2 Wochen später stand dann der nächste offizielle Akt an: einer von Darwins Cousins wird demnächst irgendwann heiraten und wollte um die Hand seiner Freundin anhalten. Was in etwa so ähnlich abläuft, wie die Sache mit den Trauzeugen. Nur, dass zunächst ein Mitglied der Familie bei der Familie der Braut vorsprechen muss, ob sie überhaupt bereit sind, mit der Familie des Bräutigams zu „verhandeln“, was in diesem Fall Darwins Mom übernommen hat. So sind wir also – wieder einmal spät abends – mit zwei camionetas nach San Pedro hochgefahren und wir sind zum Haus der Familie gelaufen, um dort vorzusprechen, während der Rest der Familie ein Stück weiter am Wegrand wartete. Ja, so standen wir dort und als erst die Mutter der Braut sagte, dass es die Entscheidung des Vaters wäre, ahnte ich schon böses. Dann sagte auch der Vater: „Ja, wir haben ja schon viel mit unserer Tochter darüber gesprochen und immer gesagt, sie soll erst mal studieren und dann kann sie heiraten.“ Uiuiuiau, dachte ich mir so, was macht die arme Familie denn jetzt mit diesen Kisten voller Obst, Säcken Brot und dem ganzen Rest, den sie noch da angeschleppt hatten…. Aber naja, nachdem dann einige Minuten geredet wurde haben sie dann gesagt, dass es wohl die Entscheidung der Kinder selbst ist und wenn sie glücklich sind, dann ist das die Hauptsache.
Und so waren die Früchte und der Rest dann auch gerettet
. Wir sind also alle in das Haus gegangen und haben erst einmal Suppe bekommen. Mit lecker Fleisch. Und jedes Mal, wenn es Fleisch gibt, sind wir beide wohl mehr als glücklich…Ich, weil ich den Grossteil des Fleisches ziemlich eklig finde, und Darwin, weil er so immer die doppelte Portion Fleisch bekommt… hehe… Ja, und gerade von diesem Fleisch wollte ich echt nicht wirklich viel essen… Ich weiss nicht genau, was es war, aber es erschien mir wie Pansen oder so was. Und gerade, nachdem ich zum Mittag schon Leber oder Niere gegessen habe, hatte ich von Innereien jeglicher Art erst einmal genug.
Ja, nachdem wir alle gegessen hatten, haben wir uns dann auch in die Küche verzogen, da es da oben wirklich eiskalt und die Küche durch das Holzfeuer wenigstens etwas warm war … Dort sassen wir dann und ich habe mich ewig mit den Müttern meiner Schülerinnen vom letzten Jahr unterhalten und es war so cool, wieder einmal in San Pedro zu sein. Ja, eigentlich wollten wir nur 1 oder 2 Stunden bleiben, sind dann aber – wie immer – dort hängen geblieben und haben im Endeffekt bis halb 4 nachts getanzt. Was auch gut war, denn da fuhr dann gerade der eine Nachbar, der einen Bus besitzt, losgefahren ist, so dass wir einfach ganz heimlich eingestiegen sind und erst unten an der Ecke, an der es nach Provincia de Loja runtergeht, plötzlich „gracias“ gerufen haben und einfach ausgestiegen sind
. So mussten wir wenigstens nicht die ganze Strecke runterlaufen… gewusst wie…
Am nächsten Morgen haben wir – die ja noch relativ viel geschlafen haben und dementsprechend fit waren – erstmal köstlich über Darwins Mutter amüsiert, wie sie aus ihrem Zimmer mehr gekrochen als gelaufen kam und uns erst einmal ausführlich über ihren doch etwas holprigen Nachhauseweg berichtete, gefolgt von der Aussage, dass sie von ihrem Kater jetzt bald sterben wird und heute von Tischdecken (die Tischdecken, die sie für den nächsten Tag hätte fertig sticken müssen) überhaupt nichts wissen wollte. Irgendwie tat sie mir ja dann doch leid, so dass ich mich erst einmal daran gemacht habe, Darwin davon zu überzeugen, dass er doch ein wenig Mitgefühl an den Tag legen solle und die restlichen Tischdecken besticken soll, was im Endeffekt dazu geführt hat, dass der Arme den ganzen Tag im kleinen Zimmerchen vor der Nähmaschine sass und Kartoffelpflanzen, Weizen und Habas auf den Stoff gestickt hat. Immerhin waren bis zum Abend drei der vier Tischdecken fertig und so sind wir auch relativ bald schlafen gegangen.
Um punkt fünf Uhr morgens hiess es dann: aufstehen. Ich war dann auch etwa 2 Minuten später wirklich wach, während Darwin weiter fröhlich im Bett lag und sich dann erst recht weigerte aufzustehen, als ich ihm unter Geschrei mitteilte, dass da eine eklige Schnecke auf dem Teppich umherkroch. Ich hab mich dann schnell aus dem Zimmer begeben, während er allen Ernstes anfing: „Maaaaaamiiii“ zu rufen. Man sollte nicht meinen, dass dieser Mensch tatsächlich schon erwachsen ist
Die arme Frau ist wirklich Kummer gewohnt mit nur Söhnen. hehe… Naja, die Hauptsache war, dass die Schnecke dann irgendwann tatsächlich wieder aus dem Zimmer verschwunden war. Einige Zeit später waren wir dann auch wirklich auf dem Weg zur Pana, noch etwas später saßen wir dann im Bus nach Cayambe, von wo aus wir dann wiederum den Bus hoch zu der comunidad nehmen wollten, in der seine Mom Unterricht im Sticken von den Trachten hier gegeben hat. Dort fand ein Fest statt, an dem auch besagte Tischdecken überreicht werden sollten, die allerdings immer noch nicht wirklich fertig waren.
Ja, so war also der Plan. Was allerdings bei der Planung nicht berücksichtigt wurde war die Tatsache, dass es Samstag war und es am Samstag überhaupt keine Busse da hoch gibt. Ich hab schon mit dem schlimmsten gerechnet, nämlich dass wir den ganzen Weg hochlaufen sollten, was etwa 3 – 4 Stunden gedauert hätte. Dann waren aber alle einstimmig der Meinung, dass es vielleicht doch angenehmer ist, eine camioneta zu nehmen, und so sind wir dann sogar bis zur Schule gefahren worden, bequemer als mit dem Bus also, der einen noch etwa eine Stunde Fussweg von der Schule entfernt aussetzt.
Bei der Schule war erst einmal überhaupt niemand, so dass wir dann zu einem Haus von einer der Verantwortlichen der Gemeinde gelaufen sind. Dort sassen wir erst eine ganze Zeit in einem Räumchen herum und haben uns unterhalten, dann gab es Frühstück: einen ganzen Teller voller Mote. Ja richtig, dieser eklige aufgedunsene Mais, der einfach nur nach Wasser schmeckt. Dieses Mal war er aber erstaunlicherweise gar nicht so eklig und wie Darwins Mama immer so schön sagt: Schlechtes Essen, Ají macht´s gut. Dazu haben wir dann noch unsere zu Hause selbst gemachten Pommes ausgepackt und so war es doch noch ein ziemlich gutes Frühstück
.
Irgendwann ging es dann doch tatsächlich voran, wir sind wieder zur Schule, wo der eigentliche Plan war, den Nähraum etwas herzurichten, um die von den Leuten aus dem Kurs hergestellten Stücke auszustellen. Da wurde aber die Tatsache, dass besagte Tischdecken ja immer noch nicht fertig waren, da noch der Name der comunidad mitsamt dem „Quitoloma“-Hügel fehlte. Das fiel dann doch noch auf und wieder war Darwin der arme, der dran glauben musste. Nach zwei Tischdecken war aber auch er der Meinung, dass das nun genug des Guten sei und teilte dies auch seiner Mutter mit, die darauf hin entgegnete: „Aaaaaaaaach, guck mal, wie schön. Ach bitte, mach doch die anderen eben auch schnell noch fertig. Du kannst das viel besser als ich…. – Ich lackier´ mir eben in der Zwischenzeit noch schnell die Fingernägel.“. Na, das war natürlich ein ausschlaggebendes Argument! hahaha…
Nachdem am Ende alle Sachen fertig waren, haben wir uns dann zur Sicherheit schnell aus dem Staub gemacht, bevor noch weitere Aufgaben folgen. So lagen wir dann oben über der Schule in den Paramo-Gräsern und sind dort auch tatsächlich eingeschlafen und erst pünktlich zur Messe mit der „Virgen del Quinche“ und dem Bischof von El Quinche wieder aufgewacht. Für diese Jungfrau haben sie extra ein Auto, was in etwa dem Papamobil gleicht. So haben sie dort oben eine Messe gehalten und im Anschluss alle möglichen Dinge gesegnet.
Danach gab es dann erst einmal Mittagessen – eine Suppe, die ziemlich lecker war und von der alleine ich schon mehr als satt wurde, obwohl ich nicht einmal alles gegessen habe und danach noch einen ganzen Teller voller Kartoffeln, Käse, Mais, Rind, Schwein, Hühnchen und Meerschweinchen. Da war das Essen der nächsten Woche dann auch gerettet
.
Nach dem Essen gab es dann noch verschiedene Dinge. So kamen dann aus den Nachbargemeinden einige Gruppen angetanzt, in der Hand hatten sie ziemlich lange Stöcke, an denen jeweils 12 Hühner kopfüber aufgehängt waren. Diese Gruppen tanzten dann eine ganze Weile dort fröhlich umher. Ich bin irgendwann nur mal kurz aufs Klo gegangen und als ich zurückkam war der Platz, an dem ich vorher mit Darwin stand, plötzlich leer. Oh nee, dachte ich mir nur. Wo ist er denn jetzt schon wieder hin? Ja, die Frage hätte ich mir ersparen können, einfach mal den Ohren nach immer dahin wo die Musik herkommt. Da stand er dann auch fröhlich musizierend mit wahlweise Gitarre, Geige oder Panflöte, die er sich mal von dem einen, mal von dem anderen ausgeliehen hat. Ja, so war meine Suchmission auch beendet und ich hab mich dann nach einer Weile wieder zu seinem Dad gesellt, der wohl eher der ruhige Pol der Familie ist und nicht ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen muss. So sassen wir zwei dann – ebenfalls fröhlich – jedoch weder musizierend noch tanzend, sondern Empanadas essend dort und haben zugeschaut
. Der Part hat mir eindeutig besser gefallen…hehe…
Und ganz ehrlich, manchmal denke ich mir: diese Familie kann echt froh sein, mich zu haben, sonst wären sie schon das ein oder andere Mal echt aufgeschmissen gewesen. Denn inzwischen war es schon nach fünf Uhr nachmittags, wir waren immer noch irgendwo oben in der Pampa und hatten noch mindestens 1 ½ Stunden Weg bis zum nächsten Bus, der uns annähernd in die Nähe unserer Heimat bringen würde, vor uns. Ich hab also so ganz vorsichtig mal angetastet, wie lange es denn überhaupt Busse gäbe, was aber zunächst einmal überhaupt keinen wirklich interessiert hat. Dann nachdem ich dann penetrant das fünfte Mal gefragt habe, wie wir denn eigentlich heimkommen und es inzwischen schon kurz vor sechs war, fing dann plötzlich hektisches Durcheinanderreden an, aus dem ich nur heraushörte, dass der letzte Bus von Cayambe ja um halb acht fahren würde. Ich wiederhole: Es war kurz vor sechs, wir befanden uns immer noch irgendwo mitten in der Pampa, hatten immer noch mindestens 1 ½ Stunden zum nächsten Bus vor uns und nicht zu vergessen: Wir mussten ja erst einmal eine Möglichkeit finden, von dort oben überhaupt runter zu kommen.
Ja, so wurde also hektisch eine camioneta bestellt, die aber glücklicherweise schon auf dem Weg war, um jemanden dort oben abzusetzen, alles zusammengepackt und sich dann mit 7 Leuten in eine 5-Personen-Kabine gequetscht. Nicht zu vergessen das lustige Huhn, das am Hals keine Federn hat, an den Füssen dafür umso mehr und das Darwins Mama zum Abschied mit den Worten „Damit ihr eine leckere Suppe machen könnt“ überreicht bekommen hat. So kamen wir dann irgendwann nach einer extrem unbequemen Fahrt irgendwann in Quinche an, von wo aus wir dann einen noch extremeren Umweg machen mussten, nämlich erstmal nach Tabacundo und von dort aus wieder nen anderen Bus nach Otavalo. Im Bus verkündete mir Darwin dann noch mit einem fröhlichen Grinsen, dass wir jetzt noch zu Joshe und Laura gehen würden, da sie am nächsten Tag mit den Wi ñay Kayambis einen Auftritt hätten und dafür noch mal üben wollten. Aber ich kenne meine Pappenheimer inzwischen ziemlich gut und wusste, dass das ein böses Ende nehmen würde, also hab ich die Einladung mit den Worten „Mach du, was du willst. Ich geh jetzt nach Hause und schlafe!“ höflich abgelehnt. Scheinbar war das aber wieder ein bisschen zu direkt und klang doch eher unhöflich, so dass etwa 1 Stunde nach uns auch Darwin wieder zu Hause ankam
.
Aus dem Auftritt wurde dann im Endeffekt doch nichts, da alle übrigen Mitglieder der Gruppe an besagtem Abend doch eher ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatten. hehe…
Aus der leckeren Hühnersuppe wurde ebenfalls nichts (nicht das mich das sonderlich gestört hätte), da sich unser lieber deutscher Schäferhund Mel dem armen Huhn angenommen hatte. So hatte wenigstens der Hund einmal ein leckeres Festmahl. Guten Appetit.
Ansonsten verliefen die Tage relativ unspektakulär… Wir haben hier kleine Hundebabies die ziemlich süss sind und die einen auch den ganzen Tag auf Trab halten können… Aber knuffig sind sie… So sind wir, als wir eigentlich in die Thermalbäder von Guachalá schwimmen gehen wollten, die aber zu waren, dann kurzerhand mit den vier Mädels, die in Intag arbeiten werden, zurück nach Pijal gefahren sind.
Dort kamen wir dann an und die Mädels haben die ersten comunidad-Erfahrungen gesammelt. Vor allem haben sie festgestellt, dass einem nach einer Weile auf comunidad-Strassen die Füße wehtun, wenn man keine festen Schuhe trägt. Zumal wir nicht direkt nach Hause gegangen sind, sondern Darwin ihnen erst einmal den schönen Ausblick von dem anderen Grundstück zeigen wollte, was noch weiter von der Pana entfernt ist… da sie davon aber nichts wussten, sind diese Pobrecitas uns einfach gefolgt… Aber der Ausblick hat sie dann glaube ich doch mehr oder weniger entschädigt. Von dort aus sind wir dann zurück zum Haus gelaufen und haben eine ganze Zeit lang mit den Hundis gespielt, bis Darwins Mama dann rauskam mit einem ganzen Haufen Trachten, die sie selbst gestickt und genäht haben. Dann wurden sie erst einmal dort reingesteckt, Darwin hat Gitarre gespielt und wir haben ein wenig Inti Raymi getanzt… So sassen wir noch eine ganze Weile zusammen, haben uns unterhalten, gesungen und dann sind die vier wieder zurück nach Otavalo gefahren.
Am Wochenende danach waren wir mit ein paar Leuten hier aus Pijal in Guachalá in den Thermalbädern, was auch wirklich lustig war. Aber wieder einmal typisch ecuadorianisch, denn eigentlich wollten wir morgens um halb 7 los, da Oscar sagte, er würde dann nach Hause kommen und mitgehen. Um 11 haben wir uns dann im Endeffekt mit den anderen an der Pana getroffen. Aber nicht einmal das haben wir geschafft, denn als wir endlich losgehen wollten, fiel Gandhi auf, dass das Huhn, was wir am Morgen rausgelassen haben, damit es ein wenig Sonne tanken kann, plötzlich nicht mehr auffindbar war. So mussten wir das erst einmal suchen, was sich in der Hundehütte versteckt hatte und keinen Ton von sich gab. Ja, um halb 12 kamen wir dann endlich los und haben so mehr oder weniger den ganzen Nachmittag dort verbracht, sind geschwommen und haben im Wasser Volleyball gespielt, wobei ich mich nun schon zum 3. Mal richtig schön verbrannt habe… Aber gut…
Am Montag Morgen wollte Darwin dann nach San Pablo fahren, um seinen Sohn dort zu besuchen. Nach etwa einer Stunde kam er dann aber wieder zurück und meinte, es würden keine Busse fahren wegen des Streiks. Kurz darauf rief dann auch José an und sagte, dass er wegen des Streiks nicht nach Quito an die Uni fahren konnte und ob wir nicht mit ihm nach Otavalo wollen. So sind wir dann kurz darauf an die Pana gelaufen, wo auch gleich eine Camioneta kam, die uns mitgenommen hat. Schon in Gonzales standen Unmengen von Leuten, die zu der Zeit noch relativ friedlich protestiert haben, aber trotz allem waren schon Busse von Polizisten am Start.
Wir haben dann den Tag fröhlich in Otavalo verbracht und beschlossen, am Abend endlich mal Pizza zu machen. Gegen 14 Uhr sassen wir wieder im Bus zurück, was allerdings ein weiteres Abenteuer wurde. Die Busse fuhren zwar, kamen aber Stellenweise einfach nicht weiter, da die Strassen mit brennenden Baumstämmen, Steinen und allem, was sich sonst noch so aufgefunden hat, blockiert waren. Der Hintergrund der ganzen Sache ist die Diskussion darüber, dass das Wasser hier privatisiert werden soll. Im Moment wird das Wasser noch von den Gemeinden selbst verwaltet, was zwar nicht unbedingt so effizient ist, da es so einfach wenig Wasser gibt (bei uns hier unten vielleicht 3 Tage in der Woche, bei José und Laura, die ein Stück weiter oben wohnen, ist es schon schlimmer, sie haben nur 1 Tag alle 2 Wochen mal Wasser), dafür zahlt man auch nur 5 Dollar pro Haus und das auch nur alle 3 Monate oder so. Sollte das Wasser hier privatisiert werden, soll man pro Person plötzlich 3 Dollar pro Monat zahlen, was schon ein kleiner Unterschied ist. Ja, und da die Ecuadorianer damit nicht einverstanden sind, sassen wir nun im Bus und standen und standen und standen und dachten schon, dass wir von Gonzales aus zurück laufen mussten. Dann kam aber einige Minuten die Polizei und hat die Strasse frei geräumt, so dass es im Endeffekt doch weiter ging und wir bis kurz vor Pijal kamen, wo wir dann erneut standen, aber einfach ausgestiegen und die restlichen Meter zu Fuß gelaufen sind. Dort war dann auch schon ein Teil des Dorfes versammelt und damit beschäftigt, Baumstämme auf der Strasse zu platzieren. neben den Baumstämmen befanden sich schon Steine und das Dach von unserer inzwischen nicht mehr existierenden Bushaltestelle auf der Strasse, das der Wind schon einige Tage vorher heruntergeweht hatte. So standen wir eine ganze Weile dabei, ich hab mich dann mit Dakki, dem Sohn von Laura und José an den Rand gesetzt und zugeschaut, während die zwei Jungs sich ins Getümmel gestürzt und geholfen haben.
Kurze Zeit später kam dann die Polizei und das Spektakel war vorüber. Wir haben uns dann auf die gegenüberliegende Straßenseite an das Haus von Darwins Familie gesetzt und zugeschaut, wie sie alles wieder aufgeräumt haben. Dann ist ein Teil der Polizisten weiter gezogen, der andere Teil hat sich fröhlich in die Sonne gechillt und die Frau, die bei uns im Dorf immer Mote mit Käse verkauft, hat an diesem Tag wohl das Geschäft ihres Lebens gemacht
.
Etwas später kam dann Oscar mit den Schlüsseln vom Haus und wir haben uns drinnen umgesehen. Das ist echt so ein schönes Haus und steht einfach so da herum, voll schade. Das gleiche meinte auch José, der dann die Idee hatte, doch irgendwas da drinnen aufzumachen. Ja, wir haben dann erstmal Ligretto gespielt und auf Laura gewartet, die von der Arbeit nach Hause kam. Dann sind wir alle zusammen hochgelaufen, haben Pizza gemacht und noch ein bisschen gespielt und uns unterhalten. Da kam dann auch die Idee auf, am Wochenende doch was zusammen zu machen und wir haben beschlossen, nach Oyacachi zu fahren.
So ging es dann am Freitag Nachmittag los. Leider waren im Endeffekt Darwin und ich alleine, da Laura noch von der Arbeit aus irgendwo tanzen musste und so noch nicht am Freitag Nachmittag mitkonnte. Wir sind also nach Cayambe gefahren, haben noch die letzten Sachen gekauft und dann mit dem Bus weiter nach Oyacachi. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass wir auf keinen Fall auf der Wiese zelten konnten, da es doch ganz schön geregnet hat, und so haben wir das Zelt dann erstmal in so einer Art Scheune aufgebaut, was nicht ganz so bequem gewesen ist, da es einfach ziemlich hart und auch kalt war auf dem Betonboden, aber egal
.
Wir haben dann erst einmal etwas zu Abend gegessen und sind dann am Abend noch mal in den Bädern schwimmen gegangen, was zwar ziemlich heiß war, aber auch total schön. Wir sassen dann noch eine Weile da und haben uns unterhalten und sind dann auch schlafen gegangen. Am nächsten Tag waren wir wieder schwimmen und sind ein wenig durch den Ort gelaufen, wo Darwin dann ganz entsetzt feststellen musste, dass es im ganzen Ort keinen einzigen Laden gibt, in dem sie Bier verkaufen. So wurde die eine Flasche, die wir noch im Santa Maria in Cayambe gekauft hatten, offiziell zum Heiligtum erklärt. hehe…
So verging auch der Samstag relativ ruhig und wir warteten sehnsüchtig auf den Bus, in der Hoffnung, dass dort entweder Anneke mit Diego oder Laura und José oder überhaupt irgendjemand bekanntes drin säße. Der Bus kam dann auch, aber leider war niemand von unseren Freunden dort drin. So sind wir dann ziemlich betröppelt zum Abendessen gegangen, denn es ist zwar schön, mal einen Tag so zu zweit zu sein, aber wenn man – wie in Oyacachi – wirklich gar nichts machen kann, wird das auch schnell langweilig. Ja, wir sassen also beim Abendessen – wo ich übrigens den bisher teuersten Reis mit Pommes und Ei gegessen habe: 2 Dollar!!! Im Vergleich: Darwins Forelle mit genau den gleichen Beilagen kostete 2,50!!! Die Erklärung des Besitzers: Das sind Landeier! Alles klar
.
Ja, wir saßen also beim Abendessen, als Darwin plötzlich meinte: Laura und José sind gekommen. Ich schaue aus dem Fenster, sehe aber weit und breit nichts. „Nee, da ist gar nichts!“. So haben wir fertig gegessen und sind dann den Berg wieder heruntergelaufen zurück zu den Schwimmbädern. Auf einmal höre ich jemanden pfeifen. Und da hier jede Clique ihren eigenen Pfeifton hat, wusste ich, dass es wirklich José sein musste. Ich meinte also zu Darwin: „Hee, da unten sind sie. José hat grad nach dir gepfiffen.“ Diesmal hat er allerdings nichts gehört, aber ich bestand darauf und meinte: „Doch, doch. Ganz sicher. pfeif mal zurück.“ Und tatsächlich, dann haben sie eine ganze Zeit lang da hin und her gepfiffen bis wir unten beim Parkplatz angekommen sind, wo sie mit dem Auto von Lauras Vater standen. Ja, auf einmal waren wir alle wieder happy, erst recht, als sie von der Ladefläche hinten eine ganze Kiste Bier herunterholten. Der Abend war also gerettet. hehe… Nee, nicht nur wegen des Biers. Wir haben uns wirklich riesig darüber gefreut, sie zu sehen.
Der einzige Nachteil an der ganzen Sache war der, dass Laura schon den Tag über getrunken hatte und dementsprechend schon gut bei der Sache war. Der zweite Nachteil war, dass sie – genau wissend, dass ich Bier einfach nicht mag – eine ganze Flasche Schnaps mitgebracht hatte, allerdings in ihrer schon „leicht“ angetrunkenen Art nicht mehr in der Lage war, die richtige Mischung zu machen und dann ungefähr doppelt so viel Schnaps wie Cola in das Glas füllte und auf meinen Hinweis, dass das doch ziemlich stark sei, probierte und meinte: „So ein Quatsch! Das ist genau richtig.“ Na dann mal Prost. Das Ergebnis der ganzen Sache war, dass ich, die beim Ligretto am gewinnen war mit 97 Punkten, nicht mehr in der Lage war, die 3 fehlenden Pups-Pünktchen zu machen, was mich bis heute noch ärgert.
Am nächsten Morgen ging es mir eigentlich noch relativ gut. Wir sind dann baden gegangen und als ich dann aus dem Wasser raus bin, hat es mich dann wirklich voll umgehauen. Ich hab mich dann einfach ins Zelt gelegt und darauf gewartet, dass die anderen alles zusammenpacken. An diesem Tag war ich wohl so froh wie noch nie über die Tatsache, dass das Auto eine Ladefläche hatte. So habe ich mich einfach auf die Matratze, die die anderen zum Zelten mitgebracht haben, gelegt und gehofft, dass die Fahrt so schnell wie möglich vorüber geht. Zuhause angekommen bin ich dann direkt ins Bett und auch den ganzen Tag nicht mehr aufgestanden. Da ich aber nicht die einzige war, die mit nem dicken Kater im Bett lag, haben wir den Rest des Tages auch gar nichts mehr gemacht außer einen Film nach dem anderen zu schauen und uns von seiner Mama verwöhnen zu lassen, die dann extra für mich diese leckere Suppe mit so Bällchen aus Maismehl, die mich irgendwie an Grießklößchen erinnern, gemacht hat
. hehe…
Glücklicherweise ging es mir dann am nächsten Tag aber auch wieder besser, so habe ich mal die ganze Wäsche gewaschen und die Zelte saubergemacht. Über Nacht hat sich der Gipfel von San Augustín, der schon am Tag vorher ziemlich arg gebrannt hat, wieder entzündet, so dass Darwin und seine Mama dann eigentlich hochgehen wollten um zu „löschen“. Aber irgendwie kam dann keine camioneta mehr und so kamen sie auch nach einer Stunde wieder zurück.
Ansonsten verlief die Woche dann relativ ruhig. Am Samstag wollten wir eigentlich wieder mal nach Tabacundo fahren, um Kartoffeln zu ernten, aber auch dieses Mal wurde nichts daraus. Das erste Mal war ja schon ein Reinfall, als wir extra dafür morgens um 5 Uhr aufgestanden sind, nach Tabacundo gefahren sind, runter zum Haus seines Opas gelaufen sind und erst einmal Frühstück gemacht haben. So sassen wir dann da bis es schon gut halb 9 Uhr war, von den Helfern fehlte aber jede Spur, so dass ich irgendwann mal nachfragte, ob sein Opa, der zwar immer immer lächelt, aber trotzdem schon ein wenig verwirrt ist, denn überhaupt bescheid gegeben hat. „Wie? Ich? Nee, ich hab niemandem bescheid gegeben! Sollte ich das tun?“ … Man bedenke, dass er vorher schon ungefähr 3 Mal gefragt wurde und immer bestätigt hat, dass alles klar ginge und er den Helfern bescheid gibt. So standen wir also da mit 5 Leuten und haben dann die Entscheidung gefällt, doch lieber nach Cayambe zu fahren, da der Kartoffelacker gross und unsere Arbeitsmoral doch eher klein war
.
Das war übrigens nicht der einzige Knaller, den der liebe Opi gebracht hat. Noch viel besser war, als er Darwin fragte: „Und wo kommt deine Frau her?“ – „Aus Deutschland.“ – „Aaaaah, aus Guayaquil. Da musstest du aber weit fahren um sie aufzutreiben!“. Wir haben Tränen gelacht….
Ja, also, Kartoffelernte – Versuch 2: Bis zum Freitag Nachmittag stand alles, dann kam plötzlich ein Anruf von José, ob wir denn Morgen früh mit zu der Minga gehen, um oben am Gipfel von San Augustín eine Feuerschneise zu machen. Davon wussten wir bisher noch gar nichts. Das Ding war nämlich, dass Oscar, der am Sonntag zuvor bei der Reunión gewesen ist, überhaupt nicht bescheid gegeben hat. Obwohl, man weiß es nicht so genau. Er sagt nämlich, er hätte der Mutter bescheid gegeben. Naja, egal. Auf alle Fälle hätte es wohl 10 Dollar Strafe gekostet, wenn keiner von der Familie zu der Minga geht, also wurden Darwin und ich dazu abbestellt, die anderen wollten sich den Kartoffeln widmen.
So standen wir an dem Samstag Morgen also um viertel vor 7 mit Spaten bewaffnet oben am Fußballfeld und haben auf den Bus gewartet. Dort haben wir auch José mitsamt seinem Sohn getroffen. Um 7 kam dann auch der Bus, leider waren viel mehr Leute als Sitzplätze da, so dass ein Teil dann einfach oben aufs Dach geklettert ist. So ging es dann los, allerdings nur ein paar Meter, da kam dann noch ein anderer Bus und so kamen dann vom Dach erstmal eine ganze Schar Spaten geflogen und im Anschluss die Leute wieder heruntergeklettert. Und da nahm das Unglück seinen Lauf. José war nämlich oben auf dem Dach, Dakki, sein Sohn, aber bei uns im Bus mit noch irgend jemandem. So sind wir dann etwa eine Stunde lang den Berg hochgefahren, dann ausgestiegen, wieder in so ein Baustellenfahrzeug rein und noch weiter den Berg hoch. Dort sind wir dann ausgestiegen und haben auf José gewartet, der dann auch eine ganze Zeit später auftauchte. Irgendwann meinte er dann: „Wo ist eigentlich Dakki? Ist er nicht bei euch?“ – „Nee, er war mit uns im Bus, aber jetzt… Keine Ahnung.“ – „Mist. Ich muss ihn finden, sonst krieg ich Ärger mit Laura!“ So wurde dann jeder, der vorbei kam, gefragt, ob er nicht zufällig seinen Sohn gesehen hat. Das ging dann ungefähr so. Einer von meinen ehemaligen Siebtklässlern kam vorbei. „Hast du Dakki gesehen?“ – „Nein.“ – „Weißt du denn, wie er aussieht?“ – „Nein.“
Da war der Mann mit dem Megafon schon eher eine Hilfe. Obwohl auch das keinen wirklichen Erfolg brachte. Nun ja, José war dann der Meinung, dass ein achtjähriges Kind ja nicht einfach so verloren geht und schon irgendwann wieder auftauchen würde, und so sind wir dann zu Fuß noch weiter den Berg hochgelaufen, wo schon eine ganze Menge Leute am Arbeiten war. Ich dachte ja, dass meine Kondition schlecht wäre, aber gegen die von Gaby, eine von Darwins und Josés Cousinen, kann ich noch bei Olympia antreten, denn sie war schon vom Hochlaufen so fertig, dass ich ihr irgendwann ihren Spaten abgenommen habe und sie dann noch den Berg hochgeschoben habe.
Oben angekommen haben wir dann einen Platz gesucht und dann angefangen, den Berg auf 4 Metern Länge und 4 Metern Breite von dem Gras zu befreien. So standen wir eine ganze Weile dort oben, die Jungs haben sich irgendwann zusammengetan und gemeint, dass es sinnvoller sei, erst den einen Teil und dann den anderen Teil zu bearbeiten, was sich dann in Darwins Augen als völliger Fehltritt herausgestellt hatte, da er der Meinung war, dass er ja ungefähr 5 Mal so viel arbeiten würde wie José. Ja, so hatten wir da schon unseren Spass. Nicht zu vergessen die arme Gaby, die sich mit ihrem Stück wirklich abmühte, aber irgendwie nicht wirklich voran kam und dazu noch ständig die dummen Sprüche der Jungs anhören musste. „Gaby, das ganze Gras da ist deins??? Ja, wir warten dann unten beim Essen auf dich!“ Na Gott sei Dank war dann Josés Mama noch dabei, die daraufhin nur antwortete: „Ach, mein armes Baby, warte, ich komme gleich und helfe dir.“ Man bedenke, dass sie auf ihrem Stück auch nicht wirklich weiter war als Gaby auf ihrem. Ja, aber im Endeffekt haben sie dann doch allen noch geholfen, so dass wir nach etwa 3 Stunden doch mit allem fertig waren.
So sassen wir dann noch dort oben am Berg und haben unser Mittagessen ausgepackt und alle zusammen gegessen. Ich dachte mir gleich, dass das keine gute Idee sein kann, aber gut. Nachdem wir fertig gegessen, alles eingepackt und schon wieder auf dem Weg nach unten waren, kam dann eines von diesen Baustellenfahrzeugen angefahren. Wir alle haben angefangen zu pfeifen und zu rennen, dass es uns mitnimmt, was aber vergebens war, denn entweder der Fahrer hat uns nicht gehört, oder er wollte uns nicht mitnehmen, denn auf dem Weg unten drehte er plötzlich um und fuhr geradewegs wieder zurück. Mist, jetzt mussten wir bis zum Bus, der noch ein ganzes Stück entfernt war, laufen.
Wir sind also losgelaufen und kamen dann etwa eine dreiviertel Stunde später an dem Platz, an dem die Busse eigentlich hätten stehen sollen, an. Dumm war nur, dass von den Bussen weit und breit keine Spur mehr war. Nein, nein, nein. Das konnte echt nicht sein. Wir standen ganz oben auf dem Berg, ganz unten auf der anderen Seite sah man die Häuser von Pijal, kleiner als Stecknadelköpfe, und all das mussten wir nun laufen. Das einzig positive an der ganzen Sache war wohl, dass zumindest Dakki in der Zwischenzeit wieder aufgetaucht war.
So sind wir dann losgelaufen und gelaufen und gelaufen. Nach etwa 2 ½ Stunden nur bergab laufen, was wirklich übelst auf die Knie ging, dazu noch meine Bauchschmerzen, die laut Aussage der anderen davon kämen, dass ich mir den „schlechten Wind“ eingefangen habe, kamen wir dann endlich in San Augustín an, wo wir bei dem Haus von Paika, die mit uns gelaufen ist, erst mal etwas getrunken haben. Dann ging es mit einer kleinen Unterbrechung, in der Darwin von Josés Baumtomatenfeld „einige“ Tomaten pflücken wollte (er hat damit dann den ganzen Rucksack gefüllt), zurück nach Pijal, wo wir etwa eine halbe Stunde später auch endlich ankamen. Dort wartete dann Josés Mama mit Gaby wenigstens schon mit dem Mittagessen, was sie in San Augustín verteilt haben, auf uns. So sassen wir erst einmal dort am Strassenrand, haben Reis, Kartoffeln, Hühnchen und Limonade aus Tüten gegessen bzw. getrunken. Dann noch kurz bei der Tienda ein Eis gekauft und nichts wie nach Hause, wo ich erst einmal bestimmt 10 Minuten am Waschstein saß und meine Füße gekühlt habe.
Später am Nachmittag kamen dann auch die anderen nach Hause und erzählten, dass sie auch dieses Mal keine Kartoffeln ernten konnten, da es eine Reunión wegen des Wassers gab, wo alle Bewohner hingehen mussten. Nun ja, so blieben die Kartoffeln halt noch länger in der Erde…
Am nächsten Tag bin ich aufgewacht und habe wirklich jeden einzelnen Knochen und Muskel meines Körpers gespürt und habe mich an diesem Tag darauf beschränkt, wirklich nur die nötigsten Dinge zu erledigen. Darwin ging es nicht anders, und genau deshalb verstehe ich auch nicht, wie er so verrückt sein kann, noch auf die Idee zu kommen, mit diesem Körper Volleyball spielen zu gehen. Okay, sie spielen jedes Wochenende, aber die Wahrscheinlichkeit, in diesem Zustand zu gewinnen, ist schon relativ gering. Ich habe ihm dann versucht, nahe zu legen, lieber nicht zu gehen und die 5 Dollar Einsatz lieber zu sparen, was ihn aber nicht davon abhalten konnte. So ist er dann losgegangen und kam 3 Stunden später noch fertiger zurück – natürlich ohne die 5 Dollar… hehe… Wer nicht hören will muss fühlen oder wie sagt man so schön???
Ja, so vergehen die Tage und es passiert mal mehr, mal weniger. Am Donnerstag war es dann wieder einmal so weit. Neue Volontäre! Und so saßen Anneke und ich auch schon wieder im Bus nach Quito, später dann am Flughafen und haben gewartet und gewartet und gewartet. Der Flug war zwar relativ pünktlich, die Volontäre aber leider nicht. Wir haben schon mit dem schlimmsten gerechnet, als inzwischen schon der Großteil der Passagiere des nächsten Fluges aus der Tür rausgekommen waren, von unseren zwei chicos aber immer noch jede Spur fehlte. Irgendwann kamen sie dann, leider jedoch ohne jegliches Gepäck. Nicht schon wieder! Naja, immerhin waren die beiden wohlauf, das war die Hauptsache. Und das Gepäck taucht früher oder später immer auf
.
So sind wir mit Nadine und Dominik erstmal nach Otavalo gefahren, haben die Rucksäcke im Haus abgestellt und sind dann weiter ins Fauno. Die armen zwei, gleich am Ankunftstag wurden sie erst einmal von A nach B geschleift
. Sie haben sich aber gut gehalten. hehe… Gegen 23 Uhr sind wir dann aber auch in die Wohnung gegangen und haben alle geschlafen wie die Babies. Am nächsten Morgen – ich weiß nicht einmal wie wir plötzlich da drauf kamen – kam dann plötzlich der Geistesblitz: „Wir fahren an die Küste!“. Gut, geplant war das schon länger, und am Tag vorher hat Joshe bei Darwin angerufen und noch mal nachgefragt, ob wir nicht dieses Wochenende fahren wollen. Nur mussten wir ja noch das Einführungsseminar mit einem Volontär machen. Und Nadine und Dominik wollten auch gerne mitmachen. Gut, also, mein Entschluss stand fest: Ich fahre, und wer nicht will, soll dableiben. Also habe ich mein Telefon genommen und Joshe, der immer noch in Quito in der Arbeit oder Uni war, angerufen. „Joshe, hör mal. Lass uns an die Küste fahren, aber heute Nacht schon, sonst lohnt es sich nicht.“ – „Ja. Wir sind dabei!“ Das war die Antwort…
Kurze Zeit später rief dann Laura an und meinte: „Wann treffen wir uns?“. Yes… So, wie ich auch schon Darwin davon überzeugt habe, hab ich dann auch die armen zwei Neuen, die ja am Abend vorher erst angekommen sind, von meiner Idee überzeugt. Was aber auch nicht so schwer war, schließlich hatte ich ja ein stichhaltiges Argument: Sie hatten kein Gepäck! Und an der Küste, weil man ja sowieso immer in Badesachen rumläuft, braucht man eindeutig weniger!
Ja, so ist Darwin dann morgens nach dem Frühstück nach Pijal gefahren um schon einmal den Rucksack und die Zelte herzurichten, wir haben das Seminar mit den chicos gemacht und am Nachmittag, nachdem ich mit Nadine und Dominik noch bei Don Gilberto waren, um kurz über das Projekt und die kommende Woche zu sprechen, saßen wir auch schon wieder im Bus nach Pijal. Leider hatten wir vor lauter Packen und Aufregung total vergessen, etwas zu essen, was uns aber auch erst im Bus auffiel. Naja, egal. Da rief dann sowieso schon Darwin an und so wurde er einfach dazu abbestellt, Pommes zu machen. Im Gegenzug wurde ich dazu verdonnert, die Kühe mit nach Hause zu bringen, was sich als schwieriger als gedacht herausstellte, denn erstens hatte sich das blöde Kalb kreisförmig um den Baum, an dem es angebunden war, gefressen, dass es sich nahezu stranguliert hat, und war auch nicht bereit, mal kurz ruhig stehen zu bleiben, damit ich es losbinden konnte. Dann irgendwann hab ich es dann doch geschafft und wir sind los, über die Pana, wo die zwei dann erstmal als Kuhtreiber engagiert wurden, und weiter nach Hause. Leider wollten die Kühe aber nicht so wie ich wollte und kaum hab ich mal einen Moment nicht aufgepasst sind sie schon hintenrum auf das Gelände gesprungen und standen nun fröhlich kauend in den Linsen und wollten sich auch nicht dazu bringen lassen, weiter zu laufen.
Die Mama-Kuh hab ich dann geschnappt und hinter mir hergezogen, in der Hoffnung, dass das Kalb seiner Mutterliebe folgend hinterherläuft. Tja, da hatte ich wohl falsch gedacht. War mir aber auch irgendwann egal, ich hab dann einfach ganz laut „Gaaaaandhiiiiiiiiiii“ gerufen und er hat sich dem Kalb angenommen
.
Ja, so waren wir also in Pijal, wollten eigentlich nur kurz essen und die Rucksäcke schnappen und wieder los. Dabei hatte ich aber völlig unterschlagen, dass Darwin erstens ein Mann und zweitens ein Ecuadorianer ist und dass für ihn „Ich habe gepackt“ bedeutet, dass er wahllos irgendwelche Sachen aufs Bett gelegt, aber erstens die wichtigsten Dinge wie Shampoo und Sonnencreme vergessen und zweitens noch überhaupt nichts in den Rucksack gepackt hat. So hieß es erstmal packen. Auch von den Pommes war weit und breit keine Spur, aber Gott sei Dank hat das arme 27-jährige Kind ja noch eine Mama, die uns dann fröhlich einen Berg Reis mit Linsen und Ei auftischte.
Als es dann schon hieß „Wir gehen“ fiel plötzlich Oscar ein, dass er ja nicht alleine zu Hause bleiben wollte, und dass er lieber mitkommt. Also mussten wir wieder warten, bis er schließlich sein Zeug gepackt hat und um halb acht waren wir dann tatsächlich auf dem Weg zur Pana, wo wir uns mit Laura und ihrem Sohn getroffen haben. Von dort aus ging es in einem Höllentrip nach und quer durch Quito zum Terminal, von dem aus die Busse gen Süden abfahren. Allein die Fahrt vom Terminal im Norden zu selbigen im Süden hat uns ungefähr 1 ½ Stunden und 2 mal Umsteigen gekostet. So kamen wir dann irgendwann dort an, wo Joshe schon auf uns gewartet hat. Also schnell Tickets gekauft, wobei wir dann erfahren haben, dass der Bus 10 Minuten später abfährt. Schnell noch mal aufs Klo und raus zum Bus. Vor lauter Hektik haben wir sogar vergessen, noch eine Flasche Wasser für die Fahrt zu kaufen, was wir dann im Bus teuer bezahlen mussten – im wahrsten Sinne des Wortes
. Und dann einfach nur schlafen. Ich hab auch echt gut geschlafen, bis es plötzlich einen Riesenknall gab und ich behaupte ja – entgegen Darwins Aussage – immer noch, dass es Funken gesprüht hat. Unser Bus hat versucht zu überholen und ist dabei mit irgendeinem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengestoßen. Ja, Schreck am Morgen. So standen wir da erst einmal mitten im Nichts herum. Ich dachte schon, wir müssten jetzt auf einen anderen Bus warten, aber nach einigen Minuten ging es glücklicherweise doch weiter.
So sind wir dann am Morgen auch in Canoa angekommen – dem Ziel unserer Reise. Dort waren wir erstmal frühstücken – typisch ecuadorianisch gab es schon zum Frühstück Fisch, für mich dann doch lieber Brot mit Marmelade
und anschließend an den Strand, wo wir nach einigen Minuten Diskussion das Zelt doch dort aufgebaut haben, wo es schon immer stand.
Die Tage waren echt schön, auch wenn wir am Anfang etwas Bedenken hatten, da es morgens so bewölkt war. Gegen Vormittag kam dann aber die Sonne raus – mit dem Ergebnis, dass wir uns trotz 50er Sonnencreme verbrannt haben. Nachmittags sassen wir dann im Zelt und haben Ligretto gespielt, bis es so dunkel wurde, dass man trotz unseren zwei Handys mit Taschenlampen wirklich gar nichts mehr sehen konnte, und so sind wir dann doch in eine Bar umgezogen. Dort haben wir noch eine Weile gespielt und sind dann fix und alle ins Zelt gefallen.
Am nächsten Morgen sind wir dann auch alle fröhlich aufgewacht und erst einmal eine Runde joggen gegangen bis zu den Klippen, wo wir dann versucht haben, Krebse zu fangen. Das war allerdings nicht sonderlich erfolgreich, worüber ich auch nicht gerade traurig war, denn schon am Tag vorher hat sich wieder einmal herausgestellt, dass ecuadorianische Männer doch einfach Kinder sind, denn egal was sie im Meer gefunden haben, es lief immer gleich ab. Man stelle sich vor. Wahlweise Darwin oder Joshe finden eine Muschel, Schnecke oder sonstiges Getier, was da im Meer so rumkreucht. „Wow, guck mal, was ich gefunden hab. Glaubst du, das kann man essen?“ – „Weiß nicht, das hab ich noch nicht gesehen, aber bestimmt. Man kann alles essen.“ Ja, Jungs. Man KANN!!! Das heißt aber nicht, dass man das muss. Und schließlich ist es schon mehr als genug, dass für euch Würmer, Käfer und Hühnerfüsse auf der Delikatessenliste stehen. An diesem Tag war ich echt froh, dass wir keine Möglichkeit hatten, zu kochen
… hahaha
Nachmittags sind Laura, Joshe, Dakki und Oscar dann aus dem Wasser gekommen und meinten, dass sie jetzt duschen gehen und dann nach Hause fahren. Hä??? Wir sind doch gerade erst angekommen… Naja, sie hatten am Sonntag wohl irgendeine Reunión und mussten deshalb wieder zurück. Wir haben uns dann aber dazu entschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben, und so sind die vier gefahren und wir wieder ins Wasser, wo Darwin dann von irgendetwas gebissen wurde, aber wirklich übel, so dass der ganze Zeh geblutet hat und er sein Bein kaum noch bewegen konnte, weil das anscheinend irgendetwas medio-giftiges gewesen ist. So lag er dann bestimmt 1 ½ Stunden von den Schmerzen wie unter Drogen stehend auf dem Handtuch und hat kaum einen Finger gerührt, bis es nach und nach etwas besser wurde. Ja, und dreimal dürft ihr raten, was seine Aussage war, als er wieder den Normalzustand erreicht hatte??? „Morgen geh ich nur noch mit Schlappen ins Wasser. Und dann such ich dieses Ding. Und wenn ich es finde, dann ess ich es!“ Ja, alles wird gut
Als wir da so auf dem Handtuch lagen kam dann auch ein Anruf von Laura: „Hey, wir sind jetzt hier in Pedernales. Kommt doch hierher!“ Ääh, nee… Außerdem war es schon nachmittags, und um 5 Uhr wollten wir ja das Fußballspiel Ecuador-Uruguay anschauen. Was übrigens der Hauptgrund gewesen ist, weshalb die anderen sich plötzlich entschieden haben, einen Zwischenstopp in Pedernales einzulegen
. Ja, so sassen wir dann in einer Bar, haben zugeschaut wie Ecuador verloren hat und sind dann Abendessen gegangen und haben anschließend noch an der leckeren Batido-Bar am Strand was getrunken und uns unterhalten.
Am Sonntag Morgen waren wir noch ein paar mal im Wasser und haben uns dann wieder in den Schatten verzogen, wo wir dann bis halb 5 nachmittags Monopoly gespielt haben. Zwar hatte immer noch niemand gewonnen, aber nach mehr als 4 Stunden ist uns auch die Lust vergangen. Danach waren Darwin und ich noch mal im Wasser und sind dann nach 3 Tagen Salz in den Haaren auch mal Duschen gegangen
. Danach sassen wir dann noch in einem Restaurant, haben noch was gespielt, uns unterhalten und sind dann gegen 23 Uhr vor zum Büro der Busgesellschaft, um um Mitternacht den (Achtung Mädels, jetzt kommts:) Direktbus!!! von Canoa nach Quito (ja, den gibt´s wirklich!) zu nehmen.
So kamen wir dann morgens um halb 8 in Quito an, mehr oder weniger fit, und sind auf direktem Wege zum Ministerium, um die Visa registrieren zu lassen. Im Anschluss daran dann zum Flughafen, um das Gepäck, was in der Zwischenzeit angekommen ist, abzuholen. Dort mussten wir dann leider feststellen, dass das Büro erst ab halb 3 nachmittags besetzt ist. Es war gerade 11 Uhr morgens, also noch 3 ½ Stunden warten. So sind wir erstmal was frühstücken, dann in den Supermaxi gegangen und haben dann die restliche Zeit am Flughafen herumgesessen. Immerhin hatten wir gegen 16 Uhr tatsächlich alles Gepäck und konnten wieder zurück nach Otavalo fahren. Ich bin dann noch kurz mit Dominik und Nadine ins Hostal und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie fertig ich war, als ich wieder in Pijal ankam. Ich lag nur noch mit meinem Teller im Bett und war selbst zum Essen zu fertig, und so haben wir dann auch relativ schnell geschlafen.
Die Woche bestand dann größtenteils aus Aufräumen von unserem Ausflug, Wäsche waschen, wobei ich das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass wir seit gut einem Monat nicht mehr gewaschen haben
.
Am Donnerstag sind wir wieder mal hoch in die Schule gelaufen. Oscar, der am Abend vorher die Volontärin von San Pedro kennen gelernt hatte, wollte dann mit und so sind wir zu dritt losgelaufen. Und da der Weg ja so endlos weit ist mussten natürlich Gitarre, Mandoline und sämtliche im Haus auffindbare Panflöten und Flöten mit. So sind wir dann musizierend den Berg hochgelaufen, wobei ich dann erneut dazu aufgefordert wurde, doch endlich mal ernsthaft Mandoline oder charango, was so etwas Ähnliches wie eine Mandoline ist, zu lernen. Ja, ich werde mir das mal zu Herzen nehmen, wenn er mal ernsthaft anfängt, Deutsch zu lernen
.
So kamen wir eine halbe Stunde später oben an, wo wir als erstes von Señorita Clemencia mit den Worten „Ooh, wie toll. Wollt ihr nicht hier Musikunterricht geben?“ begrüßt wurden. Ja, mal sehen… Ich glaube, ganz so begeistert waren die zwei von der Idee nicht. hehe… Ich habe dann kurz mit Louisa, der neuen Freiwilligen, geredet, auch über Nachmittagsprogramm, und die zwei Jungs haben vergeblich versucht, sich die tausend Kinder, die alle die Instrumente haben wollten und alle felsenfest behaupteten, zu wissen, wie man das spielt, vom Leib zu halten. Dann haben wir noch etwas gegessen und uns auch schon wieder verabschiedet, wobei Señorita Lidia uns dann gefragt hat, ob wir nicht am nächsten Tag wieder hochkommen wollten. Da waren nämlich die Wahlen zur neuen Schülervertretung und außerdem sollte der Mann aus der Schweiz kommen, der der Schule schon die Computer und die neuen Tische gespendet hat. Dafür wollten sie ein kleines Programm machen und haben uns gefragt, ob die Jungs nicht ein oder zwei Lieder spielen könnten.
So sind wir also am nächsten Morgen wieder losgelaufen. Als wir oben ankamen waren schon alle da und kurze Zeit später fing dann auch das Programm an. Ich habe wieder ganz viele Fotos gemacht, die Jungs haben dann zwei Lieder gespielt und dafür dann von dem Herrn aus der Schweiz eine mehr als dicke Belohnung bekommen. Anschließend haben wir noch gegessen und es war so ein schönes Gefühl, wieder mal in der Küche auf den kleinen Stühlchen zu sitzen und einfach nur Mist zu machen. So saßen wir eine ganze Zeit dort, haben dann noch mit den Kiddies „Baseball“ gespielt – okay, Baseball war das nicht, denn es gab noch nicht einmal Schläger, sondern der Ball wurde wie beim Fußball geschossen, aber sie nennen das so, auch gut
, und sind dann wieder nach Hause gelaufen.
Am Abend hatten die Wiñay Kayambis wieder einen Auftritt, und so bin ich mit Nadine und Dominik abends dann nach Ibarra gefahren, um dort zuzuschauen. Dort haben wir uns dann mit Laura, Darwin und den anderen getroffen und darauf gewartet, dass sie an der Reihe waren. Es war eigentlich echt witzig, das einzig blöde war, dass die ganze Tontechnik überhaupt nicht gestimmt hat, und so hat das deren Auftritt schon ziemlich runtergezogen. Auch die Leute waren gar nicht so cool wie beim letzten Mal in Otavalo, als wirklich alle vorne getanzt haben. Dieses Mal war es nur eine kleine Gruppe von vielleicht 10 Leuten, aber egal. Nadine und ich sind dann dazu gegangen und wurden natürlich gleich in die Mitte des Kreises befördert. So hatten wir eine ganze Menge Spass. Anschließend sind wir wieder zurück nach Otavalo, wo wir vier mit Laura noch ins Fauno gegangen sind.
In der Bar gegenüber waren die ganzen Cielo Azul-Volontäre, und so haben wir uns auch mit ihnen kurz unterhalten, wobei mir wieder mal bewusst wurde, dass der ein oder andere doch medio-verrückt ist. So hat Lisa mich dann gefragt, ob wir nicht mit tanzen gehen wollen, was ich aber dankend abgelehnt habe mit den Worten: „Nee, geht leider nicht. Wir müssen morgen früh um 5 aufstehen und Kartoffeln ernten gehen.“ – „Ooooh, waaaaaaas? Ihr geht Kartoffeln ernten? Oh, ich hab diese Woche schon Mais und Bohnen gesät, darf ich nicht mitkommen???“ Man muss dazu sagen, dass es schon fast Mitternacht und sie schon „leicht“ betrunken war. Aber gut, sie wollte es unbedingt, und wir waren über jede Hilfe froh. Also hab ich gesagt, dass ich sie am nächsten Morgen um halb 6 anrufe. Dann sind wir wieder zurück ins Fauno.
Dort sind wir dann auch bis halb 1 oder so hängen geblieben, als Joshe, der an dem Abend aus Quito zurück kam schon angerufen hat und gefragt hat, wo um Himmels willen denn Laura bleibt. Kurze Zeit später saßen wir dann auch zu viert im Taxi Richtung Pijal. Dort angekommen meinte Laura dann zu mir: „Geh mal mit rein. Joshe ist bestimmt böse und ich will nicht alleine gehen.“ So sind wir also zu zweit los und haben an die Tür vom Schlafzimmer geklopft. „Hä?“ – „Joshe?“ – „Ja.“ – „Machst du auf?“ – „Nee, ich schlafe schon.“ – „Gut, dann schlaf ich hier draussen vor der Türe.“ – Nichts… „Joshe???“ – „Ja?“ – „Ja, machst du jetzt auf oder nicht?“ – „Ja.“ . Er hat dann die Tür aufgemacht, wobei sich herausgestellt hat, dass er erstens noch gar nicht geschlafen hat, sondern noch am Computer gearbeitet hat und zweitens auch überhaupt nicht böse war. Ich hab dann noch mal den guten Tipp gegeben, dass sie sich nicht streiten sollen und dann sind wir zwei wieder raus. Ich hab dann Laura gesagt, dass wir den anderen sagen, dass Joshe schon schläft und nicht will, dass wir noch mal reinkommen, sonst wären wir da nämlich noch ewig hängen geblieben. Und so saßen wir dann auch schon wieder im Auto und sind den Berg wieder runter gefahren.
Zu Hause angekommen wollte ich einfach nur wenigstens 3 Stunden schlafen. Da hatte ich aber die Rechnung ohne meinen schon etwas betrunkenen Freund und dessen zwar noch nüchternen, aber nicht weniger verrückten Bruder, gemacht, die dann nämlich auf die Idee kamen, sie könnten ja noch einen Wein auf Oscars Geburtstag trinken. Ich betone: Es war mittlerweile nach 2 Uhr nachts, Darwin schon gut betrunken, ich einfach nur müde und wir hatten noch genau 3 Stunden zum Schlafen. Dementsprechend meine Antwort: „Ihr habt sie wohl nicht mehr alle! Ich geh jetzt schlafen! Macht ihr doch, was ihr wollt. Wo wollt ihr überhaupt jetzt Wein herkriegen?“ – „Meine Mama hat noch 2 Kartons oben bei sich im Schlafzimmer. Geh mal hin und sag: ´Schenken Sie uns einen Wein`“
Ja, es wird ja immer schöner. Ich glaub bei dir piept´s. Einen Teufel werd ich tun! Wenn du unbedingt Wein willst, frag doch selbst. „Ja gut, dann geh ich jetzt und frage.“ – „Nee, wenn, dann lass lieber Oscar gehen, denn du hast vorher nur Hallo gesagt und sie hat schon gefragt ob du betrunken bist.“. Aber wer nicht hören will muss fühlen. Ich hab mich dann ins Bett gelegt und hab nur gehört „Ich glaub´, du hast sie nicht mehr alle. Um 2 Uhr morgens, schon betrunken, in 3 Stunden musst du aufstehen und überhaupt, ach ihr steht sowieso nicht auf und ihr seid einfach nur faul!“ – „Aber Stephi will auch Wein trinken!“ HALLO???? Ich glaub echt, bei dir piepts! Glücklicherweise kennt seine Mom ihn und inzwischen auch mich ziemlich gut und weiß, dass an der Stephi-will-Wein-trinken-Sache nichts dran war.
Nun ja, 5 Minuten später hatte er dann seinen Wein, und damit war meine Bettruhe dann endgültig gestört, denn alle 2 Minuten stand er dann im Zimmer und hat mich vollgetextet. Dabei wollte ich doch einfach nur schlafen.
Um 5 Uhr waren wir dann wieder wach, um halb 6 habe ich Lisa angerufen, die auch tatsächlich dranging und tatsächlich sagte, dass sie jetzt gleich losfährt. In diesem Augenblick wusste ich, dass sie definitiv verrückt ist. Ich hätte alles darum gegeben, weiterschlafen zu können und sie steht freiwillig auf! Naja gut. Wir haben also gefrühstückt und sind dann zur Pana gelaufen, wo wir auf sie gewartet haben. Von dort aus ging es dann mit einem anderen Bus weiter nach Piqualquí, und ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben es an diesem Tag tatsächlich nach 3 Versuchen geschafft, den Kartoffelacker abzuernten. Das war zwar weniger erfolgreich, denn zunächst haben sie mit einem Pferd den Acker umgepflügt mit dem Ergebnis, dass wir in einer ganzen Reihe vielleicht 5 Kartoffeln gefunden und über jede einzelne gejubelt haben. Dann haben wir doch lieber mit Spaten jede einzelne Pflanze umgegraben. Das war zwar dann etwas erfolgreicher, aber im großen und ganzen war die Ernte doch sehr unergiebig, so dass Darwin dann zu seinem Vater meinte: „Da kommt gerade eine camioneta, die Kartoffeln verkauft. Besser kaufen wir noch mal 2 Säcke, um den Helfern wenigstens ihre Ration geben zu können!“. Ja, das Ergebnis waren etwa 2 Säcke Kartoffeln, die auf dem Markt je 8 Dollar kosten. Wenn man jetzt mal nachrechnet, die Fahrtkosten, wo wir ja mit jeweils etwa 4 Personen 3 Mal insgesamt dorthin gefahren sind, hat sich das echt nicht gerechnet. Aber so waren wir wenigstens wieder mal beschäftigt
.
Am Samstag Abend waren wir dann von Fausto, Joshes Bruder, eingeladen, um mit ihm zu der Familie zu gehen, die Paten von seinem Kind werden sollen, um dort wieder Essen abzugeben. So haben wir zu Hause auf Anneke, Nadine und Dominik gewartet und sind dann zusammen runter zu Fausto gelaufen, wo wir erst einmal etwas zu essen bekommen und die zwei chicos zum ersten Mal Meerschweinchen gegessen haben. Dort sassen wir noch eine Weile bevor wir dann weiter zum Haus der Paten gelaufen sind. Da gab es dann wieder Essen, danach einen ganzen Haufen Bier und ich wäre vor Müdigkeit fast eingeschlafen. Gegen 1 Uhr sind wir auch wieder nach Hause gegangen und haben uns in freudiger Erwartung, endlich einmal ausschlafen zu können, da Darwins Eltern in Quito, Oscar in Otavalo und Gandhi bei seinem Cousin waren, ins Bett gelegt.
Das mit dem Ausschlafen wurde dann nichts, da um halb 9 plötzlich Oscar im Zimmer stand und behauptete, es wäre schon 11 Uhr. Ja, so waren wir dann wach, haben gefrühstückt und sind dann nach Otavalo gefahren, um mit einem Volontär eine Gitarre zu kaufen und die Sachen für die Lasagne zu besorgen, die wir am Abend bei Laura und Joshe machen wollten. Als ich dann hinten raus gegangen bin, um die Türe zu verriegeln, habe ich dann auch Tyson, unseren kleinen Hund gefunden. Schon am Abend vorher haben wir uns gewundert, dass nur seine Mama ankam, um uns zu begrüßen, aber wir dachten, er wäre vielleicht irgendwo und hört uns nicht. Aber da hinten lag der arme kleine dicke tot in der Eingangstüre.
Ja, wir haben also die Kühe angepflockt und sind nach Otavalo gefahren, haben die Gitarre und die Zutaten gekauft und sind dann mit Nadine und Dominik wieder zurück. Am Nachmittag sind wir dann hoch zu Laura gelaufen und haben nach kurzen Diskussionen, dass auch Männer sehr wohl helfen können zu kochen angefangen, Tomaten, Zwiebeln und Co zu schnipseln. Die Lasagne war total lecker, aber noch leckerer der Salat, der selbst den Ecuadorianern geschmeckt hat, obwohl keine Limone am Dressing dran war
. Danach haben wir noch eine ganze Weile gespielt und beschlossen, nächsten Sonntag schon mittags anzufangen, um Monopoly spielen zu können.
Die letzte Woche bestand dann eigentlich nur daraus, Schals und Blusen zu besticken, Fransen daran zu befestigen und zwischendurch noch mal zu kochen, denn die Frau von Darwins Cousin ist gestern zu einem Fest nach Kolumbien gefahren und so hat sie gesagt, dass sie da die Sachen verkaufen kann.
Am Donnerstag Mittag sind wir dann alle nach Cayambe gefahren, wo ein neues Einkaufszentrum gebaut wird. In diesem will Darwins Mama einen Laden kaufen, um die Blusen, Röcke, Schals und so zu verkaufen. Sie war schon ein paar Mal da, wollte jetzt aber auch noch unseren Rat haben. So sind wir da durch die Baustelle gelaufen, haben uns die Läden angeschaut und wie wild darüber diskutiert, welcher Laden denn jetzt der Beste sei. Ja, noch ist nichts raus, aber ich verteidige immer noch wie wild den Laden an der Ecke im 1. Stock, was seine Mama aber nicht gut findet, da sie der Meinung ist, dass die Leute nicht bis in den ersten Stock hochlaufen. Ja, wir werden sehen
.
Gestern Morgen war ich dann kurz in Otavalo, hab mich mit Anneke getroffen, wir haben mal die Wohnung geputzt und uns unterhalten. Als ich wieder zurückkam war Darwin schon auf dem Weg nach San Pablo, um seinen Sohn zu besuchen, und so habe ich mich mit Gandhi und Oscar mal daran gemacht, das Haus zu putzen. Gegen Nachmittag kam dann der Anruf von Laura, dass die Wiñay Kayambis heute einen Auftritt in Ipiales haben. Und damit fingen dann die Diskussionen wieder an, da ich mich geweigert habe, mitzufahren, da mein Pass in Otavalo ist und Ipiales in Kolumbien und man dafür den Stempel braucht. Das wiederum hat Darwin aber abgestritten und da ich schon seit Donnerstag eine enorme Lust verspürte, mich zu streiten, was aber mit ihm einfach nicht geht, hab ich dann einfach mal auf stur geschalten und gesagt, dass ich ihn nicht im Gefängnis besuchen komme, wenn er als Illegaler in Kolumbien verhaftet wird. Woraufhin er dann meinte, dass er dann einfach anruft und sagt, dass er nicht mitfährt, was mir aber auch nicht recht war. Naja, so haben wir uns den ganzen Abend nur angezickt, mir war alles egal, er hat mit allen Mitteln versucht, mich zu beruhigen, was aber nur noch mehr Zorn in mir ausgelöst hat, woraufhin er mir dann vorgeworfen hat, ich wäre eine schlechte Freundin, denn seine Mama würde ihn segnen und ihm wünschen, dass es ihm gut geht während ich nur das Schlechte heraufbeschwöre. Und so haben wir uns auch als wir schon im Bett lagen noch bis um Mitternacht weiter angezickt, bis er irgendwann meinte, dass er einfach nicht mehr mit mir redet, weil er jetzt schlafen muss, denn um 4 müssen sie schon los.
Ja, so sind sie heute Morgen losgefahren, ich bin hier geblieben um nicht im Knast zu landen und hab mich gefreut, mal etwas länger schlafen zu können. Daraus wird nur hier in diesem Haus wohl niemals etwas werden, denn um punkt halb sechs geht die Türe auf, Gandhi steht im Zimmer. Ich stelle mich schlafend. Gandhi: „Stephi, weißt du wo…“ Dann die Stimme von seiner Mutter aus dem Nähzimmer. „Gaaaaaandhiii, ich hab´s gefunden!“ – „Oh, Sorry. Schlaf mal weiter.“
5 Minuten später. Es klopft. „Ja?“ – „Stephi, hast du nicht zufällig ne Mütze?“ – „Nee, hab ich nicht, die hat Darwin mitgenommen.“ – „Aaah“. Die Tür geht zu.
2 weitere Minuten später. Die Tür geht auf. „Hast du nicht doch irgendwas?“ – „ Nee, ich hab nur das hier“ und reiche ihr meine Kappe. „Aaaaaaaaaaaah, wie gut. Genau so was haben wir gesucht.“
Nachdem dann zwar in unserem Zimmer Ruhe war ging es draußen weiter. „Beeil dich, der Bus fährt sonst ohne dich ab!“ – „Schnell, hier ist dein Frühstück.“ – Der arme Gandhi wurde nämlich dazu verdonnert, zu der Minga am Gipfel von San Augustín zu gehen, um das gleiche zu machen, was wir letztens auch schon da oben gemacht haben, also diese Feuerschneise…
Nun ja, damit war ich um viertel nach 6 nun endgültig wach. Und das an einem Samstag. Nun ja, so kommt ihr nun endlich mal dazu, zu lesen, was wir in den letzten Wochen hier so erlebt haben, sonst hätte ich wohl nie Zeit gefunden, das alles mal aufzuschreiben.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal hochoffiziell für die 16 Word-Seiten entschuldigen. Ich habe wirklich ernsthaft versucht, mich kurz zu fassen. Aber wenn´s euch zu viel ist, dann lest es einfach nicht
. Und Jutta, du kannst dir hiermit schon mal ungefähr 12,90 Euro für ein Buch sparen. Also beschwert euch nicht!
Bis zum nächsten Mal, dann wieder etwas weniger