Verfasst von: pijalsanpedro | Oktober 26, 2009

…und hier die Fotos :)

Verfasst von: pijalsanpedro | Oktober 24, 2009

A los tiempos… ;)

Die Zeit vergeht wie im Flug und schon wieder sind einige Wochen vergangen, seitdem ich zum letzten Mal geschrieben habe. Inzwischen ist unsere erste Arbeit getan, die Seminare sind vorbei, waren mehr als erfolgreich und die Volontäre sind alle in ihren Projekten untergebracht.

So bleibt auch wieder ein bisschen Zeit, um meinen Blog wieder einmal zu aktualisieren :) . An dieser Stelle muss ich erstmal etwas berichtigen, nachdem mich Maikes Dad extra aus Deutschland angerufen hat, um mich darüber aufzuklären, dass ich in meinem letzten Bericht einen Fehler begangen habe, indem ich geschrieben habe, dass bei den ganzen Medikamenten nicht ein einziges gegen Halsschmerzen dabei ist… Ich nehme diese Stellungnahme hiermit offiziell zurück ;) und bestätige, dass ich vor lauter Schmerz die richtigen Tabletten doch glatt übersehen habe :) … haha…

Nun ja, Gott sei Dank ist diese schmerzliche Attacke ja inzwischen schon längere Zeit überstanden, ich bin wieder wohlauf und geniesse wieder jeden einzelnen Tag hier… Nach wie vor verbringe ich die meiste Zeit in Pijal, wir haben es inzwischen sogar tatsächlich geschafft, schon einmal meine Familie zu besuchen, wo wir Pizza gemacht haben und Darwin sich köstlich über Moppel-Jimmy amüsiert hat, der auch nach 2 Stücken Pizza immer noch nicht genug hatte :) .

Auch sonst ist hier schon das ein oder andere passiert wie zum Beispiel, dass Darwins Eltern gefragt wurden, ob sie Trauzeugen werden wollen. Und das ganze läuft hier etwas anders ab als in Deutschland. Man fragt, und wenn die Personen zusagen, dann kommt die gesamte Familie von Braut und Bräutigam in das Haus der Trauzeugen – bewaffnet mit Körben voller Essen und kistenweise Getränken.

So kamen besagte Familien eines Abends auch zu uns nach Hause und ihr könnt euch nicht vorstellen, was sie da angeschleppt haben… Zwei camionetas voller Essen und Getränke, das ganze Wohnzimmer stand voller Körbe, Kisten und Kartons… 2 riesige Wannen voller Hühnchen, 1 Wanne voller Kartoffeln, insgesamt 45 Meerschweinchen, 6 Kisten Bier, 2 Kisten Wein, dazu noch 1 Wanne voller Mote und Eier und ganz viel anderes Zeug. Schon vom Hinsehen war ich satt :) . Genauso ging es dann später auch Gandhi, Darwins kleinstem Bruder… Nachdem alle Gäste Essen bekommen hatten, standen wir in der Küche und haben uns das genommen was wir wollten. Leider haben aber sowohl Gandhi als auch ich unseren Hunger regelrecht überschätzt, als wir dann schon nach ¼ Teller mehr als satt waren :) .

Nach dem Essen ging dann die Party los, was mich schon leicht genervt hat, denn inzwischen war es schon kurz vor Mitternacht, ich war echt fertig und wollte weder von Bier noch von Tanzen etwas wissen, was ich dann auch auf typisch deutsche – vielleicht etwas zu direkte Weise – mitgeteilt habe, so dass das ganze am Ende in einer mehr oder weniger grossen Diskussion zwischen Darwin und mir endete, weil er meinte, ich würde mich ja überhaupt nicht an die ecuadorianische Kultur anpassen, was ich wiederum nicht verstehen konnte, weil ich der Meinung bin, dass ich, wenn ich nicht trinken möchte, das auch nicht tun werde… Naja :) Inzwischen haben wir uns auch schon wieder vertragen, von daher kann es nicht zu schlimm gewesen sein…hehe…ich habe mich sicherheitshalber um 1 Uhr doch ins Bett gelegt, was auch eindeutig besser gewesen ist, sonst hätte ich am Ende noch bis halb 7 morgens todmüde und genervt im Wohnzimmer gesessen :) .

2 Wochen später stand dann der nächste offizielle Akt an: einer von Darwins Cousins wird demnächst irgendwann heiraten und wollte um die Hand seiner Freundin anhalten. Was in etwa so ähnlich abläuft, wie die Sache mit den Trauzeugen. Nur, dass zunächst ein Mitglied der Familie bei der Familie der Braut vorsprechen muss, ob sie überhaupt bereit sind, mit der Familie des Bräutigams zu „verhandeln“, was in diesem Fall Darwins Mom übernommen hat. So sind wir also – wieder einmal spät abends – mit zwei camionetas nach San Pedro hochgefahren und wir sind zum Haus der Familie gelaufen, um dort vorzusprechen, während der Rest der Familie ein Stück weiter am Wegrand wartete. Ja, so standen wir dort und als erst die Mutter der Braut sagte, dass es die Entscheidung des Vaters wäre, ahnte ich schon böses. Dann sagte auch der Vater: „Ja, wir haben ja schon viel mit unserer Tochter darüber gesprochen und immer gesagt, sie soll erst mal studieren und dann kann sie heiraten.“ Uiuiuiau, dachte ich mir so, was macht die arme Familie denn jetzt mit diesen Kisten voller Obst, Säcken Brot und dem ganzen Rest, den sie noch da angeschleppt hatten…. Aber naja, nachdem dann einige Minuten geredet wurde haben sie dann gesagt, dass es wohl die Entscheidung der Kinder selbst ist und wenn sie glücklich sind, dann ist das die Hauptsache.

Und so waren die Früchte und der Rest dann auch gerettet :) . Wir sind also alle in das Haus gegangen und haben erst einmal Suppe bekommen. Mit lecker Fleisch. Und jedes Mal, wenn es Fleisch gibt, sind wir beide wohl mehr als glücklich…Ich, weil ich den Grossteil des Fleisches ziemlich eklig finde, und Darwin, weil er so immer die doppelte Portion Fleisch bekommt… hehe… Ja, und gerade von diesem Fleisch wollte ich echt nicht wirklich viel essen… Ich weiss nicht genau, was es war, aber es erschien mir wie Pansen oder so was. Und gerade, nachdem ich zum Mittag schon Leber oder Niere gegessen habe, hatte ich von Innereien jeglicher Art erst einmal genug. :)

Ja, nachdem wir alle gegessen hatten, haben wir uns dann auch in die Küche verzogen, da es da oben wirklich eiskalt und die Küche durch das Holzfeuer wenigstens etwas warm war … Dort sassen wir dann und ich habe mich ewig mit den Müttern meiner Schülerinnen vom letzten Jahr unterhalten und es war so cool, wieder einmal in San Pedro zu sein. Ja, eigentlich wollten wir nur 1 oder 2 Stunden bleiben, sind dann aber – wie immer – dort hängen geblieben und haben im Endeffekt bis halb 4 nachts getanzt. Was auch gut war, denn da fuhr dann gerade der eine Nachbar, der einen Bus besitzt, losgefahren ist, so dass wir einfach ganz heimlich eingestiegen sind und erst unten an der Ecke, an der es nach Provincia de Loja runtergeht, plötzlich „gracias“ gerufen haben und einfach ausgestiegen sind :) . So mussten wir wenigstens nicht die ganze Strecke runterlaufen… gewusst wie…

Am nächsten Morgen haben wir – die ja noch relativ viel geschlafen haben und dementsprechend fit waren – erstmal köstlich über Darwins Mutter amüsiert, wie sie aus ihrem Zimmer mehr gekrochen als gelaufen kam und uns erst einmal ausführlich über ihren doch etwas holprigen Nachhauseweg berichtete, gefolgt von der Aussage, dass sie von ihrem Kater jetzt bald sterben wird und heute von Tischdecken (die Tischdecken, die sie für den nächsten Tag hätte fertig sticken müssen) überhaupt nichts wissen wollte. Irgendwie tat sie mir ja dann doch leid, so dass ich mich erst einmal daran gemacht habe, Darwin davon zu überzeugen, dass er doch ein wenig Mitgefühl an den Tag legen solle und die restlichen Tischdecken besticken soll, was im Endeffekt dazu geführt hat, dass der Arme den ganzen Tag im kleinen Zimmerchen vor der Nähmaschine sass und Kartoffelpflanzen, Weizen und Habas auf den Stoff gestickt hat. Immerhin waren bis zum Abend drei der vier Tischdecken fertig und so sind wir auch relativ bald schlafen gegangen.

Um punkt fünf Uhr morgens hiess es dann: aufstehen. Ich war dann auch etwa 2 Minuten später wirklich wach, während Darwin weiter fröhlich im Bett lag und sich dann erst recht weigerte aufzustehen, als ich ihm unter Geschrei mitteilte, dass da eine eklige Schnecke auf dem Teppich umherkroch. Ich hab mich dann schnell aus dem Zimmer begeben, während er allen Ernstes anfing: „Maaaaaamiiii“ zu rufen. Man sollte nicht meinen, dass dieser Mensch tatsächlich schon erwachsen ist :) Die arme Frau ist wirklich Kummer gewohnt mit nur Söhnen. hehe… Naja, die Hauptsache war, dass die Schnecke dann irgendwann tatsächlich wieder aus dem Zimmer verschwunden war. Einige Zeit später waren wir dann auch wirklich auf dem Weg zur Pana, noch etwas später saßen wir dann im Bus nach Cayambe, von wo aus wir dann wiederum den Bus hoch zu der comunidad nehmen wollten, in der seine Mom Unterricht im Sticken von den Trachten hier gegeben hat. Dort fand ein Fest statt, an dem auch besagte Tischdecken überreicht werden sollten, die allerdings immer noch nicht wirklich fertig waren.

Ja, so war also der Plan. Was allerdings bei der Planung nicht berücksichtigt wurde war die Tatsache, dass es Samstag war und es am Samstag überhaupt keine Busse da hoch gibt. Ich hab schon mit dem schlimmsten gerechnet, nämlich dass wir den ganzen Weg hochlaufen sollten, was etwa 3 – 4 Stunden gedauert hätte. Dann waren aber alle einstimmig der Meinung, dass es vielleicht doch angenehmer ist, eine camioneta zu nehmen, und so sind wir dann sogar bis zur Schule gefahren worden, bequemer als mit dem Bus also, der einen noch etwa eine Stunde Fussweg von der Schule entfernt aussetzt.

Bei der Schule war erst einmal überhaupt niemand, so dass wir dann zu einem Haus von einer der Verantwortlichen der Gemeinde gelaufen sind. Dort sassen wir erst eine ganze Zeit in einem Räumchen herum und haben uns unterhalten, dann gab es Frühstück: einen ganzen Teller voller Mote. Ja richtig, dieser eklige aufgedunsene Mais, der einfach nur nach Wasser schmeckt. Dieses Mal war er aber erstaunlicherweise gar nicht so eklig und wie Darwins Mama immer so schön sagt: Schlechtes Essen, Ají macht´s gut. Dazu haben wir dann noch unsere zu Hause selbst gemachten Pommes ausgepackt und so war es doch noch ein ziemlich gutes Frühstück :) .

Irgendwann ging es dann doch tatsächlich voran, wir sind wieder zur Schule, wo der eigentliche Plan war, den Nähraum etwas herzurichten, um die von den Leuten aus dem Kurs hergestellten Stücke auszustellen. Da wurde aber die Tatsache, dass besagte Tischdecken ja immer noch nicht fertig waren, da noch der Name der comunidad mitsamt dem „Quitoloma“-Hügel fehlte. Das fiel dann doch noch auf und wieder war Darwin der arme, der dran glauben musste. Nach zwei Tischdecken war aber auch er der Meinung, dass das nun genug des Guten sei und teilte dies auch seiner Mutter mit, die darauf hin entgegnete: „Aaaaaaaaach, guck mal, wie schön. Ach bitte, mach doch die anderen eben auch schnell noch fertig. Du kannst das viel besser als ich…. – Ich lackier´ mir eben in der Zwischenzeit noch schnell die Fingernägel.“. Na, das war natürlich ein ausschlaggebendes Argument! hahaha…

Nachdem am Ende alle Sachen fertig waren, haben wir uns dann zur Sicherheit schnell aus dem Staub gemacht, bevor noch weitere Aufgaben folgen. So lagen wir dann oben über der Schule in den Paramo-Gräsern und sind dort auch tatsächlich eingeschlafen und erst pünktlich zur Messe mit der „Virgen del Quinche“ und dem Bischof von El Quinche wieder aufgewacht. Für diese Jungfrau haben sie extra ein Auto, was in etwa dem Papamobil gleicht. So haben sie dort oben eine Messe gehalten und im Anschluss alle möglichen Dinge gesegnet.

Danach gab es dann erst einmal Mittagessen – eine Suppe, die ziemlich lecker war und von der alleine ich schon mehr als satt wurde, obwohl ich nicht einmal alles gegessen habe und danach noch einen ganzen Teller voller Kartoffeln, Käse, Mais, Rind, Schwein, Hühnchen und Meerschweinchen. Da war das Essen der nächsten Woche dann auch gerettet :) .

Nach dem Essen gab es dann noch verschiedene Dinge. So kamen dann aus den Nachbargemeinden einige Gruppen angetanzt, in der Hand hatten sie ziemlich lange Stöcke, an denen jeweils 12 Hühner kopfüber aufgehängt waren. Diese Gruppen tanzten dann eine ganze Weile dort fröhlich umher. Ich bin irgendwann nur mal kurz aufs Klo gegangen und als ich zurückkam war der Platz, an dem ich vorher mit Darwin stand, plötzlich leer. Oh nee, dachte ich mir nur. Wo ist er denn jetzt schon wieder hin? Ja, die Frage hätte ich mir ersparen können, einfach mal den Ohren nach immer dahin wo die Musik herkommt. Da stand er dann auch fröhlich musizierend mit wahlweise Gitarre, Geige oder Panflöte, die er sich mal von dem einen, mal von dem anderen ausgeliehen hat. Ja, so war meine Suchmission auch beendet und ich hab mich dann nach einer Weile wieder zu seinem Dad gesellt, der wohl eher der ruhige Pol der Familie ist und nicht ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen muss. So sassen wir zwei dann – ebenfalls fröhlich – jedoch weder musizierend noch tanzend, sondern Empanadas essend dort und haben zugeschaut :) . Der Part hat mir eindeutig besser gefallen…hehe…

Und ganz ehrlich, manchmal denke ich mir: diese Familie kann echt froh sein, mich zu haben, sonst wären sie schon das ein oder andere Mal echt aufgeschmissen gewesen. Denn inzwischen war es schon nach fünf Uhr nachmittags, wir waren immer noch irgendwo oben in der Pampa und hatten noch mindestens 1 ½ Stunden Weg bis zum nächsten Bus, der uns annähernd in die Nähe unserer Heimat bringen würde, vor uns. Ich hab also so ganz vorsichtig mal angetastet, wie lange es denn überhaupt Busse gäbe, was aber zunächst einmal überhaupt keinen wirklich interessiert hat. Dann nachdem ich dann penetrant das fünfte Mal gefragt habe, wie wir denn eigentlich heimkommen und es inzwischen schon kurz vor sechs war, fing dann plötzlich hektisches Durcheinanderreden an, aus dem ich nur heraushörte, dass der letzte Bus von Cayambe ja um halb acht fahren würde. Ich wiederhole: Es war kurz vor sechs, wir befanden uns immer noch irgendwo mitten in der Pampa, hatten immer noch mindestens 1 ½ Stunden zum nächsten Bus vor uns und nicht zu vergessen: Wir mussten ja erst einmal eine Möglichkeit finden, von dort oben überhaupt runter zu kommen.

Ja, so wurde also hektisch eine camioneta bestellt, die aber glücklicherweise schon auf dem Weg war, um jemanden dort oben abzusetzen, alles zusammengepackt und sich dann mit 7 Leuten in eine 5-Personen-Kabine gequetscht. Nicht zu vergessen das lustige Huhn, das am Hals keine Federn hat, an den Füssen dafür umso mehr und das Darwins Mama zum Abschied mit den Worten „Damit ihr eine leckere Suppe machen könnt“ überreicht bekommen hat. So kamen wir dann irgendwann nach einer extrem unbequemen Fahrt irgendwann in Quinche an, von wo aus wir dann einen noch extremeren Umweg machen mussten, nämlich erstmal nach Tabacundo und von dort aus wieder nen anderen Bus nach Otavalo. Im Bus verkündete mir Darwin dann noch mit einem fröhlichen Grinsen, dass wir jetzt noch zu Joshe und Laura gehen würden, da sie am nächsten Tag mit den Wi ñay Kayambis einen Auftritt hätten und dafür noch mal üben wollten. Aber ich kenne meine Pappenheimer inzwischen ziemlich gut und wusste, dass das ein böses Ende nehmen würde, also hab ich die Einladung mit den Worten „Mach du, was du willst. Ich geh jetzt nach Hause und schlafe!“ höflich abgelehnt. Scheinbar war das aber wieder ein bisschen zu direkt und klang doch eher unhöflich, so dass etwa 1 Stunde nach uns auch Darwin wieder zu Hause ankam :) .

Aus dem Auftritt wurde dann im Endeffekt doch nichts, da alle übrigen Mitglieder der Gruppe an besagtem Abend doch eher ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatten. hehe…

Aus der leckeren Hühnersuppe wurde ebenfalls nichts (nicht das mich das sonderlich gestört hätte), da sich unser lieber deutscher Schäferhund Mel dem armen Huhn angenommen hatte. So hatte wenigstens der Hund einmal ein leckeres Festmahl. Guten Appetit.

Ansonsten verliefen die Tage relativ unspektakulär… Wir haben hier kleine Hundebabies die ziemlich süss sind und die einen auch den ganzen Tag auf Trab halten können… Aber knuffig sind sie… So sind wir, als wir eigentlich in die Thermalbäder von Guachalá schwimmen gehen wollten, die aber zu waren, dann kurzerhand mit den vier Mädels, die in Intag arbeiten werden, zurück nach Pijal gefahren sind.

Dort kamen wir dann an und die Mädels haben die ersten comunidad-Erfahrungen gesammelt. Vor allem haben sie festgestellt, dass einem nach einer Weile auf comunidad-Strassen die Füße wehtun, wenn man keine festen Schuhe trägt. Zumal wir nicht direkt nach Hause gegangen sind, sondern Darwin ihnen erst einmal den schönen Ausblick von dem anderen Grundstück zeigen wollte, was noch weiter von der Pana entfernt ist… da sie davon aber nichts wussten, sind diese Pobrecitas uns einfach gefolgt… Aber der Ausblick hat sie dann glaube ich doch mehr oder weniger entschädigt. Von dort aus sind wir dann zurück zum Haus gelaufen und haben eine ganze Zeit lang mit den Hundis gespielt, bis Darwins Mama dann rauskam mit einem ganzen Haufen Trachten, die sie selbst gestickt und genäht haben. Dann wurden sie erst einmal dort reingesteckt, Darwin hat Gitarre gespielt und wir haben ein wenig Inti Raymi getanzt… So sassen wir noch eine ganze Weile zusammen, haben uns unterhalten, gesungen und dann sind die vier wieder zurück nach Otavalo gefahren.

Am Wochenende danach waren wir mit ein paar Leuten hier aus Pijal in Guachalá in den Thermalbädern, was auch wirklich lustig war. Aber wieder einmal typisch ecuadorianisch, denn eigentlich wollten wir morgens um halb 7 los, da Oscar sagte, er würde dann nach Hause kommen und mitgehen. Um 11 haben wir uns dann im Endeffekt mit den anderen an der Pana getroffen. Aber nicht einmal das haben wir geschafft, denn als wir endlich losgehen wollten, fiel Gandhi auf, dass das Huhn, was wir am Morgen rausgelassen haben, damit es ein wenig Sonne tanken kann, plötzlich nicht mehr auffindbar war. So mussten wir das erst einmal suchen, was sich in der Hundehütte versteckt hatte und keinen Ton von sich gab. Ja, um halb 12 kamen wir dann endlich los und haben so mehr oder weniger den ganzen Nachmittag dort verbracht, sind geschwommen und haben im Wasser Volleyball gespielt, wobei ich mich nun schon zum 3. Mal richtig schön verbrannt habe… Aber gut…

Am Montag Morgen wollte Darwin dann nach San Pablo fahren, um seinen Sohn dort zu besuchen. Nach etwa einer Stunde kam er dann aber wieder zurück und meinte, es würden keine Busse fahren wegen des Streiks. Kurz darauf rief dann auch José an und sagte, dass er wegen des Streiks nicht nach Quito an die Uni fahren konnte und ob wir nicht mit ihm nach Otavalo wollen. So sind wir dann kurz darauf an die Pana gelaufen, wo auch gleich eine Camioneta kam, die uns mitgenommen hat. Schon in Gonzales standen Unmengen von Leuten, die zu der Zeit noch relativ friedlich protestiert haben, aber trotz allem waren schon Busse von Polizisten am Start.

Wir haben dann den Tag fröhlich in Otavalo verbracht und beschlossen, am Abend endlich mal Pizza zu machen. Gegen 14 Uhr sassen wir wieder im Bus zurück, was allerdings ein weiteres Abenteuer wurde. Die Busse fuhren zwar, kamen aber Stellenweise einfach nicht weiter, da die Strassen mit brennenden Baumstämmen, Steinen und allem, was sich sonst noch so aufgefunden hat, blockiert waren. Der Hintergrund der ganzen Sache ist die Diskussion darüber, dass das Wasser hier privatisiert werden soll. Im Moment wird das Wasser noch von den Gemeinden selbst verwaltet, was zwar nicht unbedingt so effizient ist, da es so einfach wenig Wasser gibt (bei uns hier unten vielleicht 3 Tage in der Woche, bei José und Laura, die ein Stück weiter oben wohnen, ist es schon schlimmer, sie haben nur 1 Tag alle 2 Wochen mal Wasser), dafür zahlt man auch nur 5 Dollar pro Haus und das auch nur alle 3 Monate oder so. Sollte das Wasser hier privatisiert werden, soll man pro Person plötzlich 3 Dollar pro Monat zahlen, was schon ein kleiner Unterschied ist. Ja, und da die Ecuadorianer damit nicht einverstanden sind, sassen wir nun im Bus und standen und standen und standen und dachten schon, dass wir von Gonzales aus zurück laufen mussten. Dann kam aber einige Minuten die Polizei und hat die Strasse frei geräumt, so dass es im Endeffekt doch weiter ging und wir bis kurz vor Pijal kamen, wo wir dann erneut standen, aber einfach ausgestiegen und die restlichen Meter zu Fuß gelaufen sind. Dort war dann auch schon ein Teil des Dorfes versammelt und damit beschäftigt, Baumstämme auf der Strasse zu platzieren. neben den Baumstämmen befanden sich schon Steine und das Dach von unserer inzwischen nicht mehr existierenden Bushaltestelle auf der Strasse, das der Wind schon einige Tage vorher heruntergeweht hatte. So standen wir eine ganze Weile dabei, ich hab mich dann mit Dakki, dem Sohn von Laura und José an den Rand gesetzt und zugeschaut, während die zwei Jungs sich ins Getümmel gestürzt und geholfen haben.

Kurze Zeit später kam dann die Polizei und das Spektakel war vorüber. Wir haben uns dann auf die gegenüberliegende Straßenseite an das Haus von Darwins Familie gesetzt und zugeschaut, wie sie alles wieder aufgeräumt haben. Dann ist ein Teil der Polizisten weiter gezogen, der andere Teil hat sich fröhlich in die Sonne gechillt und die Frau, die bei uns im Dorf immer Mote mit Käse verkauft, hat an diesem Tag wohl das Geschäft ihres Lebens gemacht :) .

Etwas später kam dann Oscar mit den Schlüsseln vom Haus und wir haben uns drinnen umgesehen. Das ist echt so ein schönes Haus und steht einfach so da herum, voll schade. Das gleiche meinte auch José, der dann die Idee hatte, doch irgendwas da drinnen aufzumachen. Ja, wir haben dann erstmal Ligretto gespielt und auf Laura gewartet, die von der Arbeit nach Hause kam. Dann sind wir alle zusammen hochgelaufen, haben Pizza gemacht und noch ein bisschen gespielt und uns unterhalten. Da kam dann auch die Idee auf, am Wochenende doch was zusammen zu machen und wir haben beschlossen, nach Oyacachi zu fahren.

So ging es dann am Freitag Nachmittag los. Leider waren im Endeffekt Darwin und ich alleine, da Laura noch von der Arbeit aus irgendwo tanzen musste und so noch nicht am Freitag Nachmittag mitkonnte. Wir sind also nach Cayambe gefahren, haben noch die letzten Sachen gekauft und dann mit dem Bus weiter nach Oyacachi. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass wir auf keinen Fall auf der Wiese zelten konnten, da es doch ganz schön geregnet hat, und so haben wir das Zelt dann erstmal in so einer Art Scheune aufgebaut, was nicht ganz so bequem gewesen ist, da es einfach ziemlich hart und auch kalt war auf dem Betonboden, aber egal :) .

Wir haben dann erst einmal etwas zu Abend gegessen und sind dann am Abend noch mal in den Bädern schwimmen gegangen, was zwar ziemlich heiß war, aber auch total schön. Wir sassen dann noch eine Weile da und haben uns unterhalten und sind dann auch schlafen gegangen. Am nächsten Tag waren wir wieder schwimmen und sind ein wenig durch den Ort gelaufen, wo Darwin dann ganz entsetzt feststellen musste, dass es im ganzen Ort keinen einzigen Laden gibt, in dem sie Bier verkaufen. So wurde die eine Flasche, die wir noch im Santa Maria in Cayambe gekauft hatten, offiziell zum Heiligtum erklärt. hehe…

So verging auch der Samstag relativ ruhig und wir warteten sehnsüchtig auf den Bus, in der Hoffnung, dass dort entweder Anneke mit Diego oder Laura und José oder überhaupt irgendjemand bekanntes drin säße. Der Bus kam dann auch, aber leider war niemand von unseren Freunden dort drin. So sind wir dann ziemlich betröppelt zum Abendessen gegangen, denn es ist zwar schön, mal einen Tag so zu zweit zu sein, aber wenn man – wie in Oyacachi – wirklich gar nichts machen kann, wird das auch schnell langweilig. Ja, wir sassen also beim Abendessen – wo ich übrigens den bisher teuersten Reis mit Pommes und Ei gegessen habe: 2 Dollar!!! Im Vergleich: Darwins Forelle mit genau den gleichen Beilagen kostete 2,50!!! Die Erklärung des Besitzers: Das sind Landeier! Alles klar ;) .

Ja, wir saßen also beim Abendessen, als Darwin plötzlich meinte: Laura und José sind gekommen. Ich schaue aus dem Fenster, sehe aber weit und breit nichts. „Nee, da ist gar nichts!“. So haben wir fertig gegessen und sind dann den Berg wieder heruntergelaufen zurück zu den Schwimmbädern. Auf einmal höre ich jemanden pfeifen. Und da hier jede Clique ihren eigenen Pfeifton hat, wusste ich, dass es wirklich José sein musste. Ich meinte also zu Darwin: „Hee, da unten sind sie. José hat grad nach dir gepfiffen.“ Diesmal hat er allerdings nichts gehört, aber ich bestand darauf und meinte: „Doch, doch. Ganz sicher. pfeif mal zurück.“ Und tatsächlich, dann haben sie eine ganze Zeit lang da hin und her gepfiffen bis wir unten beim Parkplatz angekommen sind, wo sie mit dem Auto von Lauras Vater standen. Ja, auf einmal waren wir alle wieder happy, erst recht, als sie von der Ladefläche hinten eine ganze Kiste Bier herunterholten. Der Abend war also gerettet. hehe… Nee, nicht nur wegen des Biers. Wir haben uns wirklich riesig darüber gefreut, sie zu sehen.

Der einzige Nachteil an der ganzen Sache war der, dass Laura schon den Tag über getrunken hatte und dementsprechend schon gut bei der Sache war. Der zweite Nachteil war, dass sie – genau wissend, dass ich Bier einfach nicht mag – eine ganze Flasche Schnaps mitgebracht hatte, allerdings in ihrer schon „leicht“ angetrunkenen Art nicht mehr in der Lage war, die richtige Mischung zu machen und dann ungefähr doppelt so viel Schnaps wie Cola in das Glas füllte und auf meinen Hinweis, dass das doch ziemlich stark sei, probierte und meinte: „So ein Quatsch! Das ist genau richtig.“ Na dann mal Prost. Das Ergebnis der ganzen Sache war, dass ich, die beim Ligretto am gewinnen war mit 97 Punkten, nicht mehr in der Lage war, die 3 fehlenden Pups-Pünktchen zu machen, was mich bis heute noch ärgert.

Am nächsten Morgen ging es mir eigentlich noch relativ gut. Wir sind dann baden gegangen und als ich dann aus dem Wasser raus bin, hat es mich dann wirklich voll umgehauen. Ich hab mich dann einfach ins Zelt gelegt und darauf gewartet, dass die anderen alles zusammenpacken. An diesem Tag war ich wohl so froh wie noch nie über die Tatsache, dass das Auto eine Ladefläche hatte. So habe ich mich einfach auf die Matratze, die die anderen zum Zelten mitgebracht haben, gelegt und gehofft, dass die Fahrt so schnell wie möglich vorüber geht. Zuhause angekommen bin ich dann direkt ins Bett und auch den ganzen Tag nicht mehr aufgestanden. Da ich aber nicht die einzige war, die mit nem dicken Kater im Bett lag, haben wir den Rest des Tages auch gar nichts mehr gemacht außer einen Film nach dem anderen zu schauen und uns von seiner Mama verwöhnen zu lassen, die dann extra für mich diese leckere Suppe mit so Bällchen aus Maismehl, die mich irgendwie an Grießklößchen erinnern, gemacht hat :) . hehe…

Glücklicherweise ging es mir dann am nächsten Tag aber auch wieder besser, so habe ich mal die ganze Wäsche gewaschen und die Zelte saubergemacht. Über Nacht hat sich der Gipfel von San Augustín, der schon am Tag vorher ziemlich arg gebrannt hat, wieder entzündet, so dass Darwin und seine Mama dann eigentlich hochgehen wollten um zu „löschen“. Aber irgendwie kam dann keine camioneta mehr und so kamen sie auch nach einer Stunde wieder zurück.

Ansonsten verlief die Woche dann relativ ruhig. Am Samstag wollten wir eigentlich wieder mal nach Tabacundo fahren, um Kartoffeln zu ernten, aber auch dieses Mal wurde nichts daraus. Das erste Mal war ja schon ein Reinfall, als wir extra dafür morgens um 5 Uhr aufgestanden sind, nach Tabacundo gefahren sind, runter zum Haus seines Opas gelaufen sind und erst einmal Frühstück gemacht haben. So sassen wir dann da bis es schon gut halb 9 Uhr war, von den Helfern fehlte aber jede Spur, so dass ich irgendwann mal nachfragte, ob sein Opa, der zwar immer immer lächelt, aber trotzdem schon ein wenig verwirrt ist, denn überhaupt bescheid gegeben hat. „Wie? Ich? Nee, ich hab niemandem bescheid gegeben! Sollte ich das tun?“ … Man bedenke, dass er vorher schon ungefähr 3 Mal gefragt wurde und immer bestätigt hat, dass alles klar ginge und er den Helfern bescheid gibt. So standen wir also da mit 5 Leuten und haben dann die Entscheidung gefällt, doch lieber nach Cayambe zu fahren, da der Kartoffelacker gross und unsere Arbeitsmoral doch eher klein war :) .

Das war übrigens nicht der einzige Knaller, den der liebe Opi gebracht hat. Noch viel besser war, als er Darwin fragte: „Und wo kommt deine Frau her?“ – „Aus Deutschland.“ – „Aaaaah, aus Guayaquil. Da musstest du aber weit fahren um sie aufzutreiben!“. Wir haben Tränen gelacht…. :)

Ja, also, Kartoffelernte – Versuch 2: Bis zum Freitag Nachmittag stand alles, dann kam plötzlich ein Anruf von José, ob wir denn Morgen früh mit zu der Minga gehen, um oben am Gipfel von San Augustín eine Feuerschneise zu machen. Davon wussten wir bisher noch gar nichts. Das Ding war nämlich, dass Oscar, der am Sonntag zuvor bei der Reunión gewesen ist, überhaupt nicht bescheid gegeben hat. Obwohl, man weiß es nicht so genau. Er sagt nämlich, er hätte der Mutter bescheid gegeben. Naja, egal. Auf alle Fälle hätte es wohl 10 Dollar Strafe gekostet, wenn keiner von der Familie zu der Minga geht, also wurden Darwin und ich dazu abbestellt, die anderen wollten sich den Kartoffeln widmen.

So standen wir an dem Samstag Morgen also um viertel vor 7 mit Spaten bewaffnet oben am Fußballfeld und haben auf den Bus gewartet. Dort haben wir auch José mitsamt seinem Sohn getroffen. Um 7 kam dann auch der Bus, leider waren viel mehr Leute als Sitzplätze da, so dass ein Teil dann einfach oben aufs Dach geklettert ist. So ging es dann los, allerdings nur ein paar Meter, da kam dann noch ein anderer Bus und so kamen dann vom Dach erstmal eine ganze Schar Spaten geflogen und im Anschluss die Leute wieder heruntergeklettert. Und da nahm das Unglück seinen Lauf. José war nämlich oben auf dem Dach, Dakki, sein Sohn, aber bei uns im Bus mit noch irgend jemandem. So sind wir dann etwa eine Stunde lang den Berg hochgefahren, dann ausgestiegen, wieder in so ein Baustellenfahrzeug rein und noch weiter den Berg hoch. Dort sind wir dann ausgestiegen und haben auf José gewartet, der dann auch eine ganze Zeit später auftauchte. Irgendwann meinte er dann: „Wo ist eigentlich Dakki? Ist er nicht bei euch?“ – „Nee, er war mit uns im Bus, aber jetzt… Keine Ahnung.“ – „Mist. Ich muss ihn finden, sonst krieg ich Ärger mit Laura!“ So wurde dann jeder, der vorbei kam, gefragt, ob er nicht zufällig seinen Sohn gesehen hat. Das ging dann ungefähr so. Einer von meinen ehemaligen Siebtklässlern kam vorbei. „Hast du Dakki gesehen?“ – „Nein.“ – „Weißt du denn, wie er aussieht?“ – „Nein.“

Da war der Mann mit dem Megafon schon eher eine Hilfe. Obwohl auch das keinen wirklichen Erfolg brachte. Nun ja, José war dann der Meinung, dass ein achtjähriges Kind ja nicht einfach so verloren geht und schon irgendwann wieder auftauchen würde, und so sind wir dann zu Fuß noch weiter den Berg hochgelaufen, wo schon eine ganze Menge Leute am Arbeiten war. Ich dachte ja, dass meine Kondition schlecht wäre, aber gegen die von Gaby, eine von Darwins und Josés Cousinen, kann ich noch bei Olympia antreten, denn sie war schon vom Hochlaufen so fertig, dass ich ihr irgendwann ihren Spaten abgenommen habe und sie dann noch den Berg hochgeschoben habe.

Oben angekommen haben wir dann einen Platz gesucht und dann angefangen, den Berg auf 4 Metern Länge und 4 Metern Breite von dem Gras zu befreien. So standen wir eine ganze Weile dort oben, die Jungs haben sich irgendwann zusammengetan und gemeint, dass es sinnvoller sei, erst den einen Teil und dann den anderen Teil zu bearbeiten, was sich dann in Darwins Augen als völliger Fehltritt herausgestellt hatte, da er der Meinung war, dass er ja ungefähr 5 Mal so viel arbeiten würde wie José. Ja, so hatten wir da schon unseren Spass. Nicht zu vergessen die arme Gaby, die sich mit ihrem Stück wirklich abmühte, aber irgendwie nicht wirklich voran kam und dazu noch ständig die dummen Sprüche der Jungs anhören musste. „Gaby, das ganze Gras da ist deins??? Ja, wir warten dann unten beim Essen auf dich!“ Na Gott sei Dank war dann Josés Mama noch dabei, die daraufhin nur antwortete: „Ach, mein armes Baby, warte, ich komme gleich und helfe dir.“ Man bedenke, dass sie auf ihrem Stück auch nicht wirklich weiter war als Gaby auf ihrem. Ja, aber im Endeffekt haben sie dann doch allen noch geholfen, so dass wir nach etwa 3 Stunden doch mit allem fertig waren.

So sassen wir dann noch dort oben am Berg und haben unser Mittagessen ausgepackt und alle zusammen gegessen. Ich dachte mir gleich, dass das keine gute Idee sein kann, aber gut. Nachdem wir fertig gegessen, alles eingepackt und schon wieder auf dem Weg nach unten waren, kam dann eines von diesen Baustellenfahrzeugen angefahren. Wir alle haben angefangen zu pfeifen und zu rennen, dass es uns mitnimmt, was aber vergebens war, denn entweder der Fahrer hat uns nicht gehört, oder er wollte uns nicht mitnehmen, denn auf dem Weg unten drehte er plötzlich um und fuhr geradewegs wieder zurück. Mist, jetzt mussten wir bis zum Bus, der noch ein ganzes Stück entfernt war, laufen.

Wir sind also losgelaufen und kamen dann etwa eine dreiviertel Stunde später an dem Platz, an dem die Busse eigentlich hätten stehen sollen, an. Dumm war nur, dass von den Bussen weit und breit keine Spur mehr war. Nein, nein, nein. Das konnte echt nicht sein. Wir standen ganz oben auf dem Berg, ganz unten auf der anderen Seite sah man die Häuser von Pijal, kleiner als Stecknadelköpfe, und all das mussten wir nun laufen. Das einzig positive an der ganzen Sache war wohl, dass zumindest Dakki in der Zwischenzeit wieder aufgetaucht war.

So sind wir dann losgelaufen und gelaufen und gelaufen. Nach etwa 2 ½ Stunden nur bergab laufen, was wirklich übelst auf die Knie ging, dazu noch meine Bauchschmerzen, die laut Aussage der anderen davon kämen, dass ich mir den „schlechten Wind“ eingefangen habe, kamen wir dann endlich in San Augustín an, wo wir bei dem Haus von Paika, die mit uns gelaufen ist, erst mal etwas getrunken haben. Dann ging es mit einer kleinen Unterbrechung, in der Darwin von Josés Baumtomatenfeld „einige“ Tomaten pflücken wollte (er hat damit dann den ganzen Rucksack gefüllt), zurück nach Pijal, wo wir etwa eine halbe Stunde später auch endlich ankamen. Dort wartete dann Josés Mama mit Gaby wenigstens schon mit dem Mittagessen, was sie in San Augustín verteilt haben, auf uns. So sassen wir erst einmal dort am Strassenrand, haben Reis, Kartoffeln, Hühnchen und Limonade aus Tüten gegessen bzw. getrunken. Dann noch kurz bei der Tienda ein Eis gekauft und nichts wie nach Hause, wo ich erst einmal bestimmt 10 Minuten am Waschstein saß und meine Füße gekühlt habe.

Später am Nachmittag kamen dann auch die anderen nach Hause und erzählten, dass sie auch dieses Mal keine Kartoffeln ernten konnten, da es eine Reunión wegen des Wassers gab, wo alle Bewohner hingehen mussten. Nun ja, so blieben die Kartoffeln halt noch länger in der Erde…

Am nächsten Tag bin ich aufgewacht und habe wirklich jeden einzelnen Knochen und Muskel meines Körpers gespürt und habe mich an diesem Tag darauf beschränkt, wirklich nur die nötigsten Dinge zu erledigen. Darwin ging es nicht anders, und genau deshalb verstehe ich auch nicht, wie er so verrückt sein kann, noch auf die Idee zu kommen, mit diesem Körper Volleyball spielen zu gehen. Okay, sie spielen jedes Wochenende, aber die Wahrscheinlichkeit, in diesem Zustand zu gewinnen, ist schon relativ gering. Ich habe ihm dann versucht, nahe zu legen, lieber nicht zu gehen und die 5 Dollar Einsatz lieber zu sparen, was ihn aber nicht davon abhalten konnte. So ist er dann losgegangen und kam 3 Stunden später noch fertiger zurück – natürlich ohne die 5 Dollar… hehe… Wer nicht hören will muss fühlen oder wie sagt man so schön???

Ja, so vergehen die Tage und es passiert mal mehr, mal weniger. Am Donnerstag war es dann wieder einmal so weit. Neue Volontäre! Und so saßen Anneke und ich auch schon wieder im Bus nach Quito, später dann am Flughafen und haben gewartet und gewartet und gewartet. Der Flug war zwar relativ pünktlich, die Volontäre aber leider nicht. Wir haben schon mit dem schlimmsten gerechnet, als inzwischen schon der Großteil der Passagiere des nächsten Fluges aus der Tür rausgekommen waren, von unseren zwei chicos aber immer noch jede Spur fehlte. Irgendwann kamen sie dann, leider jedoch ohne jegliches Gepäck. Nicht schon wieder! Naja, immerhin waren die beiden wohlauf, das war die Hauptsache. Und das Gepäck taucht früher oder später immer auf :) .

So sind wir mit Nadine und Dominik erstmal nach Otavalo gefahren, haben die Rucksäcke im Haus abgestellt und sind dann weiter ins Fauno. Die armen zwei, gleich am Ankunftstag wurden sie erst einmal von A nach B geschleift ;) . Sie haben sich aber gut gehalten. hehe… Gegen 23 Uhr sind wir dann aber auch in die Wohnung gegangen und haben alle geschlafen wie die Babies. Am nächsten Morgen – ich weiß nicht einmal wie wir plötzlich da drauf kamen – kam dann plötzlich der Geistesblitz: „Wir fahren an die Küste!“. Gut, geplant war das schon länger, und am Tag vorher hat Joshe bei Darwin angerufen und noch mal nachgefragt, ob wir nicht dieses Wochenende fahren wollen. Nur mussten wir ja noch das Einführungsseminar mit einem Volontär machen. Und Nadine und Dominik wollten auch gerne mitmachen. Gut, also, mein Entschluss stand fest: Ich fahre, und wer nicht will, soll dableiben. Also habe ich mein Telefon genommen und Joshe, der immer noch in Quito in der Arbeit oder Uni war, angerufen. „Joshe, hör mal. Lass uns an die Küste fahren, aber heute Nacht schon, sonst lohnt es sich nicht.“ – „Ja. Wir sind dabei!“ Das war die Antwort…

Kurze Zeit später rief dann Laura an und meinte: „Wann treffen wir uns?“. Yes… So, wie ich auch schon Darwin davon überzeugt habe, hab ich dann auch die armen zwei Neuen, die ja am Abend vorher erst angekommen sind, von meiner Idee überzeugt. Was aber auch nicht so schwer war, schließlich hatte ich ja ein stichhaltiges Argument: Sie hatten kein Gepäck! Und an der Küste, weil man ja sowieso immer in Badesachen rumläuft, braucht man eindeutig weniger!

Ja, so ist Darwin dann morgens nach dem Frühstück nach Pijal gefahren um schon einmal den Rucksack und die Zelte herzurichten, wir haben das Seminar mit den chicos gemacht und am Nachmittag, nachdem ich mit Nadine und Dominik noch bei Don Gilberto waren, um kurz über das Projekt und die kommende Woche zu sprechen, saßen wir auch schon wieder im Bus nach Pijal. Leider hatten wir vor lauter Packen und Aufregung total vergessen, etwas zu essen, was uns aber auch erst im Bus auffiel. Naja, egal. Da rief dann sowieso schon Darwin an und so wurde er einfach dazu abbestellt, Pommes zu machen. Im Gegenzug wurde ich dazu verdonnert, die Kühe mit nach Hause zu bringen, was sich als schwieriger als gedacht herausstellte, denn erstens hatte sich das blöde Kalb kreisförmig um den Baum, an dem es angebunden war, gefressen, dass es sich nahezu stranguliert hat, und war auch nicht bereit, mal kurz ruhig stehen zu bleiben, damit ich es losbinden konnte. Dann irgendwann hab ich es dann doch geschafft und wir sind los, über die Pana, wo die zwei dann erstmal als Kuhtreiber engagiert wurden, und weiter nach Hause. Leider wollten die Kühe aber nicht so wie ich wollte und kaum hab ich mal einen Moment nicht aufgepasst sind sie schon hintenrum auf das Gelände gesprungen und standen nun fröhlich kauend in den Linsen und wollten sich auch nicht dazu bringen lassen, weiter zu laufen.

Die Mama-Kuh hab ich dann geschnappt und hinter mir hergezogen, in der Hoffnung, dass das Kalb seiner Mutterliebe folgend hinterherläuft. Tja, da hatte ich wohl falsch gedacht. War mir aber auch irgendwann egal, ich hab dann einfach ganz laut „Gaaaaandhiiiiiiiiiii“ gerufen und er hat sich dem Kalb angenommen ;) .

Ja, so waren wir also in Pijal, wollten eigentlich nur kurz essen und die Rucksäcke schnappen und wieder los. Dabei hatte ich aber völlig unterschlagen, dass Darwin erstens ein Mann und zweitens ein Ecuadorianer ist und dass für ihn „Ich habe gepackt“ bedeutet, dass er wahllos irgendwelche Sachen aufs Bett gelegt, aber erstens die wichtigsten Dinge wie Shampoo und Sonnencreme vergessen und zweitens noch überhaupt nichts in den Rucksack gepackt hat. So hieß es erstmal packen. Auch von den Pommes war weit und breit keine Spur, aber Gott sei Dank hat das arme 27-jährige Kind ja noch eine Mama, die uns dann fröhlich einen Berg Reis mit Linsen und Ei auftischte.

Als es dann schon hieß „Wir gehen“ fiel plötzlich Oscar ein, dass er ja nicht alleine zu Hause bleiben wollte, und dass er lieber mitkommt. Also mussten wir wieder warten, bis er schließlich sein Zeug gepackt hat und um halb acht waren wir dann tatsächlich auf dem Weg zur Pana, wo wir uns mit Laura und ihrem Sohn getroffen haben. Von dort aus ging es in einem Höllentrip nach und quer durch Quito zum Terminal, von dem aus die Busse gen Süden abfahren. Allein die Fahrt vom Terminal im Norden zu selbigen im Süden hat uns ungefähr 1 ½ Stunden und 2 mal Umsteigen gekostet. So kamen wir dann irgendwann dort an, wo Joshe schon auf uns gewartet hat. Also schnell Tickets gekauft, wobei wir dann erfahren haben, dass der Bus 10 Minuten später abfährt. Schnell noch mal aufs Klo und raus zum Bus. Vor lauter Hektik haben wir sogar vergessen, noch eine Flasche Wasser für die Fahrt zu kaufen, was wir dann im Bus teuer bezahlen mussten – im wahrsten Sinne des Wortes :) . Und dann einfach nur schlafen. Ich hab auch echt gut geschlafen, bis es plötzlich einen Riesenknall gab und ich behaupte ja – entgegen Darwins Aussage – immer noch, dass es Funken gesprüht hat. Unser Bus hat versucht zu überholen und ist dabei mit irgendeinem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengestoßen. Ja, Schreck am Morgen. So standen wir da erst einmal mitten im Nichts herum. Ich dachte schon, wir müssten jetzt auf einen anderen Bus warten, aber nach einigen Minuten ging es glücklicherweise doch weiter.

So sind wir dann am Morgen auch in Canoa angekommen – dem Ziel unserer Reise. Dort waren wir erstmal frühstücken – typisch ecuadorianisch gab es schon zum Frühstück Fisch, für mich dann doch lieber Brot mit Marmelade :) und anschließend an den Strand, wo wir nach einigen Minuten Diskussion das Zelt doch dort aufgebaut haben, wo es schon immer stand.

Die Tage waren echt schön, auch wenn wir am Anfang etwas Bedenken hatten, da es morgens so bewölkt war. Gegen Vormittag kam dann aber die Sonne raus – mit dem Ergebnis, dass wir uns trotz 50er Sonnencreme verbrannt haben. Nachmittags sassen wir dann im Zelt und haben Ligretto gespielt, bis es so dunkel wurde, dass man trotz unseren zwei Handys mit Taschenlampen wirklich gar nichts mehr sehen konnte, und so sind wir dann doch in eine Bar umgezogen. Dort haben wir noch eine Weile gespielt und sind dann fix und alle ins Zelt gefallen.

Am nächsten Morgen sind wir dann auch alle fröhlich aufgewacht und erst einmal eine Runde joggen gegangen bis zu den Klippen, wo wir dann versucht haben, Krebse zu fangen. Das war allerdings nicht sonderlich erfolgreich, worüber ich auch nicht gerade traurig war, denn schon am Tag vorher hat sich wieder einmal herausgestellt, dass ecuadorianische Männer doch einfach Kinder sind, denn egal was sie im Meer gefunden haben, es lief immer gleich ab. Man stelle sich vor. Wahlweise Darwin oder Joshe finden eine Muschel, Schnecke oder sonstiges Getier, was da im Meer so rumkreucht. „Wow, guck mal, was ich gefunden hab. Glaubst du, das kann man essen?“ – „Weiß nicht, das hab ich noch nicht gesehen, aber bestimmt. Man kann alles essen.“ Ja, Jungs. Man KANN!!! Das heißt aber nicht, dass man das muss. Und schließlich ist es schon mehr als genug, dass für euch Würmer, Käfer und Hühnerfüsse auf der Delikatessenliste stehen. An diesem Tag war ich echt froh, dass wir keine Möglichkeit hatten, zu kochen :) … hahaha

Nachmittags sind Laura, Joshe, Dakki und Oscar dann aus dem Wasser gekommen und meinten, dass sie jetzt duschen gehen und dann nach Hause fahren. Hä??? Wir sind doch gerade erst angekommen… Naja, sie hatten am Sonntag wohl irgendeine Reunión und mussten deshalb wieder zurück. Wir haben uns dann aber dazu entschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben, und so sind die vier gefahren und wir wieder ins Wasser, wo Darwin dann von irgendetwas gebissen wurde, aber wirklich übel, so dass der ganze Zeh geblutet hat und er sein Bein kaum noch bewegen konnte, weil das anscheinend irgendetwas medio-giftiges gewesen ist. So lag er dann bestimmt 1 ½ Stunden von den Schmerzen wie unter Drogen stehend auf dem Handtuch und hat kaum einen Finger gerührt, bis es nach und nach etwas besser wurde. Ja, und dreimal dürft ihr raten, was seine Aussage war, als er wieder den Normalzustand erreicht hatte??? „Morgen geh ich nur noch mit Schlappen ins Wasser. Und dann such ich dieses Ding. Und wenn ich es finde, dann ess ich es!“ Ja, alles wird gut ;)

Als wir da so auf dem Handtuch lagen kam dann auch ein Anruf von Laura: „Hey, wir sind jetzt hier in Pedernales. Kommt doch hierher!“ Ääh, nee… Außerdem war es schon nachmittags, und um 5 Uhr wollten wir ja das Fußballspiel Ecuador-Uruguay anschauen. Was übrigens der Hauptgrund gewesen ist, weshalb die anderen sich plötzlich entschieden haben, einen Zwischenstopp in Pedernales einzulegen ;) . Ja, so sassen wir dann in einer Bar, haben zugeschaut wie Ecuador verloren hat und sind dann Abendessen gegangen und haben anschließend noch an der leckeren Batido-Bar am Strand was getrunken und uns unterhalten.

Am Sonntag Morgen waren wir noch ein paar mal im Wasser und haben uns dann wieder in den Schatten verzogen, wo wir dann bis halb 5 nachmittags Monopoly gespielt haben. Zwar hatte immer noch niemand gewonnen, aber nach mehr als 4 Stunden ist uns auch die Lust vergangen. Danach waren Darwin und ich noch mal im Wasser und sind dann nach 3 Tagen Salz in den Haaren auch mal Duschen gegangen :) . Danach sassen wir dann noch in einem Restaurant, haben noch was gespielt, uns unterhalten und sind dann gegen 23 Uhr vor zum Büro der Busgesellschaft, um um Mitternacht den (Achtung Mädels, jetzt kommts:) Direktbus!!! von Canoa nach Quito (ja, den gibt´s wirklich!) zu nehmen.

So kamen wir dann morgens um halb 8 in Quito an, mehr oder weniger fit, und sind auf direktem Wege zum Ministerium, um die Visa registrieren zu lassen. Im Anschluss daran dann zum Flughafen, um das Gepäck, was in der Zwischenzeit angekommen ist, abzuholen. Dort mussten wir dann leider feststellen, dass das Büro erst ab halb 3 nachmittags besetzt ist. Es war gerade 11 Uhr morgens, also noch 3 ½ Stunden warten. So sind wir erstmal was frühstücken, dann in den Supermaxi gegangen und haben dann die restliche Zeit am Flughafen herumgesessen. Immerhin hatten wir gegen 16 Uhr tatsächlich alles Gepäck und konnten wieder zurück nach Otavalo fahren. Ich bin dann noch kurz mit Dominik und Nadine ins Hostal und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie fertig ich war, als ich wieder in Pijal ankam. Ich lag nur noch mit meinem Teller im Bett und war selbst zum Essen zu fertig, und so haben wir dann auch relativ schnell geschlafen.

Die Woche bestand dann größtenteils aus Aufräumen von unserem Ausflug, Wäsche waschen, wobei ich das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass wir seit gut einem Monat nicht mehr gewaschen haben ;) .

Am Donnerstag sind wir wieder mal hoch in die Schule gelaufen. Oscar, der am Abend vorher die Volontärin von San Pedro kennen gelernt hatte, wollte dann mit und so sind wir zu dritt losgelaufen. Und da der Weg ja so endlos weit ist mussten natürlich Gitarre, Mandoline und sämtliche im Haus auffindbare Panflöten und Flöten mit. So sind wir dann musizierend den Berg hochgelaufen, wobei ich dann erneut dazu aufgefordert wurde, doch endlich mal ernsthaft Mandoline oder charango, was so etwas Ähnliches wie eine Mandoline ist, zu lernen. Ja, ich werde mir das mal zu Herzen nehmen, wenn er mal ernsthaft anfängt, Deutsch zu lernen ;) .

So kamen wir eine halbe Stunde später oben an, wo wir als erstes von Señorita Clemencia mit den Worten „Ooh, wie toll. Wollt ihr nicht hier Musikunterricht geben?“ begrüßt wurden. Ja, mal sehen… Ich glaube, ganz so begeistert waren die zwei von der Idee nicht. hehe… Ich habe dann kurz mit Louisa, der neuen Freiwilligen, geredet, auch über Nachmittagsprogramm, und die zwei Jungs haben vergeblich versucht, sich die tausend Kinder, die alle die Instrumente haben wollten und alle felsenfest behaupteten, zu wissen, wie man das spielt, vom Leib zu halten. Dann haben wir noch etwas gegessen und uns auch schon wieder verabschiedet, wobei Señorita Lidia uns dann gefragt hat, ob wir nicht am nächsten Tag wieder hochkommen wollten. Da waren nämlich die Wahlen zur neuen Schülervertretung und außerdem sollte der Mann aus der Schweiz kommen, der der Schule schon die Computer und die neuen Tische gespendet hat. Dafür wollten sie ein kleines Programm machen und haben uns gefragt, ob die Jungs nicht ein oder zwei Lieder spielen könnten.

So sind wir also am nächsten Morgen wieder losgelaufen. Als wir oben ankamen waren schon alle da und kurze Zeit später fing dann auch das Programm an. Ich habe wieder ganz viele Fotos gemacht, die Jungs haben dann zwei Lieder gespielt und dafür dann von dem Herrn aus der Schweiz eine mehr als dicke Belohnung bekommen. Anschließend haben wir noch gegessen und es war so ein schönes Gefühl, wieder mal in der Küche auf den kleinen Stühlchen zu sitzen und einfach nur Mist zu machen. So saßen wir eine ganze Zeit dort, haben dann noch mit den Kiddies „Baseball“ gespielt – okay, Baseball war das nicht, denn es gab noch nicht einmal Schläger, sondern der Ball wurde wie beim Fußball geschossen, aber sie nennen das so, auch gut :) , und sind dann wieder nach Hause gelaufen.

Am Abend hatten die Wiñay Kayambis wieder einen Auftritt, und so bin ich mit Nadine und Dominik abends dann nach Ibarra gefahren, um dort zuzuschauen. Dort haben wir uns dann mit Laura, Darwin und den anderen getroffen und darauf gewartet, dass sie an der Reihe waren. Es war eigentlich echt witzig, das einzig blöde war, dass die ganze Tontechnik überhaupt nicht gestimmt hat, und so hat das deren Auftritt schon ziemlich runtergezogen. Auch die Leute waren gar nicht so cool wie beim letzten Mal in Otavalo, als wirklich alle vorne getanzt haben. Dieses Mal war es nur eine kleine Gruppe von vielleicht 10 Leuten, aber egal. Nadine und ich sind dann dazu gegangen und wurden natürlich gleich in die Mitte des Kreises befördert. So hatten wir eine ganze Menge Spass. Anschließend sind wir wieder zurück nach Otavalo, wo wir vier mit Laura noch ins Fauno gegangen sind.

In der Bar gegenüber waren die ganzen Cielo Azul-Volontäre, und so haben wir uns auch mit ihnen kurz unterhalten, wobei mir wieder mal bewusst wurde, dass der ein oder andere doch medio-verrückt ist. So hat Lisa mich dann gefragt, ob wir nicht mit tanzen gehen wollen, was ich aber dankend abgelehnt habe mit den Worten: „Nee, geht leider nicht. Wir müssen morgen früh um 5 aufstehen und Kartoffeln ernten gehen.“ – „Ooooh, waaaaaaas? Ihr geht Kartoffeln ernten? Oh, ich hab diese Woche schon Mais und Bohnen gesät, darf ich nicht mitkommen???“ Man muss dazu sagen, dass es schon fast Mitternacht und sie schon „leicht“ betrunken war. Aber gut, sie wollte es unbedingt, und wir waren über jede Hilfe froh. Also hab ich gesagt, dass ich sie am nächsten Morgen um halb 6 anrufe. Dann sind wir wieder zurück ins Fauno.

Dort sind wir dann auch bis halb 1 oder so hängen geblieben, als Joshe, der an dem Abend aus Quito zurück kam schon angerufen hat und gefragt hat, wo um Himmels willen denn Laura bleibt. Kurze Zeit später saßen wir dann auch zu viert im Taxi Richtung Pijal. Dort angekommen meinte Laura dann zu mir: „Geh mal mit rein. Joshe ist bestimmt böse und ich will nicht alleine gehen.“ So sind wir also zu zweit los und haben an die Tür vom Schlafzimmer geklopft. „Hä?“ – „Joshe?“ – „Ja.“ – „Machst du auf?“ – „Nee, ich schlafe schon.“ – „Gut, dann schlaf ich hier draussen vor der Türe.“ – Nichts… „Joshe???“ – „Ja?“ – „Ja, machst du jetzt auf oder nicht?“ – „Ja.“ . Er hat dann die Tür aufgemacht, wobei sich herausgestellt hat, dass er erstens noch gar nicht geschlafen hat, sondern noch am Computer gearbeitet hat und zweitens auch überhaupt nicht böse war. Ich hab dann noch mal den guten Tipp gegeben, dass sie sich nicht streiten sollen und dann sind wir zwei wieder raus. Ich hab dann Laura gesagt, dass wir den anderen sagen, dass Joshe schon schläft und nicht will, dass wir noch mal reinkommen, sonst wären wir da nämlich noch ewig hängen geblieben. Und so saßen wir dann auch schon wieder im Auto und sind den Berg wieder runter gefahren.

Zu Hause angekommen wollte ich einfach nur wenigstens 3 Stunden schlafen. Da hatte ich aber die Rechnung ohne meinen schon etwas betrunkenen Freund und dessen zwar noch nüchternen, aber nicht weniger verrückten Bruder, gemacht, die dann nämlich auf die Idee kamen, sie könnten ja noch einen Wein auf Oscars Geburtstag trinken. Ich betone: Es war mittlerweile nach 2 Uhr nachts, Darwin schon gut betrunken, ich einfach nur müde und wir hatten noch genau 3 Stunden zum Schlafen. Dementsprechend meine Antwort: „Ihr habt sie wohl nicht mehr alle! Ich geh jetzt schlafen! Macht ihr doch, was ihr wollt. Wo wollt ihr überhaupt jetzt Wein herkriegen?“ – „Meine Mama hat noch 2 Kartons oben bei sich im Schlafzimmer. Geh mal hin und sag: ´Schenken Sie uns einen Wein`“

Ja, es wird ja immer schöner. Ich glaub bei dir piept´s. Einen Teufel werd ich tun! Wenn du unbedingt Wein willst, frag doch selbst. „Ja gut, dann geh ich jetzt und frage.“ – „Nee, wenn, dann lass lieber Oscar gehen, denn du hast vorher nur Hallo gesagt und sie hat schon gefragt ob du betrunken bist.“. Aber wer nicht hören will muss fühlen. Ich hab mich dann ins Bett gelegt und hab nur gehört „Ich glaub´, du hast sie nicht mehr alle. Um 2 Uhr morgens, schon betrunken, in 3 Stunden musst du aufstehen und überhaupt, ach ihr steht sowieso nicht auf und ihr seid einfach nur faul!“ – „Aber Stephi will auch Wein trinken!“ HALLO???? Ich glaub echt, bei dir piepts! Glücklicherweise kennt seine Mom ihn und inzwischen auch mich ziemlich gut und weiß, dass an der Stephi-will-Wein-trinken-Sache nichts dran war.

Nun ja, 5 Minuten später hatte er dann seinen Wein, und damit war meine Bettruhe dann endgültig gestört, denn alle 2 Minuten stand er dann im Zimmer und hat mich vollgetextet. Dabei wollte ich doch einfach nur schlafen.

Um 5 Uhr waren wir dann wieder wach, um halb 6 habe ich Lisa angerufen, die auch tatsächlich dranging und tatsächlich sagte, dass sie jetzt gleich losfährt. In diesem Augenblick wusste ich, dass sie definitiv verrückt ist. Ich hätte alles darum gegeben, weiterschlafen zu können und sie steht freiwillig auf! Naja gut. Wir haben also gefrühstückt und sind dann zur Pana gelaufen, wo wir auf sie gewartet haben. Von dort aus ging es dann mit einem anderen Bus weiter nach Piqualquí, und ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben es an diesem Tag tatsächlich nach 3 Versuchen geschafft, den Kartoffelacker abzuernten. Das war zwar weniger erfolgreich, denn zunächst haben sie mit einem Pferd den Acker umgepflügt mit dem Ergebnis, dass wir in einer ganzen Reihe vielleicht 5 Kartoffeln gefunden und über jede einzelne gejubelt haben. Dann haben wir doch lieber mit Spaten jede einzelne Pflanze umgegraben. Das war zwar dann etwas erfolgreicher, aber im großen und ganzen war die Ernte doch sehr unergiebig, so dass Darwin dann zu seinem Vater meinte: „Da kommt gerade eine camioneta, die Kartoffeln verkauft. Besser kaufen wir noch mal 2 Säcke, um den Helfern wenigstens ihre Ration geben zu können!“. Ja, das Ergebnis waren etwa 2 Säcke Kartoffeln, die auf dem Markt je 8 Dollar kosten. Wenn man jetzt mal nachrechnet, die Fahrtkosten, wo wir ja mit jeweils etwa 4 Personen 3 Mal insgesamt dorthin gefahren sind, hat sich das echt nicht gerechnet. Aber so waren wir wenigstens wieder mal beschäftigt :) .

Am Samstag Abend waren wir dann von Fausto, Joshes Bruder, eingeladen, um mit ihm zu der Familie zu gehen, die Paten von seinem Kind werden sollen, um dort wieder Essen abzugeben. So haben wir zu Hause auf Anneke, Nadine und Dominik gewartet und sind dann zusammen runter zu Fausto gelaufen, wo wir erst einmal etwas zu essen bekommen und die zwei chicos zum ersten Mal Meerschweinchen gegessen haben. Dort sassen wir noch eine Weile bevor wir dann weiter zum Haus der Paten gelaufen sind. Da gab es dann wieder Essen, danach einen ganzen Haufen Bier und ich wäre vor Müdigkeit fast eingeschlafen. Gegen 1 Uhr sind wir auch wieder nach Hause gegangen und haben uns in freudiger Erwartung, endlich einmal ausschlafen zu können, da Darwins Eltern in Quito, Oscar in Otavalo und Gandhi bei seinem Cousin waren, ins Bett gelegt.

Das mit dem Ausschlafen wurde dann nichts, da um halb 9 plötzlich Oscar im Zimmer stand und behauptete, es wäre schon 11 Uhr. Ja, so waren wir dann wach, haben gefrühstückt und sind dann nach Otavalo gefahren, um mit einem Volontär eine Gitarre zu kaufen und die Sachen für die Lasagne zu besorgen, die wir am Abend bei Laura und Joshe machen wollten. Als ich dann hinten raus gegangen bin, um die Türe zu verriegeln, habe ich dann auch Tyson, unseren kleinen Hund gefunden. Schon am Abend vorher haben wir uns gewundert, dass nur seine Mama ankam, um uns zu begrüßen, aber wir dachten, er wäre vielleicht irgendwo und hört uns nicht. Aber da hinten lag der arme kleine dicke tot in der Eingangstüre.

Ja, wir haben also die Kühe angepflockt und sind nach Otavalo gefahren, haben die Gitarre und die Zutaten gekauft und sind dann mit Nadine und Dominik wieder zurück. Am Nachmittag sind wir dann hoch zu Laura gelaufen und haben nach kurzen Diskussionen, dass auch Männer sehr wohl helfen können zu kochen angefangen, Tomaten, Zwiebeln und Co zu schnipseln. Die Lasagne war total lecker, aber noch leckerer der Salat, der selbst den Ecuadorianern geschmeckt hat, obwohl keine Limone am Dressing dran war :) . Danach haben wir noch eine ganze Weile gespielt und beschlossen, nächsten Sonntag schon mittags anzufangen, um Monopoly spielen zu können.

Die letzte Woche bestand dann eigentlich nur daraus, Schals und Blusen zu besticken, Fransen daran zu befestigen und zwischendurch noch mal zu kochen, denn die Frau von Darwins Cousin ist gestern zu einem Fest nach Kolumbien gefahren und so hat sie gesagt, dass sie da die Sachen verkaufen kann.

Am Donnerstag Mittag sind wir dann alle nach Cayambe gefahren, wo ein neues Einkaufszentrum gebaut wird. In diesem will Darwins Mama einen Laden kaufen, um die Blusen, Röcke, Schals und so zu verkaufen. Sie war schon ein paar Mal da, wollte jetzt aber auch noch unseren Rat haben. So sind wir da durch die Baustelle gelaufen, haben uns die Läden angeschaut und wie wild darüber diskutiert, welcher Laden denn jetzt der Beste sei. Ja, noch ist nichts raus, aber ich verteidige immer noch wie wild den Laden an der Ecke im 1. Stock, was seine Mama aber nicht gut findet, da sie der Meinung ist, dass die Leute nicht bis in den ersten Stock hochlaufen. Ja, wir werden sehen ;) .

Gestern Morgen war ich dann kurz in Otavalo, hab mich mit Anneke getroffen, wir haben mal die Wohnung geputzt und uns unterhalten. Als ich wieder zurückkam war Darwin schon auf dem Weg nach San Pablo, um seinen Sohn zu besuchen, und so habe ich mich mit Gandhi und Oscar mal daran gemacht, das Haus zu putzen. Gegen Nachmittag kam dann der Anruf von Laura, dass die Wiñay Kayambis heute einen Auftritt in Ipiales haben. Und damit fingen dann die Diskussionen wieder an, da ich mich geweigert habe, mitzufahren, da mein Pass in Otavalo ist und Ipiales in Kolumbien und man dafür den Stempel braucht. Das wiederum hat Darwin aber abgestritten und da ich schon seit Donnerstag eine enorme Lust verspürte, mich zu streiten, was aber mit ihm einfach nicht geht, hab ich dann einfach mal auf stur geschalten und gesagt, dass ich ihn nicht im Gefängnis besuchen komme, wenn er als Illegaler in Kolumbien verhaftet wird. Woraufhin er dann meinte, dass er dann einfach anruft und sagt, dass er nicht mitfährt, was mir aber auch nicht recht war. Naja, so haben wir uns den ganzen Abend nur angezickt, mir war alles egal, er hat mit allen Mitteln versucht, mich zu beruhigen, was aber nur noch mehr Zorn in mir ausgelöst hat, woraufhin er mir dann vorgeworfen hat, ich wäre eine schlechte Freundin, denn seine Mama würde ihn segnen und ihm wünschen, dass es ihm gut geht während ich nur das Schlechte heraufbeschwöre. Und so haben wir uns auch als wir schon im Bett lagen noch bis um Mitternacht weiter angezickt, bis er irgendwann meinte, dass er einfach nicht mehr mit mir redet, weil er jetzt schlafen muss, denn um 4 müssen sie schon los.

Ja, so sind sie heute Morgen losgefahren, ich bin hier geblieben um nicht im Knast zu landen und hab mich gefreut, mal etwas länger schlafen zu können. Daraus wird nur hier in diesem Haus wohl niemals etwas werden, denn um punkt halb sechs geht die Türe auf, Gandhi steht im Zimmer. Ich stelle mich schlafend. Gandhi: „Stephi, weißt du wo…“ Dann die Stimme von seiner Mutter aus dem Nähzimmer. „Gaaaaaandhiii, ich hab´s gefunden!“ – „Oh, Sorry. Schlaf mal weiter.“

5 Minuten später. Es klopft. „Ja?“ – „Stephi, hast du nicht zufällig ne Mütze?“ – „Nee, hab ich nicht, die hat Darwin mitgenommen.“ – „Aaah“. Die Tür geht zu.

2 weitere Minuten später. Die Tür geht auf. „Hast du nicht doch irgendwas?“ – „ Nee, ich hab nur das hier“ und reiche ihr meine Kappe. „Aaaaaaaaaaaah, wie gut. Genau so was haben wir gesucht.“

Nachdem dann zwar in unserem Zimmer Ruhe war ging es draußen weiter. „Beeil dich, der Bus fährt sonst ohne dich ab!“ – „Schnell, hier ist dein Frühstück.“ – Der arme Gandhi wurde nämlich dazu verdonnert, zu der Minga am Gipfel von San Augustín zu gehen, um das gleiche zu machen, was wir letztens auch schon da oben gemacht haben, also diese Feuerschneise…

Nun ja, damit war ich um viertel nach 6 nun endgültig wach. Und das an einem Samstag. Nun ja, so kommt ihr nun endlich mal dazu, zu lesen, was wir in den letzten Wochen hier so erlebt haben, sonst hätte ich wohl nie Zeit gefunden, das alles mal aufzuschreiben.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal hochoffiziell für die 16 Word-Seiten entschuldigen. Ich habe wirklich ernsthaft versucht, mich kurz zu fassen. Aber wenn´s euch zu viel ist, dann lest es einfach nicht :) . Und Jutta, du kannst dir hiermit schon mal ungefähr 12,90 Euro für ein Buch sparen. Also beschwert euch nicht!

Bis zum nächsten Mal, dann wieder etwas weniger ;)

Seit langem nun mal wieder ein kleines Update… Was bisher geschah: :) Nachdem ich aufgehört hatte zu schreiben, ist noch allerhand passiert. Ich war mit meiner Schule 2 Tage an der Küste in Atacames, wo wir ziemlich viel erlebt und eine ganze Menge Spass hatten. Für einige Kinder war es das erste Mal, dass sie das Meer gesehen haben und dementsprechend gross waren deren Augen auch, als wir dann ankamen. Kommentare wie „Ooooooooh, guck mal, wie gross dieser See ist!“ brachten uns das ein oder andere Mal zum Schmunzeln. Es waren zwei superschöne Tage, an die wir alle noch ziemlich oft voller Freude zurückgeschaut haben.

Und so verging die Zeit auch wie im Flug und ganz plötzlich war sie da: die letzte Schulwoche, die ich so lange wie möglich aus meinen Gedanken verdrängt hatte. Da sass ich nun am Donnerstag Abend in Otavalo in unserer Wohnung, dachte an die ganzen Ereignisse des letzten Jahres, an die vielen schönen Momente, die ich mit meinen Kiddies und meiner Familie erleben durfte und wurde von Minute zu Minute trauriger. Plötzlich war alles zu Ende. Mein Bild an der Schulwand war so gut wie fertig, das Abschiedsprogramm stand und es war nun an der Zeit Tschüs zu sagen.

So kam ich am Freitag Morgen wieder nach Pijal, wo mir meine Kleinen schon aufgeregt entgegensprangen, mich umarmten und mich mit traurigen Augen fragten: „Senorita, warum gehst du?“… Ja, eine gute Frage… Warum gehe ich? Nun ja, ich komme ja wieder. Ganz bald… So stand ich dann dort vor allen Eltern, Schülern und meinen beiden Lehrerinnen. Meine Direktorin bat mich, nun auch noch ein paar Worte zu sagen. Schon am Abend vorher hatte Maike mich gefragt, was ich denn sagen würde. Ich sagte ihr nur: „Ja, ach, ich mache mir da keine Gedanken drüber, denn ich sage nur Danke für alles und fange an zu weinen… Und so war es dann auch. Es ist so schwierig, all das, was wir in dieser Zeit zusammen erlebt haben, in Worte zu fassen. Und es tat so unglaublich weh, jetzt einfach zu gehen. Pijal ist zu meinem Zuhause geworden. Und so schwer es mir anfangs gefallen ist, mich dort einzuleben, so schwer fiel es mir, zu gehen…

Aber irgendwann ist nun einmal das Ende da und so hatten wir noch einen wunderschönen letzten Tag, ein riesiges Mittagessen, bei dem mir 2 Teller voll mit Reis, Bohnen, Maiskolben, Käse, Hühnchen und einem ganzen Meerschwein vorgesetzt wurden. Wovon ich mich wohl hätte mindestens drei Tage ernähren können. Wir sassen noch ziemlich lange zusammen, bis ich mit Tränen in den Augen den Weg zur Pana hinunterlief, den Kopf immer noch voller Gedanken… Mir blieb noch genau eine Woche bis zu meinem Rückflug, und diese Woche war noch mit eine der aufregendsten. Inti Raymi…

Das Fest zu Ehren der Sonne, um ihr für die Ernte zu danken. Mit Tänzen in sämtlichen Orten, Musik überall und einfach so einer tollen Stimmung. So fingen wir am Freitag in Gonzales an, wo meine Direktorin uns alle eingeladen hatte. Die Gruppen ziehen dort von Haus zu Haus, um in den einzelnen Häusern zu tanzen. Und wir mittendrin. Was natürlich – wie hätte es auch anders sein sollen – auch ziemlich feuchtfröhlich zuging :) . So ging es dann auch die ganze Woche weiter.

Am nächsten Tag war die Firmung meiner Cousine, von der wir aber trotz dass wir schon ab halb 9 morgens bei der Kirche gewartet haben (die dann erst um halb 12 anfing) leider nicht viel mitbekommen haben, da die Kirche so überfüllt war, dass wir ganz hinten gerade so stehen konnten. Und das auch nur solange, bis meine andere Cousine kam um uns mitzuteilen, dass es im Haus kein Salz mehr gibt zum Kochen und wir jetzt schnell hochfahren müssten. So haben wir den restlichen Vormittag damit zugebracht, in einem von allen Seiten mit Plane verschlossenen Raum mit 3 Holzfeuern zu stehen und dort insgesamt 256 Koteletts zu braten. Wie gut, dass wir – sprich Maike und ich – uns hin und wieder abwechseln konnten, um die Räucherbude mal für einige Minuten verlassen zu können :) .

Was noch viel trauriger war, ist die Tatsache, dass wir um halb 4 schon wieder in Otavalo sein mussten, da wir wieder bei meiner Lehrerin zum Tanzen in Araque eingeladen waren, dass aber bis halb 3 immer noch kein einziger Gast weit und breit zu sehen war. So sind wir dann gegangen, ohne von dem Fest irgendetwas mitzubekommen, mussten aber meiner Gastomi versprechen, auf alle Fälle noch einmal nach dem Tanzen in Araque wiederzukommen. Der wohl grösste Fehler, den ich hätte machen können :) . Denn wieder einmal wurden wir in Araque schon mit Hervidos begrüsst und waren am Ende ziemlich gut dabei, als wir wieder in Richtung Taxi liefen. Die anderen sind dann nach Otavalo gefahren, während Darwin und ich noch mein Versprechen einlösen wollten und direkt nach Pijal gefahren sind… okay, vielleicht mit dem ein- oder anderen kleinen Umweg :) … hehe…

Dort tauchten wir dann um halb 1 nachts bei meiner Familie auf, die sich riesig gefreut haben und glücklicherweise selbst annähernd betrunken waren, so dass wir nicht ganz extrem aufgefallen sind :) . Trotzdem war´s leicht peinlich :) … Was bin ich froh, so eine coole Familie zu haben… hehe… Ja, die restliche Woche verlief dann jeden Tag ähnlich :) .

Wir waren ziemlich oft betrunken, hatten aber auch alle ziemlich viel Spass, so hat sich das am Ende dann alles wieder ausgeglichen ;) . Und dann kam der Tag der Abreise. Schon am Freitag sind wir nach Quito gefahren, und nach einigen Versuchen (mein Ticket war verkehrt ausgestellt und mein Flug wäre eigentlich schon einen Tag früher gewesen) habe ich dann am Ende doch noch im Flugzeug gesessen… Deutschland… 4 Wochen zu Hause… ein komisches Gefühl. Und auch wenn ich mich gefreut habe, euch wieder zusehen, habe ich Ecuador doch unheimlich vermisst. Und so sass ich am 3. August auch schon wieder im Flieger.

Von Frankfurt nach Amsterdam, dort den ersten Kontakt mit meinen ecuadorianischen Flugzeugnachbarn gemacht und mich prächtig mit ihnen amüsiert. Das ging dann im Flieger noch weiter. Links neben mir ein 19-jähriger Argentinier mit italienischem Pass, der aber in Frankreich lebt. Rechts eine 57-jährige Ecuadorianerin, die uns den ganzen Flug über mit ihren Weisheiten unterhalten hat. Wir bekamen alle so heisse Tücher, um sich zu erfrischen, was sie aber zum Anlass nahm, uns beide sofort aufzuwecken, da man sich ja jetzt die Hände waschen muss und gleich das Essen kommt. Gut, das Essen liess dann noch etwa eine ganze Stunde auf sich warten, aber das ist halt wieder die Auslegung des ecuadorianischen „ya mismo“… S

päter hat sie dann noch den armen Argentinier mit ihrem neu erworbenen „Wish“ einparfümiert, so dass dieser dann den ganzen Flug so extrem nach Frau roch, dass ich ihm nur gewünscht habe, dass er eine verstopfte Nase und keine Freundin hat, die am Flughafen auf ihn wartet. Ach, übrigens. Besagte Flugnachbarin hat noch 2 Jungs im Angebot die beide „sehr guapo“ sind… Für den Fall dass jemand Interesse hat… :)

Ja, so kam ich dann nach weiteren Zwischenstopps in Bonaire in der Karibik und in Guayaquil endlich in Quito an. Ich war inzwischen ziemlich fertig und froh, als ich mit meinem Gepäck endlich aus dieser Gepäckhalle rauskonnte, wo Darwin schon stand und auf mich gewartet hat :) .

So sind wir dann zusammen nach Otavalo gefahren, haben uns mit Laura und Mia getroffen und sind dann am späten Nachmittag völlig fertig nach Hause gegangen, wo ich um 18 Uhr auch fix und fertig geschlafen habe und wirklich gar nichts mehr mitbekommen habe… Die Überraschung kam dann erst am nächsten Morgen. Wir waren allein zu Hause und gerade dabei, das Frühstück zu kochen, als es an der Tür klopfte und ein Nachbar davor stand der sagte, der Wind hätte in der letzten Nacht den Holzpfahl umgeweht, auf dem die Stromleitung zu seinem Haus langlief. Jetzt sollte Darwin einen neuen Pfahl suchen, und das ganze ziemlich zügig, denn in einer Stunde wollen die Leute vom Elektrizitätswerk wieder los und wenn wir bis dahin nicht fertig wären, würden sie fahren und wir hätten halt keinen Strom mehr. Ohje, jetzt musste der pobrecito auch noch am frühen Morgen arbeiten :) hehe…

Denn unter „Pfahl suchen“ verstanden sie hier einen Baum fällen… So wurde das mit dem Frühstück nichts, wir haben uns – mit Axt bewaffnet – auf den Weg gemacht, um einen Baum zu fällen, wobei die Axt sage und schreibe 3 Mal vom Stiel abgefallen und quer durch die Luft geflogen ist, er – der sowieso schon krank war – sich auch noch seinen Finger verletzt hat und die meiste Zeit nur am Fluchen war, was ich – die ganz interessiert zuschauend daneben stand – ziemlich amüsant fand. Nun ja, irgendwann fiel der Baum dann doch um, sogar in die richtige Richtung und der grösste Teil der Arbeit war getan.

Nun musste nur noch ein Loch gegraben werden, um den Stamm dort hinein zu stellen. Gesagt, getan. Das alte Loch wurde einfach ein wenig vergrössert. Dumm nur, dass da immer noch ein Stück des alten Pfahls drin stand, so dass man gelegentlich mit der Hand die einzelnen Stücke rausholen musste. Das ging auch eine ganze Weile gut, bis er auf einmal anfing, zu schreien und noch lauter als vorher schon zu fluchen. Im Laufe der nächsten Minuten stellte sich dann auch heraus, weshalb: da hat ihn zur Krönung des Ganzen noch ein kleiner Skorpion gebissen :) … Okay, das war dann der Moment, in dem er mir wirklich leid getan hat… hehe… Nun gut, irgendwann stand der Stamm dann tatsächlich und noch etwas später gab es dann auch wieder Strom. Soweit war für uns wieder alles erledigt. Die Nachbarn hatten da allerdings noch etwas mehr arbeit, denn ihnen ist das gesamte Wellblech-Dach vom Haus geflogen und lag dann auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse… So wurde einfach kurz umdisponiert und das Frühstück eben zum Mittagessen. Das nimmt sich hier ja eh nichts ;) .

Den Rest der Woche verbrachten wir eigentlich grösstenteils damit, eine Wohnung für Anneke und mich zu suchen. Was am Ende auch mehr als erfolgreich war. Wir sind nämlich nun stolze Besitzer einer superschönen Wohnung (für die, die sich hier auskennen: in der Atahualpa y Abdón Calderón, direkt bei der copacabana) mit 2 Schlafzimmern, wobei das eine eigentlich zwei sind, einem Bad mit Badewanne (!!!), einer Lavandería direkt in der Wohnung, so dass wir nun auch bei Regen unsere Wäsche Waschen können, einer offenen Wohnküche, Terasse und Balkon. Mit supernetten Vermietern, direkt über einer Eisdiele, die wohl mit den besten ensalada de frutas macht und uns die Batidos zum Frühstück sogar direkt in die Wohnung bringt. Was will man mehr?

Ja, aber zunächst einmal kam das Wiedersehen mit den Mädels, die von ihrer Südamerika-Reise zurückkamen. Am Freitag sollten sie ankommen und ich habe mich schon so tierisch auf alle gefreut. Donnerstag Abend bin ich dann mit den Worten „jetzt sind´s nicht mal mehr 24 Stunden!“ ins Bett gegangen. Am nächsten Morgen herrschte dann plötzlich grosse Aufregung. Um halb 7 klopfte es an die Tür und Darwins Mama stand da… „Steht auf, schnell, wir müssen runter zur Tante und ein Schwein schlachten. Und ihr müsst helfen!“ Also wieder einmal ohne Frühstück aus dem Haus. Seine andere Tante und sein Cousin sollten aus Spanien kommen. Um kurz vor sieben waren wir also auf dem Weg. Um halb acht zerrten Gandhi, Darwins kleiner Bruder, und dessen Cousin, das Schwein über das Maisfeld… Ich muss ja schon zugeben, dass es mir etwas leid getan hat, wie es dann so um einen Pfahl gewickelt da stand und der eine Onkel dann mit zwei Hammerschlägen auf den Kopf dem Leben des armen Schweinchens ein Ende gesetzt hat. Ja, nachdem das Schwein dann von den Borsten befreit war, wurde es kurzerhand auf den Waschstein gehoben, wo dann sämtliche Innereien entfernt wurden. Währenddessen kamen schon die ersten Gesprächsthemen über die Leckerein, die man aus den Gedärmen machen kann, auf, was meinem Befinden dann doch leicht zusetzte. Man bedenke, es war gerade halb 9 Uhr morgens, ich hatte immer noch nichts gefrühstückt, stand vor einem aufgeschlitzten Schweinebauch, hielt die Beine auseinander und der Geruch von Blut und Innereien stieg mir immer wieder in die Nase. Naja, das ist halt Dorfleben, nicht wahr? hehe…:)

Nach dem Mittagessen sassen wir dann im Haus seiner Tante, als plötzlich mein Handy klingelte und die Mädels dran waren. Geschrei von beiden Seiten… Wie habe ich mich gefreut, sie zu hören… Ich habe mich dann mit Selana, die sowieso erst einmal Lucía in Pijal besuchen wollte, an der Entrada verabredet und als ich dann ein paar Stunden später zum Laden gestiefelt kam, war es so ein schönes Gefühl. Alles war wieder so wie immer… Etwas später sind wir dann nach Otavalo gefahren um uns auch noch mit den anderen zu treffen. Wir sassen noch eine ganze Weile zusammen und haben über die letzten Wochen gesprochen und waren einfach nur froh, wieder zusammen sein zu können.

Am Samstag Morgen sind wir dann wieder nach Otavalo gefahren um endlich den Mietvertrag zu unterschreiben und wieder ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben :) . Das hat auch – abgesehen von der ecuadorianischen Verspätung unserer Vermieter – einwandfrei funktioniert, so dass wir am Nachmittag schon mit dem Einrichten beginnen konnten. Was mich an dieser Tatsache jedoch umso mehr gefreut hat, war, dass ich so einen Grund hatte, um mich um die Feier bei Darwins Tante einschliesslich der ganzen Leckereien wie gebratener Innereien zu drücken :) . Wobei ich mich da wohl zu früh gefreut hatte, denn am Nachmittag kam dann der Anruf, in dem er mich ganz fröhlich darauf hinwies, dass er mir ja extra eine Tüte gemacht hat, die ich dann abends essen könne. Herzlichen Dank auch :) .

Ja, zurück zum Einrichten… Maike und Stephi on Tour… Die „Café & Creme“-Kollektion trifft auf Glitzer. Gott sei Dank ist die Farbe einer Matratze wohl eher egal, so dass wir zumindest in dieser Hinsicht keine Diskussion über Farben hatten. Dafür eher Diskussionen mit der Matratzenverkäuferin über die Preise. Die billigste Matratze sollte bei ihr 70 Dollar kosten, bestand dafür aber auch nur aus Schaumstoff, den man mit 2 Fingern schon von etwa 15cm auf 2cm zusammendrücken konnte. Also weiter zum nächsten Laden. Die Matratzen waren recht gut und mit 60 Dollar auch billiger als die anderen. Was zwar ein guter Preis ist, der aber noch besser werden konnte. So standen wir etwa 20 Minuten in dem Laden und diskutierten mit der Verkäuferin, die uns nur einen Rabatt von 5 Dollar für die 2 Matratzen lassen wollte. Wir wollten aber 10 Dollar haben. Am Ende konnten wir uns auf einen Preis von 110 Dollar einigen, haben ihr aber versprochen, einen Kuchen (Maike, die wie immer übertreiben musste, sagte dann: eine 3-stöckige Schokoladentorte!) zu backen, sobald wir im Besitz eines Ofens sind… :)

Abends folgte dann die „Einweihungsparty“ mit den Mädels. Danach dann Fauno und Jala Jala. Und dann das Problem mit dem Schlafen… Wir waren plötzlich 8 Leute für 2 Matratzen, so dass ich am Ende dann nur auf einer Decke auf den Fliesen im Wohnzimmer geschlafen habe. Ich armes Ding, in meiner eigenen Wohnung… Am nächsten Morgen stellte sich das aber als die wohl beste Entscheidung heraus, denn die 3 Mädels, die in meinem Zimmer geschlafen haben, haben ständig gefroren, da Maike den Grossteil der Decke für sich beanspruchte und Cathy und Fabiennes Schönheitsschlaf wurde von beständigem Schnarchen von Darwins Cousin leicht beeinträchtigt… Tja, manchmal ist weniger halt doch mehr :) .

Trotz allem war ich am Sonntag schon um halb 7 wach, habe dann schon einmal begonnen, ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen, was bei ungefähr 20 Koffern, Rucksäcken und Taschen – also dem ganzen Krempel eines Jahres von 6 Mädels – gar nicht so einfach war, habe dann die Diskussionen über machomässiges Verhalten von ecuadorianischen Männern des vorigen Abends weitergeführt – zwar nur mit mittelmässigem Erfolg aber immerhin :) – und dann gegen acht Uhr echt Hunger. So ein schöner Teller Reis mit Linsen… Leider waren wir immer noch nicht im Besitz eines Herdes also mussten wir uns wieder auf die Suche nach einem Frühstück machen. Was sich als schwieriger als gedacht herausstellte, so dass wir am Ende dann doch beschlossen haben, einfach ein Stück Pizza zu essen… Was auch was hatte…

Am Dienstag Morgen stand dann unsere erste offizielle Aufgabe als Mentoren an. Die ersten Volontäre mussten abgeholt werden. Um halb 5 morgens sass ich im Bus nach Quito, wo ich erneut feststellen muss, dass ich ein absoluter Gegner des neuen Busterminals bin, dass sich ewig weit weg vom Flughafen befindet und die Busverbindungen zu selbigem auch nicht gerade ausgeklügelt sind. Naja… Am Flughafen habe ich mich dann mit Anneke und Celia getroffen und wir haben die Volontäre in Empfang genommen. Bis auf das ein oder andere Gepäckstück, was es nicht mehr in den Flieger geschafft hatte, sind aber alle wohlbehalten hier angekommen. So sind Anneke und ich dann mit ein paar Volontären nach Otavalo gefahren, während der Rest in Quito geblieben ist.

Am Mittwoch sind dann alle Mädels noch einmal in ihre Familien gefahren und Anneke und ich haben beschlossen, auch nach Pijal zu gehen um am Abend für Darwins family etwas typisch deutsches zu kochen. Ich bin dann schon am Mittag hochgefahren und wir sassen eine ganze Zeit auf der Wiese vorm Haus, haben auf den See und die Vulkane geschaut und uns unterhalten. Dabei habe ich leider seine kleine Katze aus den Augen verloren, was uns aber auch erst aufgefallen ist, als wir wieder oben beim Haus waren. Also mussten wir wieder ganz runter laufen um die arme Katze zu suchen, die laut seiner Aussage noch viel zu klein ist, um den Weg alleine zu finden :) .

Am Nachmittag haben wir uns dann mit Maike, Selana und Anneke noch ein letztes Mal an „unserem“ Platz am Bach getroffen. Als es dann schon früher Abend war und wir uns auf den Heimweg machten, wurde ich ziemlich traurig. Jetzt war es wirklich das Ende… Wir haben alle drei so viel zusammen in Pijal und San Augustín erlebt, und jetzt fahren beide wieder nach Hause und plötzlich wird alles anders werden… Ja, so sind wir dann zum Haus gelaufen und haben uns daran gemacht, unser Essen – Bratkartoffeln, Frikadellen, Spiegelei und Tomatensalat zu machen. Dazu gab es dann noch Obstsalat und abgesehen von der Tatsache, dass wir die ganze Küche in eine einzige Räucherkammer verwandelt haben, klappte alles sehr gut und wir hatten ein superleckeres Abendessen, das nur einen Haken hatte: Es gab kaum noch Wasser. Und wir waren ziemlich durstig… Also noch einen kleinen Abendspaziergang zur Tienda, in der sich der Junge, der verkauft hat, wahrscheinlich gedacht hat, wir hätten sie nicht mehr alle, als wir 6 Flaschen Wasser dort gekauft haben. Aber egal :) .

Am nächsten Morgen sind Anneke und Darwin melken gegangen sind, während ich schon einmal das Frühstück gemacht habe – Pommes, Brötchen, Obstsalat und Milch – ein typisch ecuadorianisches Frühstück :) . Anschliessend bin ich dann nach Gonzales gefahren, um mich dort mit Maike und Danilo zu treffen. Ihn hatten wir am Tag zuvor mit seiner Mama getroffen, wo sie uns erzählte, dass er immer noch keinen Platz im colegio hat und wir haben ihr versprochen, mit ihm noch einmal zu versuchen, etwas zu bekommen, damit er weiter zur Schule gehen kann. So sind wir von dort aus nach Tocagón gefahren, wo er sich dann auch sofort einschreiben konnte. So bin ich dann auch zu der grossen Ehre gekommen, seine Repräsentantin zu werden :) . Er hat sich riesig darüber gefreut und auch seine Mama war glaube ich mehr als glücklich, dass er nun doch noch einen Platz bekommen hat.

Am frühen Mittag haben wir dann noch ein Treffen mit Celia gehabt, um ein wenig an der Planung des Seminars weiter zu arbeiten. Wir wollten ein kleines Merkblatt über typische Ausdrücke und Redewendungen erstellen, was ziemlich lustig war, da wir gemerkt haben, wie sehr sich die einzelnen Gemeinden doch voneinander unterscheiden. Dabei habe ich übrigens auch noch ein neues Wort gelernt: el man oder la man… da wurden einfach englische Worte eingespanischt, wobei dann wohl einfach unterschlagen wurde, dass es für Frau ein eigenes englisches Wort gibt… Nun ja :)

Nachmittags hiess es dann wieder: auf nach Quito… Wieder Flughafen. Wieder ein Abschied. Und wieder Tränen. Selanas Flug ging abends. Und es war so unendlich traurig… Ja, Selanita… wenn du das hier liest: Pay, no ve??? Gracias por todo el ano… Nunca te olvidaré. Y aunque solo sean pocos días, ya me haces falta aquí… Regresarás pronto, mi hija… Saludos de todo Pijal, corazón. Que tengas und tiempito muy feliz en Alemania y nos vemos… ya mismito :) Kanda munani!

Ja… so werden es immer weniger hier. Wir sind dann ziemlich traurig in die Stadt gefahren, haben etwas gegessen und uns noch mit den Volontären getroffen, um deren Pässe zu holen und am nächsten Tag die Visa registrieren zu lassen. Dort sassen wir noch etwas zusammen, haben geredet und sind dann auch ziemlich müde ins Bett gefallen. Am Freitag Abend hatten wir uns dann mit Darwin und dessen Cousin verabredet, um in Cayambe Karaoke singen zu gehen… Wir sind dann dort erst einmal zu seinem anderen Cousin nach Hause gegangen, haben dort dann gegessen und mit dessem Sohn gespielt und sind dann los in die Bar. Es war so lustig. Dort sassen wir, haben unsere Lieder ausgesucht und dann auf unseren Einsatz gewartet… Dabei die gesamte Bar leer getrunken, was allerdings nicht schwierig war, denn es gab nur eine einzige Flasche Cola, eine Flasche Saft und vielleicht 3 oder 4 Flaschen Wasser… hehe… Und dann auf einmal Darwin: „Ich will nicht singen. Ich schäme mich. Me da pingay“… Hahaha… wie gut. Wenn er sich schon schämt, dann singen wir erst recht nicht :) Ja, er hat sich dann doch zusammengerissen und ach, Selana, du hast Recht mit dem was du gesagt hast… Auch wenn es manchmal nicht einfach ist… Er hat dann extra für mich ein Lied gesungen und auch wenn es sein mag, dass es kitschig ist, ich fand es so süss… :)

Nach der Bar wollten wir noch irgendwo tanzen gehen, aber auf Grund der Tatsache, dass in Cayambe überhaupt nichts los war, sind wir dann nach Otavalo gefahren. Wo es leider auch nicht besser war. Naja, so waren wir ein bisschen im Jala Jala, haben halt ganz alleine auf der Tanzfläche gestanden und dann noch etwas dort herumgesessen. Ich hatte schon den ganzen Abend ziemliche Halsschmerzen, die dann plötzlich noch viel schlimmer wurden, so dass ich kaum noch schlucken konnte. So sind wir dann auch ziemlich bald nach Hause und haben versucht, ein wenig zu schlafen. Nachts kam dann bei mir noch Fieber dazu, so dass ich mich am nächsten Morgen wirklich schlecht fühlte und Maike erstmal in ihrer 5 kg schweren Hausapotheke, die sie uns vermacht hat, nach irgendeinem Medikament habe suchen lassen. An dieser Stelle eine kleine Anmerkung an Maikes Dad: Wie kann es sein, dass in 5 kg Medikamenten, die sämtliche Pillen gegen Krankheiten, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann, enthält, nicht eine einzige Tablette gegen Halsschmerzen dabei ist??? :) hehe…

Ja, so machte es sich zum ersten Mal bezahlt, dass wir direkt gegenüber einer Apotheke wohnen… Was natürlich schade war, dass gerade an diesem Samstag die Taufe des Sohnes von Darwins Cousin sein sollte. Und ich mich überhaupt nicht nach Feiern fühlte. So habe ich dann auch mehr oder weniger den ganzen Tag im Bett verbracht und darauf gehofft, dass ich irgendwann wenigstens wieder schlucken könne. Immerhin fühlte ich mich gegen Abend dann auch wieder etwas besser.

Die gesamte letzte Woche bestand dann eigentlich nur aus Fahrten nach Quito. Entweder kamen neue Volontäre an oder wir mussten zu irgendwelchen Ministerien wegen der Visa. Schliesslich haben weder Anneke noch ich ein Visum, da unsere noch gültig waren, als wir eingereist sind. Und das stellte sich schwieriger heraus als gedacht.

Die einzig positive Überraschung war, dass am Mittwoch Oscar, Darwins Bruder, aus Kolumbien zurückkam. So haben wir am Dienstag Kuchen gebacken, den wir abends dann zusammen mit Gandi, dem kleinsten Bruder, verziert haben. Am Mittwoch haben wir dann an der Pana gewartet und sind dann zusammen nach Hause gelaufen, wo wir dann gekocht, gegessen und noch ewig lang zusammen sassen… Am Mittwoch fuhren wir dann wegen Annekes und meinem Visum zum Ministerio de relaciones exteriores, um festzustellen, dass geschlossen ist. Am Donnerstag also wieder hin, in der festen Überzeugung, alle Papiere zu haben. Aber falsch gedacht. Wir hatten zwar eine ganze Menge Papiere, aber uns fehlten trotzdem noch etliche.

Glücklicherweise haben wir ja immer noch Celia, die uns dann alles mögliche per E-mail zuschickte. Um drei Minuten nach 12 waren wir dann mit 1000 neuen Papieren wieder im Ministerium, wo aber ein schwer bewaffneter Sicherheitsmann nur auf den Zettel mit den Öffnungszeiten tippte. Nein, wegen drei Minuten… Nach langem hin und her hat er uns dann doch noch schnell hochgelassen. Dort erfuhren wir dann, dass wir nun zwar die richtigen Papiere hatten, aber leider auf diesen Papieren die Stempel fehlten. Ich hätte am liebsten einfach geheult.

Also zurück nach Otavalo. Dort dann Krisenanruf bei Celia, die wiederum Christians Onkel anrief, der in diesem Ministerium arbeitet, dessen Stempel fehlten. Auf nach Ibarra. Man hat ja auch sonst nichts zu tun. In Ibarra hiess es dann erst, sie könnten uns die Dokumente nicht geben. Okay, das war dann der Punkt, an dem ich wirklich angefangen habe, zu weinen. Glücklicherweise war dann doch noch der Anwalt oder Notar da, der uns dann doch eine beglaubigte Kopie der Dokumente gab. Ja, jetzt konnte uns nichts mehr passieren.

Um halb 3 Uhr nachts sassen wir also wieder an der Pana und warteten auf den Bus. Maikes Flug ging um halb 9 morgens. Wieder ein Abschied. Wieder Tränen. Aber das war jetzt glücklicherweise erst einmal der letzte Abschied. Und so freuen wir uns einfach darauf, die Mädels im nächsten Jahr wieder zu sehen. Vom Flughafen dann direkt zum Ministerium zurück. Warten, warten, warten. Dann waren wir an der Reihe. Der Mitarbeiter – ein anderer als am Tag zuvor – kontrollierte unsere Dokumente. „Und wo ist die Petition?“ – „WAAAAS?“ – „Die Petition?“ – „Davon hat man uns nichts gesagt.“ – „Das steht aber auf dem Zettel mit nötigen Unterlagen.“ – „Aber wir waren doch gestern schon bei ihrem Kollegen, und der sagte, uns fehlen nur noch diese Dokumente.“

Er schickte uns zu dem Kollegen, der uns dann genau das gleiche sagte. „Aber warum haben Sie uns dann gestern nichts davon gesagt? Was sollen wir denn jetzt machen?“ Ich glaube ich war zwischenzeitlich echt ziemlich unhöflich, was mir aber in diesem Moment auch relativ egal war. Vor allem, als er sich dann – nachdem wir beide schon ungefähr 10 Minuten mit ihm diskutiert hatten – an Anneke wandte, ihr alles noch einmal erklärte mit den Worten: „Sie sprechen glaube ich gutes Spanisch und verstehen mich besser!“ HALLO???? Ich verstehe Sie nur zu gut, nur anscheinend ist er in seinem Job leicht überfordert. Ich meine, er muss doch wissen, welche Dokumente man benötigt, und kann uns ja nicht jeden Tag etwas neues sagen, was noch fehlt.

Nun ja, im Endeffekt hat er uns dann doch das Zugeständnis gemacht, die Dokumente anzunehmen, wenn wir ihm am Montag das Schreiben bringen. Gott sei Dank. Schliesslich waren wir seit diesem Tag bereits illegal im Land :) . Jetzt hoffen und beten wir einfach, dass sie uns das Visum geben, und zwar ohne dass wir die Strafe zahlen müssen… So sind wir relativ zufrieden aus dem Ministerium heraus gegangen und wieder zurück nach Otavalo gefahren, wo wir erst einmal ein wenig Schlaf nachgeholt haben.

Abends kamen dann Darwin und Oscar und wir sind zusammen ins Fauno gegangen. Gegen 23 Uhr haben wir uns wieder auf den Heimweg begeben und waren etwa 2 Blocks von unserer Wohnung entfernt, als zwei Jugendliche auf uns zukamen. Annekes und mein erster Gedanke war: „Scheisse, die wollen uns ausrauben.“ Dann kamen sie näher und meinten irgendwas, und begrüssten Darwin und danach uns. „Gott sei Dank. Doch nicht. Er kennt sie.“…

Wieder mal falsch gedacht, denn auf einmal meinte er „Gib mir dein Geld.“ und als Darwin sagte „Hey, wir sind genauso pleite wie du und haben gar nichts“ zückte dieser Typ plötzlich ein Messer, also ein riesiges mit bestimmt 20cm Klinge, und hielt ihm das an die Brust. Nein… es kann echt nicht sein. Ich stand da wie versteinert, Darwin versuchte ihm die ganze Zeit zu erklären, dass er wirklich fast nichts dabei hatte und meinte „Durchsuch mich ruhig, ich hab nichts.“, Anneke kämpfte in der Zwischenzeit mit dem anderen darum, dass er wohl alles aus ihrer Handtasche nehmen könne, ihr aber doch bitte die Tasche lassen soll. Und so ging das eine gute Minute so.

Als der eine Typ mit Darwin fertig war, fing er an mich zu durchsuchen. Ich hatte aber meine Handtasche, als wir losgingen, in der Wohnung vergessen und Anneke meinte dann zu mir: „Ach die brauchst du doch auch nicht.“. Was im Endeffekt unser Glück war, denn so hatte ich ausser unseren Schlüsseln wirklich gar nichts, nicht mal einen Cent dabei.

Bei uns haben sie also keine wirklich gute Beute gemacht. Ausser vielleicht 6 Dollar. Das einzige was wirklich ärgerlich ist, ist, dass Darwins Kamera in Annekes Tasche war. Ach ja, und was sie noch erbeutet haben ist Annekes Handy. Also eigentlich das Handy von Annika, denn da Anneke noch keins hatte, habe ich ihr erst einmal das von Annika gegeben. Also Annika-Herz, so leid es uns tut, dein Handy hat nun leider einen neuen Besitzer gefunden. Ich hoffe, du nimmst es uns nicht zu sehr übel, aber wir haben es wirklich mit unserem ganzen Leben verteidigt. Leider erfolglos. :)

Ja, und genauso gechillt, wie sie auf uns zukamen, sind sie dann auch wieder abgezogen. Ich war erstmal fix und alle und meinte dann, wir müssen die Polizei rufen, denn die gehen jetzt mit Sicherheit nicht nach Hause, sondern ziehen weiter durch die Strassen. Das war dann auch der Punkt, an dem uns auffiel, dass der zweite offenbar noch kein wirklicher Profi war, denn nachdem Oscar ihm seine paar Dollar gegeben hat, hat er ihn nichtmal mehr durchsucht, so dass sich Darwins Handy, das in Oscars Hosentasche war, auch nachdem sie uns ausgeraubt hatten, immer noch an der gleichen Stelle befand.

Wir sind dann erst einmal zu unserem Haus gelaufen und haben dort auf die Polizei gewartet, die dann nach dem zweiten Anruf auch endlich mal auftauchte. Die anderen hätten noch nicht einmal angerufen, nur weil ich da auf der Strasse einen Riesenaufstand geprobt habe, dass das jawohl nicht angehen könne und dass sie jetzt gefälligst etwas machen sollen, hat sich Darwin dann dazu bereiterklärt, anzurufen.

Die kamen dann auch, aber ganz ehrlich schien es nicht so, als ob sie das jetzt wirklich interessieren würde. Naja, sie sind dann wieder gefahren und Darwin meinte nur „Ach, das kriegen wir eh nie wieder zu Gesicht. Für den Fall, dass sie die zwei finden und mit ihnen die Kamera und das Handy, stecken sie es selbst ein. Das sind nur andere Diebe.“ … Ja, vermutlich hat er Recht. Aber egal. Ich war mit meinen Nerven echt am Ende, hatte Tränen in den Augen und meinte nur: „Und was sollen wir jetzt hier machen? Jetzt können wir ja nicht mal mehr alleine auf die Strasse gehen nachts!“ Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, dass es wohl besser gewesen wäre, wir hätten uns eine Wohnung in Pijal gesucht :) .

So sassen wir dann noch eine ganze Weile auf unseren Betten und die anderen haben versucht, mich zu beruhigen. Und auch, wenn es mir am Ende besser ging, habe ich nicht wirklich gut geschlafen. Und auch heute noch habe ich ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich daran denke, dass wir hier irgendwann einmal alleine sind und keiner von den Jungs da ist und wir dann auch auf die Strasse gehen müssen… Nun ja, ich glaube, ich werde es auf alle Fälle in der nächsten Zeit erst einmal vermeiden, nachts draussen herumzulaufen.

Aber keine Sorge, es geht mir gut, ich fühle mich hier trotz allem noch wohl und werde jetzt einfach einen Karate-Kurs belegen :) . Bis zur nächsten Woche, dann wieder mit neuen Abenteuern und hoffentlich einer positiven Meldung wegen des Visums. Anderenfalls wird an dieser Stelle nächste Woche stehen, dass ich nun verheiratet bin :) … Was der Anwalt ja bereits geahnt hat, nicht Maike??? hehe… Nein, keine Sorge. DAS war nun wirklich ein Spass…

Verfasst von: pijalsanpedro | Mai 25, 2009

Update

Sher geehrte Leser und Leserinnen,

aufgrund meiner Mitarbeit in der Chefredaktion der Abschlusszeitung unseres Volontariats, die sozusagen ein 24/7-Job darstellt, wird die Veröffentlichung weiterer Berichte auf dieser Seite bis auf weiteres eingestellt.

Ich bitte um Ihr Verständnis :)

Mit freundlichen Grüssen

Stephanie Tomas

P.S.: Wer etwas genaues wissen will, der kann mir ja ‘ne E-mail schicken :) . Und sollte etwas wirklich aussergewöhnliches passiert sein, berichte ich natürlich wieder umgehend.

Verfasst von: pijalsanpedro | Mai 12, 2009

5 Freunde & ein Spielverderber – neue Abenteuer aus der Ferne

Der Iliniza ist überstanden. Und nachdem Pablo, Annika und ich am Samstag Abend noch ziemlich lange zusammen sassen war der Sonntag dann doch eher ruhig. War aber auch ziemlich entspannt, da der Grossteil der Leute immer noch an der Küste war und wir somit im ganzen Haus nur zu siebt waren. Nachdem wir abends das Haus auf Vordermann gebracht hatten, haben wir dann beschlossen, anstatt selbst zu kochen lieber die Vorzüge eines chinesischen Restaurants zu geniessen. Wobei von Genuss dann doch nicht so viel zu sehen war. Die Atmosphäre bestand aus Mutter und Sohn, die sich ständig lautstark darüber „unterhalten“ haben, welches Essen an welchen Tisch kommt, aus dem vielleicht 12-jährigen Sohn, der uns völlig demotiviert und ehrlich gesagt auch ziemlich unfreundlich die Karten – ebenso wie das Essen – auf den Tisch geknallt hat, aus dreckigen Gläsern und zu guter letzt aus Cathys Bemerkung, dass sie das letzte Mal, als sie in diesem Restaurant gegessen hat, einen dicken Käfer im Essen hatte. Guten Appetit! :)

Nun ja, wir sind dann weiter, haben noch etwas getrunken, über die Pläne fürs nächste Wochenende gesprochen und sind dann auch wieder nach Hause. Am Montag Morgen hätten wir alle uns nichts sehnlicher gewünscht, als noch einen Tag frei zu haben. Aber es nutzte alles nichts, wir mussten los – schliesslich hatte ich ja diesem Landfrauenverein aus meiner comunidad versprochen (schon vor Weihnachten wohlgemerkt :) ), dass ich ihnen zeige, wie man Plätzchen backt.

Ich bin also in die Schule, wo meine beiden Lehrerinnen mich nach den Erzählungen über unseren „Wochenendausflug“ nun endgültig für verrückt erklärt haben. Nun ja, immerhin waren sie glaube ich froh über meinen Entschluss, zumindest in näherer Zukunft keine Berge mehr besteigen zu wollen :) .

Nach der Schule bin ich dann nach Hause gegangen und sass eine ganze Zeit mit meiner Oma vor unserem Haus und habe mit ihr geredet. Ich war irgendwie plötzlich wieder so traurig, dass das Jahr nun bald zu Ende ist. Sie meinte nur, ich soll doch hier bleiben. Und wie gerne würde ich das tun, aber so einfach wie sie sich das vorstellt ist es nun einmal nicht. Nun ja, ich hätte da noch stundenlang mit ihr sitzen können, aber ich musste ja zu den anderen Frauen.

Meine Oma hat mich schon vorgewarnt, ich solle schnell wieder zurückkommen, diese Frauen wären komisch, sie wäre auch mal in dieser Gruppe gewesen aber ganz schnell wieder ausgetreten. Und wie Recht sie behalten sollte… Aber dazu später. Ich bin also dorthin, wo ich als allererstes mit den Worten „Wir haben schon gedacht du kommst gar nicht mehr. Um drei Uhr hatten wir doch gesagt.“ – Äh, ja. Auch guten Tag. Drei Uhr hatte ich gesagt, da haben sie aber gesagt, besser um vier. Egal. Nun ja, ich bin also ins Haus rein und da sassen schon die ganzen Frauen und haben Brot gebacken. Nachdem ich dann eine ganze Weile dumm daneben gesessen hatte, sollten wir anfangen. Ich hatte Zutaten für eine Portion Plätzchen mitgebracht, wofür ich dann ganz komisch angeschaut wurde. „Was sollen wir denn mit den paar Plätzchen?“ – Ja, gut…wir können das auch gleich lassen. Das war echt der Hammer. Na gut, sie haben dann von irgendwoher noch mehrere Zutaten aufgetrieben und dann ging es los.

Als ich noch nicht einmal die Eier aufgeschlagen hatte stand die eine Frau schon mit ihrem Fotoapparat neben, vor und hinter mir und hat ständig geknipst. Dann kam eine andere mit Zettel und Stift und wollte das Rezept. Das habe ich ihr dann gesagt. Soundso viel Gramm davon, soundso viel davon… Die Reaktion:  Lachen. Dann: „Gramm… Kilo… was sollen wir denn damit anfangen. Das versteht ja kein Mensch. Kannst du das nicht in Pfund sagen?“ Ja, so ging das dann die ganze Zeit weiter… Voll unmöglich. Ich wollte schnellstmöglich wieder weg. Also habe ich, als die ersten Plätzchen aus dem Ofen waren, gesagt, dass ich jetzt gehen müsse. Vorher musste ich aber noch ein Brot und Colada morada trinken. Gut. Ich hatte also das Brot und die Colada und habe mich an den Tisch gesetzt, wo die anderen noch die Plätzchen ausgestochen haben. „Nein, nein, setz dich mal hier rüber ins Esszimmer.“ Ja, und da sass ich dann – ganz alleine – und wurde wieder tausendmal fotografiert. Dann kam zum Glück Maike und wir beide wurden fotografiert. Ich sage es euch, ich kann jetzt ziemlich genau nachvollziehen wie sich die Tiere im Zoo fühlen. Und es fühlt sich nicht wirklich gut an ;) . So haben wir uns auch relativ schnell aus dem Staub gemacht und ich habe beschlossen, von nun an nicht mehr dorthin zu gehen…

 1plätzchen 1.1plätzchen

Am Abend habe ich mich dann einmal daran gemacht, den nächsten Tag zu planen – Anitas Geburtstag. Das einzige Problem an der Sache war, dass ich mir gar nicht mehr sicher war, ob sie überhaupt an diesem Tag Geburtstag hatte. Also habe ich meine Oma gefragt. Und die Reaktion: sie schaute mich ganz entsetzt an und sagte “Ach wirklich? Das hat sie mir überhaupt nicht gesagt!”… Man bedenke, es war ihre Tochter, um die es sich handelte… Werte Eltern, ich informiere Euch hiermit offiziell über meinen Geburtstag in einem Monat und 30 Tagen ;) Am ende wusste aber zumindest China bescheid und zusammen haben wir die Überraschungsparty für den nächsten Morgen geplant.

Um 5 Uhr war es dann so weit. Der Wecker klingelt, ich schleiche4 mich die zwei Schritte vom Bett zum Kühlschrank, um die Kerzen auf den Kuchen zu stecken. Die Idee, den Kuchen im Kühlschrank zu lagen, um ihn vor Hunden, Katzen und Jimmy zu schützen ;) warauch nicht die beste, die ich je hatte, denn der Kuchen glich einem Felsblock :) . Anita war inzwischen draussen zum baden, wir alle standen im Esszimmer und als sie wieder nach drinnen kam, fingen wir an zu singen. Es war so lustig, wie sie da stand mit nassen Haaren und nur das Handtuch umgewickelt. Wir haben dann erst Kuchen gegessen, dann noch eine Riesenportion Reis mit Kartoffeln und sie hat sich so riesig gefreut… Vor allem darüber, dass ich sie eingeladen habe, mit uns allen im Juni nach Quito zum Fussballspiel Ecuador-Argentinien zu kommen. So sassen wir so lange zusammen, bis plötzlich alle aufsprangen, weil sie merkten, dass sie schon viel zu spät dran waren.

2geburtstag 3geburtstag 

Ich bin dann in die Schule gegangen, wo ich einen erneuten Versuch gestartet habe, während des Galgenmännchen-Spielens das logische Denkvermögen meiner Fünftklässler zu fördern. Mein Ziel war, dass sie erkennen, dass ein Wort mit 8 Buchstaben keinesfalls “rice” sein kann :) . Ja mehr oder weniger klappte das dann auch ganz gut. Nur einer von den vieren verstand das nicht, so dass er am Ende schon zehn Minuspunkte hatte. Dann wieder ein Wort mit vier Buchstaben. Er meldet sich. “Ich weiss die Lösung: RICE!” Ja, immerhin die Anzahl der Buchstaben stimmte. Leider stand an der zweiten Stelle ein “O”. Ein weiterer Minuspunkt. Weiter geht’s. Emerson ist an der Reihe. “Ein R” – “Wurde schon einmal gesagt. Gibt es immer noch nicht!” :) Dann wieder Dennis. “AAAAAHHHHHHH, jetzt weiss ich es! CORN!!!”

Ja, das Wort war übrigens “soup” und ich habe dieses Spiel dann doch lieber beendet und die Logiksache sein gelassen. Aber schön war doch immer wieder zu sehen, wie sehr er sich noch freute: “Wooooow, Señorita… Gucken Sie mal wie oft ich sterben kann!!!” :) hehe… Ach, wie werde ich meine Kiddies doch vermissen…

Am Nachmittag bin ich dann nach Otavalo gefahren, da ich eigentlich am Mittwoch Morgen hätte in Topo arbeiten sollen. Der Tag verlief eigentlich relativ ruhig. Als ich mich dann aber mit Anna für Mittwoch Morgen verabreden wollte, sagte sie, dass es in Topo keinen Unterricht gäbe und es daher nicht viel Sinn machen würde, wenn ich käme. So habe ich mich dann doch entschlossen, mit Sarahs und Cathys Schule zu dem Fussballturnier zu gehen, das für alle Schulen einer Zone stattgefunden hat. Dort waren wir dann auch mehr oder weniger den ganzen Vormittag, haben zugeschaut und Pläne für die Zukunft geschmiedet :) .

Am Donnerstag Nachmittag hatte ich versprochen, Stuart bei den letzten Vorbereitungen für das Fussballturnier von CieloAzul zu helfen. So sassen wir da, haben Äpfel, Bananen und Wasser in Massen gekauft und insgesamt 250 Sandwiches gemacht. Ich sage Euch, ich hatte danach garantiert keinen Hunger mehr :) .

4sandwiches

Am nächsten Morgen war es dann so weit. 6:00 Uhr – der Wecker klingelt. Es tut sich nichts. 6:10 Uhr – der Wecker klingelt wieder. Wir hören Stuart – sprich: er ist noch nicht einmal losgefahren, um in San Augustin die Tore zu holen. Wir beschliessen, dass es besser ist, lieber noch ein bisschen zu schlafen, denn aus unerklärlichen Gründen waren Annika und ich erst um 3 Uhr im Bett :) . 6:30 Uhr stehen wir dann doch auf – schliesslich dachten wir an den Cocktail, den Stuart uns versprochen hatte, wenn wir ihm helfen, alles gut geht und wir nüchtern dort auftauchen. Was denkt er eigentlich von uns??? ;) Unverschämtheit…

Nun ja, wir sind also mit dem ganzen Krempel in den Park gefahren, haben alles aufgebaut und die allerletzten Sachen organisiert. Um neun Uhr sollten sich die Schulen einfinden. Wie gesagt: SOLLTEN! :) In weiser Voraussicht hatte Stuart die ersten Spiele aber erst auf 10 Uhr gelegt. Es war gerade zwei Minuten nach neun (und man bedenke: wir sind hier in Ecuador), als plötzlich eine Frau wie von Hummeln gestochen über den Platz geschossen kam, wild gestikulierend mit dem Zeigefinger auf ihr Handgelenk hämmerte und die ganze Zeit irgendetwas von Pünktlichkeit schrie und davon, dass wir jetzt anfangen müssten. Ihr Traumberuf schien doch eher der eines Drill-Seargeants zu sein. Wir standen da, hatten weder eine Ahnung, wer diese Frau war, noch was sie wollte und was diese Lachnummer eigentlich sollte. Sie rastete nur weiter und weiter aus und auf unseren Einwand, dass ja noch gar nicht alle Teams da seien kam von ihr nur ganz abfällig “Oh, wie schade.” Hallo? Das war eindeutig zu viel des Guten. Ich sagte ihr, dass dies ein Fussballturnier und kein Militäreinsatz sei und dass sie ja gehen könne, wenn es ihr nicht passe. Wow, das sass… :) Daraufhin zog sie kochend vor Wut ab, aber nicht, ohne lautstark zu verkünden, dass sie wisse, wer ich sei und dass sie ein offizielles Schreiben an Cielo Azul schicken würde. Soll sie ;) . Ach ja, und ganz abgesehen davon würde sie überhaupt nicht mit mir sprechen, sondern nur mit Stuart, da er ja der Organisator des Turniers wäre – EBEN!!!

Wir fingen also pünklich und wie vorhergesehen um 10 Uhr an und es lief alles nach Plan. Ausser dem Spiel der Mädels von San Augustin gegen die Mädels aus Imbaburita. Das hatte Imbabura nämlich 1:0 gewonnen. Was aber in den Augen einer – ähm, nennen wir sie einmal etwas cholerischen Lehrerin aus San Augustín, die ich vorher schon näher beschrieben hatte, nicht der Wahrheit entsprach. Nachdem die 15 Minuten vorbei und das Spiel abgepfiffen worden war, kam Drill-Seargeantine zu Lorenz, der das Spiel gepfiffen hatte, und fing an mit ihm zu diskutieren: “Das war aber gar kein Tor” – “Äh, doch!” – “Aber ich habe das Spiel gesehen und viel mehr Ahnung von Fussball als ihr und es war kein Tor!” – “Aber ich bin der Schiedsrichter und ich sage, es war eins!” – “Ach ja, und um wieviel Uhr war das?” – “Keine Ahnung, ich habe ja noch nicht mal ‘ne Uhr an!” – “Sehen Sie! Dann war es auch kein Tor!”… Ja, ich lasse das jetzt mal unkommentiert ;) .

 

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na, überfordert mit der Arbeit???

na, überfordert mit der Arbeit???

 

Ansonsten verlief das Turnier bis auf kleinere Zwischenfälle echt super und das Finale war so spannend. Die Mädels aus Caluquí spielten gegen Tocagón, bei den Jungs standen La Rinconada und Pijal Alto im Finale. Und da meine Schule ja am Ende einfach gar nicht mehr auf dem Spielfeld aufgetaucht ist, sondern es vorgezogen hatte, im Schatten zu essen, war nun auch die letzte Chance auf einen Einzug ins Finale vertan. Also hielt ich aus geographischen Gründen zu Pijal Alto – Selanas Jungs waren jetzt auch meine :) . Und nachdem wir uns seitdem unser Theater vorüber ist nur noch sporadisch über den Weg laufen, war es auch wieder einmal ziemlich schön, sie alle wiederzusehen.

Und ich hätte ihnen den Sieg so gegönnt. aber alles Anfeuern von uns und den Mädels, die das sooooooo süss gemacht haben, hat nichts genutzt. Am Ende gewann doch La Rinconada. Und auch wenn ich es ziemlich schade fand, da die Jungs so traurig waren und in den ersten Minuten alles Trösten nichts half, haben Sarahs und Svens Jungs sich den Sieg doch verdient. Und nach einigen Minuten hatten wir auch die “Verlierer” davon überzeugt, dass sie nicht verloren, sondern den zweiten Platz gewonnen hatten und das wirklich super sei ;) . Trotz allem rollten dem ein oder anderen doch noch die Tränen über die Augen, als Annika und ich ihnen die Medaillen umhängten. Pobrecitos…  

Sport auf höchstem Niveau

Sport auf höchstem Niveau

 12Finale

Die Siegerehrung… Plötzlich fehlte eine Medaille… Irgendjemand hat sie während des Finales eingesteckt. Wie gemein. Und wieder hiess es trósten, versprechen, eine neue zu besorgen, eine Medaille von den Mädels ausleihen für das Foto und schliesslich noch die Danksagung an Stuart, der das ganze Turnier mehr oder weniger alleine organisiert hat und besonders am Donnerstag ziemlich fertig war… Aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt…

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Als das dann alles erledigt war, war es dann aber doch mit der Power vorbei. die Sonne, die Hektik und die Tatsache, den ganzen Tag immer und überall zu sein, hat uns allen glaube ich ziemlich zugesetzt. Um fünf hatten wir noch Reunión und danach lagen wir erst einmal im Zimmer und haben in den Betten gechillt ;) .

 

Da von uns Mädels wirklich keine dazu zu bewegen war, zu kochen, sind wir am Abend ins Bohemios gegangen und haben dort gegessen. Wir hatten noch nicht einmal unser Essen vor uns stehen, da kam schon der Anruf von Christian, wir sollten doch mal zur Tienda vom “burro” kommen, schliesslich müssten wir ja noch das Wochenende planen und wollten eigentlich an diesem Abend noch mit den Jungs in Ibarra weggehen.

 

Wir kamen also etwa eine Stunde sper dort an, wo wir uns erst einmal rechtfertigen mussten, weshalb wir eigentlich so spät kamen. Hallo??? Ersten haben wir gesagt, dass wir noch essen müssen, zweitens, dass wir uns “ya mismo” auf den Weg machen und last but not least: Ihr seid Ecuadorianer, stellt euch mal nicht so an!!!! :) Ach ja, da kam dann noch dazu, dass wir so oder so noch gar nicht loskonnten, da Pablo die Schlüssel vom Auto hatte und noch irgendwo irgendetwas zu erledigen hatte. Also sassen wir ein bisschen da und sind dann nebenan in eine Karaokebar gegangen (hey, neuer Rekord für Annika und mich: 96,63 %!!! Yeah!). War eigentlich echt witzig, zumindest so lange, bis plötzlich das Licht anging und fast eine ganze Polizeieinheit in besagter Bar stand, um die Ausweise zu kontrollieren. ähm…ja, ähm…der ist wohl im Haus… Tja, in solchen Fällen hilft es halt doch immer wieder, blond zu sein ;) . Aber selbst wenn sie uns mitgenommen hätten, hätten wir ja immer noch Kryzstofs Nummer gehabt ;) .

 

Gut, die Bar war plötzlich ziemlich leer und da es hiess, dass solche Kontrollen an diesem Abend in der gesamten Provinz gemacht würden, hielten wir es für besser, erst einmal nach Hause zu gehen und unsere Ausweise zu holen. Wir sagten also, dass wir gleich wiederkämen und gingen los. Kaum waren wir auf dem Rückweg rief Pablo an, dass er jetzt in der Bar sei. Cool. Auf geht’s nach Ibarra. Gedacht. Als wir nämlich wieder in der Bar ankamen (wir waren wohlgemerkt höchstens 30 Minuten weg!) sass da zwar Pablo, dafür war von den anderen weit und breit keine Spur. Urplötzlich war auch kein einziger mehr zu erreichen. Und so sind wir dann nicht nach Ibarra gefahren, sondern kurze Zeit später nach Hause gegangen.

 

Mit der Tatsache, dass die anderen Jungs auch nicht mehr aufgetaucht sind, war dann auch der Plan gestorben, ausfühlich über Abfahrtszeit, Abfahrtsort und Ziel unseres Wochenendausflugs zu reden. Irgendwann hiess es mal 11 Uhr am Samstag Morgen… Ja, aber ernst genommen hat das niemand von uns. Wir sind also am Samstag Morgen aufgestanden, haben gefrühstückt und noch die restlichen Punkte auf der To-Do-Liste abgehakt und wären dann so weit gewesen. Aber von den Jungs immer noch keine Spur.

 

Also haben wir beschlossen, wenn sie sich bis Mittag nicht melden, alleine loszufahren, da wir nicht wieder das ganze Wochenende in Otavalo herumsitzen wollten. Irgendwann haben wir dann tatsächlich jemanden erreicht. “Ja, wir sind hier gerade am Essen.” – “Ja, also wir würden dann jetzt losfahren.” – “Ja, wie wollt ihr denn da hin kommen?” – “Ja, mit dem Bus?!?!” – “Ya vamos, ya vamos.” Dann wurde aufgelegt. Was das “Wir gehen” genau heissen sollte, wusste weder Annika noch ich. Aber wir haben beschlossen noch mal ein bisschen zu warten. Irgendwann kamen sie dann tatsächlich, aber nur, um uns zu sagen, dass sie nicht fahren, da Mote am nächsten Tag arbeiten müsse und um dumme Sprüche zu klopfen. Aber nicht mehr mit uns ;) . Wir haben nämlich felsenfest verkündet, dass wir jetzt alleine mit dem Bus fahren würden, auch wenn sie behaupten, dass es keine Busse gäbe. Tja, und plötzlich hiess es dann “Ja, wartet. Wir kommen gleich. Wir gucken mal, ob wir nicht das Auto von meinem Cousin nehmen können.” – Lo que sea… :)

 

Sie riefen dann tatsächlich an und sagten, es geht alles klar und sie würden dann gleich kommen. Um 14 Uhr sassen wir dann alle im Auto – 3 Stunden später als geplant, aber gut. Und wenn ihr jetzt denkt, dass wir dann auch gleich losgefahren wären, habt ihr euch getäuscht. Dann musste erst einmal ein Topf geholt werden, um hervidos zu machen. Dann musste noch der sein Zeug holen und der sein Zeug, dann natürlich: nicht zu vergessen: Trago besorgt werde und um kurz vor 3 waren wir dann tatsächlich auf der Pana. Rekord!!! :)

 

Ja, die Fahrt ging erst einmal ein Stück auf der Pana bis nach Cayambe. Dort wurde dann angehalten. Wir dachten schon, jetzt müssen sie erst mal wieder essen. Aber nein, da wurden dann Batterien gekauft für die Boxen, aus denen schon vorher komische Lieder kamen oder könnt ihr euch vorstellen “boulevard of broken dreams” und “wonderwall” zu mixen? War ziemlich strange, und Annika und ich waren beim Mitsingen dann echt überfordert, denn immer, wenn wir gerade wieder in “wonderwall” drin waren kam wieder Greenday… Ich habe es dann aufgegeben und meinen MP3-Player gehört ;) . Noch schnell ein paar Bizcochos gekauft und weiter gings. Zum Äquatordenkmal und dann in einen Feldweg. Ab dort wurde es dann medio-gefährlich, denn der Weg war steil, das Auto alt und der 2. Gang ging nicht rein und es bestand akute Gefahr, dass das Auto sich überhitzt wenn man 3 Stunden lang im ersten Gang Vollgas gibt.

 

In einem dieser Momente, wo das Auto wieder drohte, stehenzubleiben, kam dann auch die Frage nach dem TÜV auf. Ich fragte, ob es so etwas hier gäbe. Daraufhin hiess es “Ach, das Auto ist Top. Da muss nur mal ein bisschen neue Farbe dran und dann sieht das aus wie neu, dann ist das mit diesen Checks alles kein Problem…” Aaaah, ja… :) Glücklicherweise leben wir schon eine ganze Zeit lang in diesem Land und sind diese Mentalität gewohnt. Wir haben uns nämlich köstlich bei der Vorstellung von Touristen in diesem Auto auf diesem Weg amüsiert ;) .

 

Eine ganze Weile ging das noch ziemlich gut – wenn man einmal von den 4 mal absieht, an denen das Auto einfach ausging und dann wieder angeschoben werden musste. Das Problem mit dem zweiten Gang bestand immernoch. Aber weiter ging’s. Irgendwann kam dann Rauch aus der Motorhaube. Die Reaktion: “Ooooooooooh, guck mal, Rauch!!!” und weiter ging die Fahrt. Hallo??? Wie wäre es mal mit Anhalten? Ach, wozu… Irgendwann wurde der Rauch dann aber so schlimm, dass man kaum noch etwas sah und so waren wir gezwungen, anzuhalten. Alle Mann raus, gucken, was los ist. Pablo schraubt den Deckel von dem Kühlwasserbehälter ab – das KÜHLwasser kocht! “Jemand Kaffee oder Tee???” Gut ist, wenn man den Humor nicht verliert ;) . Ich meine, wir standen nur irgendwo mitten in der Pampa, es war fast 17 Uhr und würde gleich dunkel werden, das nächste Haus war ewig weit weg und von Oyacachi noch weit und breit keine Spur. That’s Ecuador… immer schön ruhig bleiben, irgendwie klappt immer alles.

 

Eine halbe Stunde später versucht Pablo irgendeinen anderen Deckel abzuschrauben, der daraufhin wie eine Rakete gegen die Motorhaube und dann wieder runterzischt. “Wooooooooooooooooooooow!” Lachen… Langsam kommen mir die Bilder von Annikas und meiner Autopanne im November wieder in den Kopf. Ich sage zu ihr: “Also, wenn die jetzt sagen, wir sollen hier bleiben und auf das Auto aufpassen dann können sie das gleich mal vergessen. Hier kommen wir nämlich nicht so einfach wieder weg!” :) Der Fahrersitz wird umgeklappt und aus dem Zwischenraum darunter kommt eine ganze Kfz-Werkstatt heraus. Sie scheinen dieses Problem also zu kennen ;) . Wie beruhigend. Im Laufe der Zeit kriegen wir heraus, dass irgendeine Platine gebrochen ist. Super … Glücklicherweise zeigt sich gerade der Cayambe ohne Wolken, so sind wir eine Zeitlang damit beschäftigt, uns zu überlegen, warum das so schwer sein soll, da hoch zu klettern… Sieht gar nicht so schwer aus. Mist, vielleicht will ich doch noch auf den Cotopaxi. Ach nee, doch nicht… Oder??? :)

 

Die Jungs haben inzwischen schweres Gerät an den Tag gebracht. Einen Holzklotz, Draht und den Gürtel eines Bademantels. Ich weiss nicht, wer auf diese Idee gekommen ist, das Auto so reparieren zu wollen. Aber dem gehört ein Preis verliehen, denn um kurz vor 6 hiess es plötzlich: “Wir fahren weiter!!!” Was??? Ja, egal. Cool… Wir sind also wieder eingestiegen und kaum ging es los dröhnte es aus den Boxen “Hope of deliverous” :) Ja, was für ein Omen sollte das wohl sein?

 

Langsam verspürten wir aber keine grosse Lust mehr, weiter in dem Auto zu sitzen. Da fing es dann an: “Ya mismo llegamos”… Ohje…das konnte nichts gutes heissen ;) . Egal, das hatten wir uns selbst eingebracht. Übrigens kamen sehr wohl Busse, und jedesmal, wenn wir einen sahen, konnten wir uns die blöden Sprüche von neuem anhören. Die Reparatur war übrigens erfolgreich. Wir fuhren los und dann kam von einem der Jungs: “Also nach Oyacachi schaffen wir es so auf alle Fälle! Da gibt es einen Mechaniker!” Als wir etwa eine halbe Stunde unterwegs waren kam dann “Ach, was. Das hält so gut, da brauchen wir gar nichts dran machen. So kommen wir auch noch bis nach Otavalo zurück!” Wie heisst es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt? ;) Wahrscheinlich kommen wir am Wochenende zurück und der Bademantelgürtel hängt immer noch in der Motorhaube ;) .

 

Ja, so ging es noch eine ganze Weile, ecuadorianische 10 Minuten können sich bis zu einer Stunde herauszögern :) . Aber irgendwann kamen wir dann doch in Oyacachi an. Und? Erst mal essen. Das wäre auch nicht gegangen, wir haben ja schon das Mittagessen ausfallen lassen :) . Die Spezialität: Forelle. Dumm nur, dass es in dem “Restaurant”, also der Holzhütte mit Gasherd und Kiosk im Speisesaal :) , nicht einmal Reis gab. Also weiter suchen. Da haben wir dann tatsächlich noch etwas gefunden. Allerdings dauerte es eine halbe Stunde, bis wir essen konnten, und so haben wir beschlossen, schon einmal die Sachen in das Schwimmbad, in dem wir auch zelten wollten, zu bringen. Da war aber die Türe verschlossen, also sind wir gleich wieder zurück und haben dort noch ein wenig gewartet.

 

Aber auch als wir nach dem Essen zurückkamen, war die Türe verschlossen. Ich meine, mittlerweile war es schon fast neun Uhr abends. Kein Wunder. Irgendjemand lief da und ich weiss nicht warum, aber auf alle Fälle wurde der Mann gefragt, ob wir einfach über den Zaun klettern und morgen zahlen könnten. “Ja, ja, macht mal!” Gesagt, getan. Wobei, so einfach war das nicht. Die Türe führte nämlich direkt auf eine Brücke, die auf beiden Seiten mit Maschendrahtzaun verschlossen war. Also in einer Reihe festklammern und die Rucksäcke erst mal auf die Brücke befördern. Danach wir. Irgendwie ging das auch mehr oder weniger gut ;) .

 

Drinnen angekommen war ich erst einmal ziemlich erstaunt. Es war eine so schöne Anlage, mit keine Ahung wie vielen Pools, dann konnte man noch runter zum Fluss und im Fluss baden, es gab ein Haus mit Grills und sogar so etwas wie cabañas. Und wir waren ganz alleine ;) Erst mal in die Hütte und dann fingen die Diskussionen an. Okay, jetzt wird es selbst für ecuadorianische Verhältnisse seltsam: da wollten sie doch tatsächlich die Zelte IN der Hütte auf den Betonboden stellen. Sorry, Jungs… aber das ist nun wirklich kein Zelten. “Wir stellen doch nicht die Zelte in ein Haus?!” – “Warum denn nicht?” – “Ja, weil das kein Zelten ist!” – “Ja, wo wollt ihr die Zelte denn sonst aufstellen?” – “Auf der Wiese?!?!?!”

 

Wir haben dann einfach beschlossen, unser Zelt auf alle Fälle auf die Wiese zu stellen, egal was sie sagen und sind einfach mitsamt unserem Zelt los. Dann kamen uns auch alle hinterhergedackelt und irgendwie hatten wir das Gefühl, sie haben noch nie in ihrem Leben ein Zelt aufgebaut. “Guck mal, hier ist doch gut!” – “Nein, hier ist nicht gut! Hier ist kein Platz, das reicht nicht für unser Zelt und ausserdem ist hier voll der Hang!” – Lachen – “Wie gross ist denn euer Zelt?” – “Es ist halt ein 6-Mann-Zelt!” Schon da merkten wir, dass sie keine grosse Hilfe sein würden ;) . Und das sollte sich dann im weiteren Verlauf der Aufbauaktion auch nur noch bestätigen. Anstatt zu helfen standen 4 Jungs umher und guckten uns 2 Mädels zu, wie wir das Zelt aufbauen. Und dann noch die Kommentare “Wow, guck mal, Mote, da kannst selbst du drin stehen!” Wir haben dann beschlossen, das doch lieber ohne deren Hilfe und Kommentare zu machen und sie ins Haus geschickt, wo sie schon mal den Trago heissmachen sollten… Das konnten sie wenigstens ;) .

 

Kurze Zeit später standen dann die Zelte und wir sind auch zum Haus gegangen, wo die Kommentare von neuem anfingen “Seid ihr schon fertig?” – “Ja, wir haben ja kein Haus da hingestellt sondern nur zwei Zelte!” – “Ja, da müssen wir erstmal gucken, ob das auch alles so passt…” Lasst es lieber, Jungs ;) .

 

Dann kam da noch ein kleines Problem. Eine andere Gruppe. Also die Gruppe wäre nicht das Problem gewesen, wäre da nicht der Eigentümer der Anlage dabei gewesen, der natürlich nicht wusste, dass wir da drin sind und es auch nicht wirklich gut fand, dass wir einfach über den Zaun geklettert sind. Aber nach einer Weile hat er sich dann doch wieder beruhigt, wir haben bezahlt und durften bleiben ;) . Inzwischen war auch der Trago heiss, wir haben in der Hütte gesessen und getrunken, das aber schon bald als ziemlich ungemütlich empfunden und sind dann mit dem ganzen Zeug ans Wasser umgezogen, was zunächst einmal angenehmer war, auf Dauer aber auf Grund der 45ºC Wassertemperatur ziemlich nervig wurde, denn im Wasser war es zu heiss, draussen zu kalt. So war es ein ewiges Hin und Her. Aber lustig war’s ;)

 

Und vor allem haben wir wieder einmal festgestellt, wie abgehärtet wir doch inzwischen sind, was Schlafplätze angeht, denn im Zelt zu schlafen ist wohl nicht die komfortabelste Möglichkeit, aber trotz allem haben wir geschlafen wie die Babies ;) Was vielleicht auch ein bisschen an den Getränken liegen mag… :)

 

Am nächsten Morgen bin ich dann aufgewacht, weil draussen schon voll die Hektik war. Es war gerade sieben Uhr und trotzdem sollten wir sofort aufstehen und am besten in 10 Minuten schon im Auto sitzen und losfahren. Wenn sie mal bei der Abfahrt so eine Hektik an den Tag gelegt hätten. Ich habe mir das eine Zeit lang angeguckt, dann aber beschlossen, auf keinen Fall schon aufzustehen und mich wieder in meinen Schlafsack verkrochen :) . Irgendwann konnten wir uns aber dann doch nicht mehr wehren und so haben wir alles zusammengepackt und sassen – ohne Frühstück wohlgemerkt – wieder im Auto auf der Heimfahrt. Gott sei Dank hatten wir mit Brötchen vorgesorgt :) Tja, Annika…wir sind halt einfach die Besten.

 

Die Fahrt war etwas weniger aufregend, dafür genauso beengt und lang. Als wir endlich wieder auf der Pana waren konnte man wenigstens ein bisschen schlafen. Also, man hätte schlafen können, hätte man nicht alle 2 Minuten zu hören bekommen “wir sind da!”. Das war schon leicht nervig, genauso wie die ganzen Kommentare über jeden einzelnen Bus, der an uns vorüberfuhr… Aber es war auf alle Fälle superwitzig und ich glaube, keiner von uns hat es bereut, mitgefahren zu sein ;) . Fotos davon gibts übrigens ab Freitag oder Samstag unter www.annika-in-ecuador.de.vu

 

Als wir wieder in Otavalo waren und zur Tür reinkamen hiess es nur “Achtung!” und “Pssssst!”… Ich fand das schon merkwürdig, aber gut… Wir haben also unser Zeug abgestellt und als wir wieder zurückkamen in die Küche meinte Selana zu mir “Und der Kuchen, der da auf dem Tisch steht, ist für dich zum Muttertag weil du wie unsere Hausmama hier bist!” Oooooooooooooooh, neee, wie süss… Von Anneke hatte ich schon am Freitag einen ganz süssen selbstgebastelten Stern mit Foto bekommen… Mädels, ich liebe euch!!! Was soll ich nur ohne euch in Deutschland machen?

 

Wir haben erst mal auf dem Balkon gesessen und gequatscht. Dann etwas gegessen (auch die Torte natürlich!!! Ganz arg lecker ;) ) und sassen dann eigentlich den ganzen Tag ziemlich erschöpft herum. Abends kam dann Selana aus der comunidad wieder und sie hat mir so leid getan… Sie kam schon mit Tränen in den Augen zur Tür hinein und als ich sie fragte, was denn los sei meinte sie nur “ach, mir geht es diese Woche genauso wie es dir letzte Woche ging! Ich habe realisiert, dass wir nur noch 4 Wochen in der Gemeinde haben und dabei will ich doch gar nicht hier weg…”  Oh nein, nicht schon wieder. Wir sassen dann draussen und das Ende vom Lied war, dass wir alle geweint haben. Aber: wir kommen zurück. Alle zusammen. Für immer :)

 

Aber krass ist das schon. Man kommt hier her. Alles ist fremd, vieles komisch. Dann lebt man ein Jahr lang hier und es ist ein Zuhause, man hat jetzt statt einer drei Familien, eine in Deutschland, eine in der comunidad und eine im Haus. Und alles ist einfach so schön und so einfach… Verrückt eigentlich. Aber das ist wohl das Leben.

 

Nachdem unsere Depriphase mal wieder vorüber war haben wir gegessen und dann wollte ich eigentlich auch bald schlafen gehen, da ich immer noch ziemlich müde war. Tja, aber wie wir dann wieder so schön auf dem Balkon sassen, Lorenz seine Flasche Wein dabei, war das dann wohl doch nichts. Aber es war auch zu lustig, auf was für Ideen man so kommen kann, wenn man einfach nur Blödsinn redet… Am Ende glich das ganze dann einer ziemlich improvisierten Komödie. Ein Mädchen will ihrem Freund “Gute Nacht” sagen, was aber nicht geht, weil ein anderes Mädchen direkt daneben steht und sie beobachtet. Bei Klappe, der 5. hat es dann geklappt. Dann sind alle drei in unterschiedliche Zimmer gegangen. Hatte ein bisschen was von den Waltons. Ich sag es euch, dieses Leben im Haus ist besser als jede Telenovela. Aber das ist auch gut so… :) Wir wissen, dass wir ein ziemlicher Chaoshaufen sind, aber wir  wollen das auch gar nicht anders haben…

 

Und zum Schluss: Eine persönliche Widmung an Maikes Mom & Dad!

DANKE FÜR MAIKES PAKET!!! Ich werde persönlich darauf achten, dass Maike alle Vorbeugungsmassnahmen bezüglich der Schweinegrippe vornimmt… Aber trotz allem:

DAS

89Schweinegrippe

ist vielleicht ein klitzekleines bisschen übertrieben :) . Denn HIER

90cotacachi

ist die Welt noch in Ordnung ;) .

Verfasst von: pijalsanpedro | Mai 3, 2009

Iliniza – und ich dachte, ich sterbe…

Wieder einmal hiess es letzten Mittwoch “Ayudemeeee”. Unsere Schule hatte eine Einladung nach Tabacundo bekommen, um dort verschiedene didaktische Materialien abzuholen. Um 11 Uhr sollten wir da sein, haben aber beschlossen, schon früher zu fahren, um sicherzustellen, dass wir die ersten sind und dementsprechend früh wieder zurückfahren können. Die Idee war gut, ging nur leider nicht ganz auf.

Ich bin also mit Señorita Lidia und vier Kindern unserer Schülervertretung um 9 Uhr losgelaufen. Unterwegs habe ich ihr von unserem Cotopaxi-Vorhaben erzählt, was eine riesige Bestürzung in ihr auslöste. “Nein, geht da nicht hoch. Bitte!!!” – “Wieso nicht?” – “Das ist gefährlich! Ich habe schon von so vielen Unfällen gehört und von so vielen Leuten, die sich verlaufen haben!” Ja gut… Lassen wir das Thema lieber. Wir sind also an der Pana angekommen und in den Bus eingestiegen, um nach Tabacundo zu fahren. Und wie eigentlich immer in Quito-Bussen lief auch in diesem ein Film. Diesmal war es aber weder Rambo noch Jackie Chan noch Saw I – IV, sondern irgendein Bergsteiger-Film. Passte wie der Arsch auf den Eimer :) . Noch besser passte, dass etwa zwei Minuten nachdem wir eingestiegen waren, einer der Bergsteiger in eine Gletscherspalte fiel. Gleich tippte Lidia mich an und meinte: “Siehst du? So seht ihr dann dort oben auch aus. Geht da lieber nicht hoch!”. Ja, das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, ihr nichts mehr über geplante Bergbesteigungen zu erzählen :) .

Etwa um viertel nach 10 waren wir also in Tabacundo, waren die Ersten und haben uns schon gefreut, gleich wieder gehen zu können. Tja, da hatten wir uns zu früh gefreut. Denn der zuständige Mitarbeiter war noch gar nicht da. Also machten wir das, was Ecuadorianer am Besten können: warten… :) . Irgendwann gegen kurz nach 11 kam er dann und schon huschte wieder ein Lächeln über unser Gesicht – was aber auch gleich wieder verschwand, als er uns mitteilte, dass eine feierliche Überreichung mit Reden, Musik und: ALLEN ANDEREN SCHULEN (16 an der Zahl), von denen jedoch weit und breit noch nichts zu sehen war, geplant war. Wie gesagt: Ecuadorianer haben das Warten erfunden :) . In diesem Moment haben wir dann auch einheitlich beschlossen, nie wieder zu früh zu einer Reunión etc. zu kommen.

Um halb 12 (man bedenke, dass es eigentlich schon um 11 Uhr anfangen sollte) wurde dann einmal angefangen, ganz gemütlich alles aufzubauen, camionetas mit Lautsprechern und ganzen Audiosystemen kamen angefahren (wobei ich mich ernsthaft fragen musste, wie diese ganzen Sachen heil dort ankamen, denn spätestens, als ein Fahrer fast eine ganze Kabeltrommel überfahren hätte, was nur durch einen Schrei meinerseits haarscharf verhindert werden konnte, woraufhin er versuchte, sich aus der Zwickmühle wieder herauszubugsieren, wobei er aber leider mit der Vorderseite des Autos “ganz leicht” ein Garagentor knutschte, war mir klargeworden, dass deren Führerscheinprüfung – sofern selbige überhaupt existiert – wohl schon einige Zeit zurückliegen musste :) .

Nun ja, irgendwann war dann alles aufgebaut und auch der Grossteil der Schulen anwesend. Es konnte losgehen. Anhand der Schule von San Augustín de Cajas wurde beispielhaft die gesamten Materialien übergeben (natürlich nicht, ohne vorher einige schwungvolle Reden zu halten :) …hehe…). Das ganze war wirklich etwas übertrieben. Es war ungefähr so, als würde man mit etwa 40 Mann eine Garagenparty feiern und zum Bier bestellen ein Mikro nehmen, was an einen Regler mit etwa 6 riesigen Boxen angeschlossen ist. Aber gut :) .

Nachdem die ganze Zeremonie vollbracht war, musten alle im Büro unterschreiben und sich anstellen, um die Materialien entgegenzunehmen. Alle ausser San Augustín natürlich…Die hatten ja das grosse Glück, alles einfach vom Hof einladen zu können. Wir mussten dann wieder eine geschlagene Stunde warten. aber das hat sich am Ende auch gelohnt. Wir bekamen eine Riesenkiste mit tausenden Rechenlern-, Spanisch- und anderen didaktischen Spielen, zwei Mülltonnen, Handschuhe (“damit die Kinder vom Müllsammeln nicht krank werden”…wenn der wüsste, was sie sonst so anfassen und essen :) ), Besen, Bleistifte, Taschen und: einen riesigen Metallschrankt. Hatte ich erwähnt, dass wir mit dem Bus gekommen waren und eigentlich auf die gleiche Art wieder zurückkehren wollten???

Ja, die Heimfahrt fand dann doch per camioneta statt. Und war ein Wunderwerk des Wahnsinns. Alles wurde verstaut, Kinder hinten drauf, ich vorne rein und los ging’s. Vielleicht 200m. Dann Schreie von hinten: “Schrank fäääällt!” Wir halten an und gehen nach hinten. Und da traute ich meinen Augen nicht. Es widerspricht von vorneherein jeglichen Gesetzen des richtigen Beladens eines Autos, den Schrank hochkant auf die Ladefläche eines Pick-ups zu stellen. Noch weniger, wenn man vorhat, it dem Schrank auf der der Ladefläche, der wohlgemerkt etwa zur Hälfte übersteht, bei Gegenwind über die Pana zu heizen. Und am allerwenigsten, wenn der Schrank an keiner einzigen Stelle befestigt ist. Tja, einen Versuch war’s wert. Ging nur leider in die Hose :) .

Aber der camioneta-Fahrer hatte eine glorreiche Idee: wir binden den Schrank fest! Gute Idee!!! Dumm nur, dass das einzige, was wir zum Festbinden dabeihatten ein etwas dickeres Garn war, was ich normalerweise dazu verwende, Bilder von meinen Kids in der Schule an der Decke aufzuhängen. Nun ja, von physikalischen Kräften schien besagter Fahrer so oder so noch nie etwas gehört zu haben, denn anstatt den Schrank oben festzubinden wurde selbiger etwa 30cm über dem Boden mehr oder weniger (eher weniger) professionell befestigt und ich als weitere Stütze hinten auf die Ladefläche verfrachtet. Irgendwie kamen wir dann auch heil an der Schule an, aber es war bei Weitem nicht die bequemste Fahrt, die ich je erlebt habe.

Am Freitag Morgen hatten wir dann wieder grosse Reunión. Ein weiterer Monat ist vorbei und so langsam werden wir alle sentimental. So kam es dann auch, dass ich da sass und mir plötzlich während einer Präsentation mit Fotos von uns, unseren Gemeinden und Familien die Tränen kamen, weil mir immer mehr bewusst wird, dass ich hier eigentlich gar nicht mehr weg möchte. Nachdem ich meine Depristimmung dann ein wenig mit Anneke geteilt hatte, haben wir uns darangemacht, schon einmal die Sachen für den Abend vorzubereiten. Grillparty… Und der Spruch des Abends war: “Ich weiss nicht, aber irgendwie gehört zum Grillen einfach ‘n Bier!” :)

So sassen wir dann eine ganze Weile und es war auch echt witzig, bis plötzlich Martha wieder auftauchte. Also eigentlich war es nur die Hand von einem unserer Übermieter, die neuerdings in Marthas Wohnung wohnen, aber in dieser Situation war es echt erschreckend, wie diese Hand und der Schatten da plötzlich einfach auftauchten :) . Aber lustig war’s trotz Allem.

Am Samstag Morgen war es dann endlich soweit: das Pech, das über dem Essen geschwebt hat, hat sich verzogen ;) – Pacha Manka, das Essen in der Erde. Um halb 10 morgens wurden wir abgeholt und sind nach Agato (zu den gemeingefährlichen Sandfliegen) gefahren. Dort haben wir erst einmal barfuss in einem Feld gestanden, um Kontakt zur Erde aufzunehmen und zu sehen, wo unser Essen herkommt. Anschliessend wurde ein Loch gegraben und Steine aufgeschichtet, über denen ein Feuer gemacht wurde.

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In der Zwischenzeit wurde das gesamte Essen vorbereitet, Kartoffeln gewaschen, Bohnen sortiert, Knoblauch geschält, Hühnchen geschnitten und in Krautblätter eingewickelt. Als wir damit fertig waren, wurden die heissen Steine aus dem Feuer geholt, in einer rituellen Zeremonie mit Blättern von der Asche befreit und in das Loch gelegt. Dann folgten Kartoffeln, wieder Steine, Mais, Steine und so weiter und so fort. Am Ende wurde ein Tuch über das Loch gelegt, Pacha Mama für ihre Ernte gedankt und alles mit Erde bedeckt. Dann hiess es warten. Etwa eine Stunde später war alles fertig, wir konnten (endlich, denn in der Zwischenzeit hatten wir Riesenhunger :) ) essen. Und es war superlecker. Das mache ich in Deutschland auch mal nach ;) .

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Am frühen Nachmittag ging es wieder zurück und kurze Zeit, nachdem wir in Otavalo angekommen waren, sassen wir, also Maike, Annika und ich, schon wieder im Bus nach Quito, denn am nächsten Morgen wollten wir Manu vom Flughafen abholen und das wollten wir gleich einmal mit einer Shoppingtour im Condado verbinden. Wir sind also nach Quito gefahren und waren im Megamaxi und dem ein oder anderen Lädchen, wo wir uns unter anderem den Luxus einer $ 3 teuren Ritter Sport Joghurt-Schokolade gegönnt haben :) . Danach wollten wir mit dem Bus in die Mariscal fahren, standen eine ganze Weile an der Bushaltestelle, aber es kam kein Bus mehr. So haben wir den Mann, der da auch noch herumstand und wartete gefragt, und er sagte, es gäbe anscheinend keine Busse mehr wegen des „ley seca“, aber wir könnten uns ein Taxi zum MetroBus-Terminal teilen. Er müsse auch in die Richtung, würde uns etwas dazu geben und dann früher aussteigen. Das haben wir dann getan, aber dieser Typ war irgendwie ziemlich komisch, denn er ist nicht vorher ausgestiegen, sondern mit uns zum Terminal gefahren, hat uns dafür dann einen Dollar gegeben (anscheinend war Rechnen nicht seine Stärke, denn das Taxi kostete insgesamt nur 1,50 und wir waren ja noch zu dritt, aber gut :) ). Am Terminal angekommen meinte er plötzlich „Wollt ihr keinen neuen Freund haben?“ – „Was?“ – „Wollt ihr keinen neuen Freund haben?“ – „Hä?“ – „Wollt ihr keinen neuen Freund haben?“ – „Ääh, nein!“ – „Also, ich bin plastischer Künstler hier in Quito, mache das und das und das!“… Lieber schnell weg… hehe… also sind wir abgehauen zum Ticketschalter, wo es wieder hiess, es gäbe keinen Metrobus mehr. Da haben wir dann glücklicherweise einen anderen Mann getroffen, der auch in die Mariscal fahren wollte und uns sagte, er würde uns den Weg zeigen. Gott sei Dank, denn schon wieder tauchte unser „neuer Freund“ auf :) .

Nun gut, die Fahrt war etwas kompliziert (wir mussten irgendwie noch dauernd umsteigen) aber auch ziemlich witzig. Und nachdem wir im Bus auf Grund des leicht rasanten Fahrstils des Busfahrers auf einigen Füssen gestanden, auf mehrere Leute draufgefallen und Maike sich aufgrund der Duftnote „cocos“ eines Passagiers in ihre Kindheit zurückversetzt fühlte, da sie mal ein Kindermädchen hatten, das in Jamaica gelebt hatte und genauso roch, aber schon bald von Maike und ihrem Bruder aus dem Haus gejagt wurde, da es bei Rot über die Ampel ging (Marga, wie um Himmels Willen konntest Du so etwas zulassen??? :) ) kamen wir dann doch noch am Ziel unserer Reise an: Pizza-Hut in der Mariscal.

Hier wollten wir eigentlich den leckeren Salat essen, den die Mädels dort das letzte Mal gegessen hatten. Leider war Maike die einzige, die dabei war und diesen Salat schon einmal gegessen hatte (ich war da zwar auch dabei, hatte mich aber mit Lucas doch lieber für eine cheesy-crust entschieden ;) ). Und bekanntlich ist Maike, was das Merken von Namen und so etwas geht, nicht gerade die Beste. So bekamen wir dann einen Salat, auf dem die Hälfte der Zutaten fehlte, die wir eigentlich haben wollten und der auch so nicht so der Hammer war, da die Hauptzutat der Salatsosse aus dem uns verhasstesten Kraut bestand: Koriander! hehe… Nun ja, wir haben also gegessen und sind dann ins Hostal gegangen.

Am nächsten Morgen waren wir schon gegen sieben Uhr am Flughafen, alles verlief planmässig, kurze Zeit später kam Manu dann auch und wir haben uns auf den Weg nach Otavalo begeben. Oh man, ich kann es noch gar nicht glauben, dass mein Bruder jetzt hier ist… Aber es ist so cool :) Und ich glaube, ihm gefällt es auch ziemlich gut bis jetzt… Wieder in Otavalo angekommen haben wir erst einmal gefrühstückt, sind ein wenig durch die Stadt und über den Markt gelaufen und haben den Rest des Tages mehr oder weniger gechillt im Haus verbracht. Abends gab es dann leckere Spaghetti mit Pesto, die Manu mitgebracht hatte (DANKE!!!!!). Danach haben Annika und ich uns in Celias Bergführer vertieft, denn am nächsten Wochenende wollten wir ja mit Christian und seinen Freunden unser nächstes Projekt angehen: der Iliniza Norte… 5200m. Der Übungsberg für den Cotopaxi. Immerhin war ja auch der 1. Mai und da wird ja bekanntlich jedes Jahr gewandert (okay, später würde ich meinen Entschluss noch leicht bereuen, aber egal :) ). Dann sind wir aber auch relativ bald schlafen gegangen.

Am Montag nachmittag bin ich wieder nach Otavalo gefahren um mich dort mit Manu zu treffen, da er auch mit in die comunidad wollte. Wir wollten dann gegen drei Uhr nachmittags mit Joëlle nach Pijal fahren, da Cielo Azul ein Treffen mit allen Eltern und Lehrern hatte, um ein wenig über deren Arbeit zu erzählen. Dabei wollten wir auch noch Kuchen verkaufen, den wir am Wochenende gebacken hatten. Leider kam Joëlle erst gegen fünf, so dass wir erst um halb sechs dort ankamen und besagtes Treffen sich schon dem Ende zuneigte. Wir sind dann kurz nach Hause, um Manu das Haus zu zeigen, und als wir zurückkamen liefen uns die ganzen Leute schon entgegen. Einige waren aber doch noch da, so dass wir dann noch insgesamt zwei Kuchen losgeworden sind. Einer davon ging allein an meine Direktorin, damit sie „heute Abend nichts mehr kochen muss!“ :) . Anschliessend sind wir dann nach Hause, haben gegessen, uns ein wenig unterhalten und sind schlafen gegangen.

Am Dienstag Morgen erwartete uns in der Schule dann die nächste Überraschung. Kaum hatten wir den Hof betreten kamen die Kinder schon angelaufen und sagten, ein Hund hätte in meinen Klassenraum gemacht. Das war aber leicht untertrieben, denn als ich dort hineingelaufen bin und schon nach einigen Metern direkt in der Hundescheisse stand, wurde mir das Ausmass der ganzen Sache erst bewusst. Überall lagen Hundehaufen, auf Tischen, Bänken, dem Boden – überall. Und das Schlimmste war, dass der blöde Hund, der über Nacht in der Aula eingesperrt war, zwei von vier übriggebliebenen Kuchen halb aufgefressen hatte. Nun ja, so ist wenigstens immer etwas los und wir haben die Hälfte der ersten Stunde damit zugebracht, das Klassenzimmer von den Überresten der letzten Nacht zu befreien :) .

 Nach der Schule sind wir nach Hause gelaufen, haben für meine Oma irgendwelches Gemüse, was aussieht wie Kartoffeln, was aber roh gegessen wird, zu ernten, was sie am Nachmittag auf dem Markt verkaufen wollte. Anschliessend sind wir nach Gonzales gefahren, wo wir uns mit Maike und Selana getroffen haben. Marco und dessen Bruder waren auch da und wir sassen eine ganze Weile dort herum, haben Früchte gekauft und gegessen und uns unterhalten. Maike, Manu und Selana haben dann einen in Selanas Augen mit 50 Cents völlig überteuerten Kaffee getrunken, dann haben wir noch Colada morada und Empanadas gekauft und uns mit den Marktfrauen angefreundet :) . Als es schon langsam dunkel wurde, sind wir zurückgefahren und mussten dank einer Meute nicht gerade freundlich klingender Hunde einen Umweg quer durchs Feld einschlagen. Und so lagen wir auch an diesem Abend ziemlich erschöpft im Bett.

Am nächsten Tag wollten wir nach Cotacachi und zur Laguna Cuicocha fahren, da ich an diesem Tag nicht unterrichten musste. Also sind wir am Morgen los und von Quiroga mit dem Taxi zur Lagune. Dort sind wir dann erst einmal etwa eine Stunde lang einen nicht gerade schönen Weg hochgelaufen, bis wir zum Anfang des Rundweges um den See kamen. Ein Stück weiter hinten gibt es eine Art Aussichtspunkt, wo wir dann Pause gemacht haben. Leider war es ziemlich bewölkt, aber trotzdem cool. Anschliessend ging es wieder zurück nach Cotacachi, wo wir in den unzähligen Geschäften die ganzen Ledersachen angeschaut haben.

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Gegen halb drei waren wir zurück in Otavalo und ich habe für Donnerstag Kuchen gebacken, da Celia am Mittwoch Geburtstag hatte und wir sie am Donnerstag Nachmittag überraschen wollten. Danach wollten wir eigentlich wieder zurück nach Pijal, haben uns aber von Svens eigentlich unsinniger Idee anstecken lassen, man könne ja mal Sprichwörter nehmen, die filmen und bei YouTube online stellen, so dass wir im Endeffekt Nägel mit Köpfen gemacht haben und die Sprichwörter „Jacke wie Hose“ und „Das ist doch Wurst“ verfilmt haben. Wir haben uns schräg gelacht dabei. Schon am Nachmittag hatte es angefangen zu regnen und hinsichtlich unseres Bergsteige-Vorhabens am Wochenende haben wir dann beschlossen, doch lieber in Otavalo zu bleiben.

Am Donnerstag Morgen bin ich dann in die Schule gefahren, habe anschliessend zu Hause gepackt und bin wieder zurück nach Otavalo gekommen. Um vier kam dann Joëlle mit der ahnungslosen Celia und wir haben ihren Geburtstag gefeiert. Und ich glaube, sie hat sich wirklich riesig darüber gefreut. Sah aber auch cool aus, der Tisch mit Kleeblättern, Kuchen, Keksen, Kaffe, Schoki und und und. Danach sind Annika und ich ins Hostal gegangen um mit Pablo noch einmal über die Ilinizas-Sache zu sprechen. So langsam wurde es uns nämlich doch etwas mulmig, da wir wirklich gar keine Ahnung hatten, was auf uns zukam. Aber der gute alte Pablo wusste uns zu beruhigen und gab uns noch gute Tipps mit auf den Weg wie „nehmt Wechselklamotten mit, für den Fall dass wir nass werden“. Der beste Tipp überhaupt!!! :) Wirklich beruhigt waren wir trotz allem nicht, aber hey: wir sind hier in Ecuador. Hier funktioniert immer alles. Wir haben uns also für den nächsten Tag mit ihnen um acht Uhr morgens verabredet und am Ende hat sich sogar Mario noch entschieden, doch noch mitzukommen. Cool…

Am Abend sind die anderen alle aufgebrochen, um an die Küste zu fahren und wir waren alleine. Komisches Gefühl, so ruhig und irgendwie völlig ungewohnt. Aber so konnten wir uns wenigstens auf unser Abenteuer vorbereiten ;) . Am nächsten Morgen sind wir also früh aufgestanden und waren um kurz vor acht an der Ecke, wo wir uns mit Mario treffen wollten. Er kam dann auch – allerdings nur, um uns zu sagen, dass weder er noch Christian noch Pablo fertig seien und wir noch ein wenig warten sollten. So sind wir mit ihm ins Hostal gegangen, wo Christian – es war mittlerweile viertel nach acht – noch in aller Seelenruhe beim Frühstück sass. So sind wir zum ausgemachten Treffpunkt gelaufen und kaum waren wir angekommen, wünschten wir uns, wir hätten uns niemals auf diese Sache eingelassen. Dort standen Christians Freunde mit Eispickeln und Seilen bewaffnet, einige hatten schon ihre Schneekleidung an und wir kamen in Jeans – aber immerhin hatten wir ja Regenhosen dabei, so dass wir uns nicht gar so doof vorkamen.

Irgendwann kamen dann auch Christian und Pablo und es konnte losgehen. Die Tatsache, dass wir von allen Seiten nur „viel Glück“ gewünscht bekamen, trug leider nicht sonderlich dazu bei, dass unser mulmiges Bauchgefühl verschwand. Ich glaube, das war der erste Moment, in dem Maike es bereute, das Wochenende mit Batidos an der Küste gegen die Besteigung eines 5000ers eingetauscht zu haben. Diesem sollten aber noch viele weitere folgen. Zumal das Maikes erster Berg überhaupt war :) . Ich glaube, die Jungs haben uns unsere inzwischen echte Angst angesehen und meinten nur: „Das ist nur zur Sicherheit!“. Ja, klar… Aber egal, wir waren echt motiviert und freuten uns schon auf dieses Abenteuer.

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Es ging also los. Im Bus nach Quito. Von dort aus mit einem anderen Bus nach Machachi (oder so, ich weiss nicht mehr genau ;) ). Die Busfahrt war der Horror, denn es gab keine Möglichkeit, das Gepäck unten zu verstauen. Also lagen bei uns im Gang etwa 6 grosse Rucksäcke, und der Busfahrer hat es einfach nicht gecheckt, dass er die hintere Tür einfach nicht öffnen soll. So haben wir etwa 4 Mal die ganzen Rucksäcke hochheben müssen, damit die Leute nach vorne durchgehen konnten. Dafür gab es aber gute Musik von DJ Charli :) .Dort angekommen wollten wir noch einkaufen. Aber typisch ecuadorianisch ging es erst einmal Mittagessen. Auf zum Almuerzo-Restaurant von Santiagos Tante. Nicht dass es inzwischen schon halb zwei nachmittags war und wir noch gute vier Stunden Aufstieg vor uns hatten. Das Mittagessen war auch mehr oder weniger katastrophal. Wir wollten – standard – Reis mit Linsen und Spiegelei. Das gab es aber nicht. So hiess es zumindest. Dann eben nur Reis mit Ei. Die Jungs haben uns schon ausgelacht. „Stephi, dass ist ein Almuerzo-Restaurant. Hier gibt es Almuerzos…“ – Ja und? Wenn jemand Vegetarier ist? Was macht der dann?“ – „HÄ? Vegetarier? So was gibts hier nicht!“ Gut. Wir hatten also Reis mit Linsen. Auch gut. Wirklich hungrig waren wir so oder so nicht. Danach auf in den Supermarkt. Wasser in Grossfamilienpackungen, Energiza-Tee, Kekse…Nur nicht zu viel kaufen, wir müssen das alles noch hochschleppen. Und wieder in den Bus. Auch hier keine Gepäckfächer unten. Und der Bus war noch enger. Also alle Rucksäcke vorne auf einen Haufen gestapelt, der dann die gesamte Fahrt von drei unserer Jungs „bewacht“ wurde. Langsam wurde es aber genug mit Busfahren. Wir wollten jetzt los. Aber: „falta todavía“ :) .

Irgendwann kamen wir dann doch an, haben wieder eine ganze Weile gewartet und sind mit einer camioneta noch ein Stück in Richtung Berg gefahren.

Und dann sahen wir den Berg zum ersten Mal. Er war ganz schön weit weg. Und das alles sollten wir noch laufen. Was uns schon im Unterbewusstsein morgens klar war wurde nun harte Realität: wir würden das niemals vor der Dunkelheit schaffen. Aber egal… los ging’s.

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16:00 Uhr: Noch sind wir alle guter Hoffnung und laufen motiviert los. Ein paar Meter und schon das erste Hindernis: ein Fluss mitten über die Strasse. Also aussen rum und weiter geht’s immer stetig bergauf. Alles bestens.

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16:30 Uhr: Die erste Pause. Schönes Wetter. Gott sei Dank haben sich die Regenwolken verzogen. Das würde jetzt noch fehlen. Kurze Pause und dann weiter.

17:00 Uhr: Der erste Abschnitt ist geschafft. Die „Virgen“. Ab jetzt geht es steiler bergauf und nach einigen Minuten biegen wir vom Weg ab. Langsam kommt der anstrengendere Teil.

17:40 Uhr: Es fängt an zu regnen. Nein. Weiter geht’s. MP-3 Player in die Ohren und immer weiter wie Annika am Donnerstag Abend so schön sagte: „Denkt an Momo. Der sagte auch, wenn man anfängt die Strasse zu kehren sieht man das Ende und denkt man schafft das nie. Also immer schön einen Schritt machen, Atmen und einen Besenzug.“

17:45 Uhr: Ich höre Aventura. Die Musik, die in Canoa an jeder Batido-Bar gespielt wird. Zum ersten Mal denke ich an die Mädels und Jungs am Strand und denke mir „Scheisse, worauf hast du dich nur eingelassen?“

18:30 Uhr: Es fängt an zu dämmern. Mist. Wir sind immer noch gute zwei Stunden vom Refugio entfernt. Immer weiter geht’s.

18:30 Uhr: Es ist dunkel. Also die Headlamps aufsetzen und weiter. Leider haben wir davon nicht so viele und dann hat Christian auch noch Pablos Headlamp eingepackt, bei der er allerdings vorher die Batterien für die Fernbedienung herausgenommen hatte. Wir sind inzwischen bis auf die Unterwäsche durchnässt. Da nutzen selbst Regenjacken nichts. Der Boden besteht nur noch aus Sand. Man geht einen Schritt und rutscht den halben wieder runter. Die Kräfte lassen nach. Gott sei Dank macht mir die Höhe nichts aus.

19:30 Uhr: Ein Hang, der mir vorkommt, als hätte er etwa 60 % Steigung. Immernoch Sandboden. Keine Kraft mehr. Wären wir nicht schon 3 ½ Stunden den Berg hochgelaufen hätte ich glaube ich ernsthaft umgedreht. Das teile ich nun Mechas, der hinter mir läuft, mit. Er sagt nur „Geh weiter, hier können wir nicht bleiben. Aber wir haben es gleich geschafft.“ Also wieder weiter. Alle 10 Schritte Pause. Der Rucksack auf dem Rücken hat zwar nur etwa 8 – 10 Kilo, fühlt sich aber an wie 50.  Aus meinem MP3-Player tönt es „Turn around“ von Bonnie Tyler…glaubt mir, ich wäre liebend gerne umgedreht. Ging aber nicht…

20:00 Uhr: Also, dieses „gleich“ von den Ecuadorianern geht mir langsam aber sicher auf die Nerven. Ich habe mittlerweile wirklich keine Lust und Kraft mehr. Inzwischen sind wir etwa auf 4500m angekommen. Schätzungsweise. Aber keine Ahnung. Irgendwann hört man auch auf zu denken. Wieder Mechas‘ tolle Aufmunterungen: „Jetzt haben wir es gleich geschafft.“ Ich glaube ihm kein Wort mehr und rechne schon damit, dass wir noch die nächsten drei Stunden so weitergehen.

20:15 Uhr: Licht! Da hinten ist Licht! Und das sind nicht die Headlamps unserer Leute. Ganz vorsichtig frage ich, was das ist. Die Antwort: Das Refugio! Wir haben es geschafft. Etwa 10 Minuten später kommen wir an. Und jetzt fühle ich mich wieder gut. Es ist nur eiskalt.

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20:45 Uhr: KALT!!! Pablo kocht Wasser für Kaffee und Schoki. Wir trinken etwas warmes. Dann gibt es auch noch Reis mit Tunfisch. Aber Hunger hat ausser den Ecuadorianern, die wirklich in jeder Lebenslage essen können, keiner. Ich lege mich in meinen Schlafsack, wohlgemerkt habe ich wohl den besten Platz zum Schlafen erwischt ;) und will einfach nur schlafen. Es ist immer noch eiskalt. Trotz Jogginghose und Fleecepulli. Das mit dem Schlafen ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die ganze Nacht herrschte im gesamten „Haus“ Aufbruchstimmung. Von der Gruppe, die schon dort waren, als wir ankamen, wollten einige auf den Südberg. Das waren halt richtige Bergsteiger. Nun ja, sie wollten um ein Uhr nachts aufbrechen. Aus eins wurde dann allerdings drei Uhr nachts. Da bin ich dann aufgewacht und das erste was ich dachte war „Mist, ich hab jetzt mal gar keinen Bock überhaupt aufzustehen.“ Dann habe ich aber festgestellt, dass das „vamos“ gar nicht uns galt, sondern den anderen. Sie sind dann auch los, kamen aber irgendwie eineinhalb Stunden später wieder, weil sie feststellen mussten, dass die Wetterverhältnisse einen Aufstieg auf den Südhang nicht zulassen.

Ja, danach war dann mit schlafen auch nichts mehr, weil man von allen Seiten nur „Rositaaaa, Rosiiitaa“ und Sachen wie „ya está el café?“ hörte… So lagen wir da noch eine ganze Zeit wach, bis es dann um halb sechs auch für uns hiess „Aufstehen!“. Allerdings hatte keiner wirklich Lust, den Schlafsack zu verlassen, und so standen Pablo und Mechas alleine dort unten. Dafür hatten sie Brot und Kaffee, was wir irgendwie verpasst haben. Eine Stunde später waren wir dann aber auch mehr oder weniger bereit für den Aufstieg. Um fünf wollten wir eigentlich los. Mittlerweile war es viertel vor sieben. Auch gut. Mir war irgendwie schlecht. Was aber auch daran liegen konnte, dass ich seit Freitag Mittag nichts mehr gegessen hatte. Maike hat uns dann wenigstens noch einen Keks aufgeschwätzt und so sind wir los.

Die gleiche Prozedur wie den Abend zuvor. Immernoch Sandboden, diesmal allerdings mit mehr Schnee. Dafür mit weniger Regen, also eigentlich gar keinem. Immerhin :) . Es ging los und nachdem man wieder ins Laufen reingekommen war ging es auch erstaunlich gut. Wir sind eine ganze Weile unten am Berg parallel zum Kamm entlanggelaufen und dann ging es ziemlich gerade hoch. Etwa eine Stunde später haben wir dann die ersten Felsen erreicht. Ab da ging das Laufen dann ziemlich einfach. So sind wir dann eine ganze Zeit lang dort oben entlanggelaufen, bis wir zu einem ziemlich felsigen Hang kamen, wo Maike und ich dann beide der Meinung waren, dass es durchaus reicht, bis hierhin zu gehen. So viel Ehrgeiz hatten wir dann doch nicht und so haben wir dann beschlossen, dort auf die anderen zu warten um dann gemeinsam wieder abzusteigen.

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Wir standen eine ganze Weile da und haben uns unterhalten. Dann kam die andere Gruppe, die über die Felswand aufgestiegen waren. Sie sind in den Felshang, aber dann sagte der Guide, dass es zu gefährlich sei, bei den Witterungsverhältnissen ganz aufzusteigen und sie sind wieder umgekehrt. Wir haben dann beschlossen, gemeinsam mit ihnen schon einmal zum Refugio zurückzugehen, denn inzwischen war schon eine gute halbe Stunde vergangen, wir standen dort oben im Nebel mit völlig durchnässten Schuhen und Jacken, es war kalt und es konnte noch eine ganze Zeit dauern, bis die anderen wieder zurückkommen.

So wurden wir einer nach dem anderen angeseilt und es ging an den Abstieg. Der wäre allerdings ohne das Seil wesentlich einfacher gewesen, denn in dem Seil wurde man ständig von vorne wieder nach hinten und wieder nach vorne gezogen, hinter Maike war eine Ecuadorianerin angeseilt, die zum ersten Mal auf einen Berg hochgegangen ist und irgendwie dauernd abgerutscht ist. So brauchten wir bis unten noch einmal eine gute dreiviertel Stunde bis Stunde. Im Refugio haben wir dann schon einmal angefangen, aufzuräumen und wollten eigentlich für die anderen Nudeln mit Paprika-Rahm-Sauce kochen, was dann aber nicht ging, da die andere Gruppe ständig ankam und sagte „Können wir wohl eben ganz schnell was warm machen?“ und dann als unser Wasser kurz vor dem Kochen war, sagten sie, dass wir jetzt nicht mehr kochen könnten, da sie irgendein Teil von der Gasflasche ausgeliehen hatten und das jetzt wieder mit runter nehmen müssten. Super! Naja, so hatten wir wenigstens Wasser für Tee oder Kaffee.

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Irgendwann kamen auch die anderen wieder runter, von denen aber auch nicht alle bis ganz hoch gekommen waren. Mario hat zwischendrin auch gesagt, er würde jetzt dableiben und Alvaro fiel wohl 10 Minuten vor dem Gipfel ein, dass es ja eh neblig ist, er so oder so nichts sehen würde und dementsprechend auch nicht da hoch gehen muss (ganz meine Meinung!!! Allerdings waren wir ein wenig schlauer und haben das schon etwas früher festgestellt :) ).

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Ja, wir haben also noch eine Weile dort gesessen und uns dann wieder für den Abstieg bereit gemacht. Und gerade als wir losgingen fing es an zu hageln. Das Wetter war irgendwie echt gegen uns. Dann kam noch dazu, dass wir als eine der ersten zusammen mit Alvaro losgegangen waren, er aber was Orientierung angeht nicht gerade einer der Besten zu sein scheint (ich frage mich echt, wie er die ganzen Berge hochgekommen ist, auf denen er schon war… hehe..). Wir waren nämlich viel zu weit rechts. Ich habe dann irgendwann zu ihm gesagt, dass der Weg viel weiter links ist. Seine Reaktion: „Echt?“ – „Ja“ – „Sicher?“ – „Ganz sicher. Hier sind wir gestern nicht hochgekommen.“ – „Okay, dann lass mal nach da drüben gehen.“ Gute Idee…

Eine Stunde später waren wir – welche Abwechslung – wieder völlig durchnässt. Also zumindest die Sachen, die in der Zwischenzeit annähernd trocken geworden waren (und das waren nicht viele :) ). So kamen wir dann wieder bei der Virgen an, sind viel zu schnell abgestiegen aber waren einfach nur froh, dass es wenigstens nicht mehr regnete. Dort sind wir ein Stück den Weg langgelaufen und kamen zu einer Autoschlange. Ein Auto war vom Reservat und wir wurden gleich einmal ausgequetscht, ob wir denn auch Eintritt bezahlt hatten (hatten wir, aber jeder nur $ 1 anstatt 2 bzw. 4 :) aber egal. Christian und Pablo waren schon am weitergehen, aber bis zum Ort wären es noch mindestens 2 Stunden zu laufen gewesen, wären wir schnell gelaufen. Also habe ich lieber den Mann vom Reservat gefragt, ob er uns nicht mitnehmen könne. Also alle Mann auf die camioneta. War zwar ziemlich eng, aber immer noch besser als zu Laufen. Unterwegs mussten wir dann nochmal aussteigen, weil er nicht um die Kurve kam und dann ein paar Jungs das Auto um die Kurve herumschieben sollten. Dann ging es weiter.

Ziemlich weit unten haben wir dann noch den Rest von unserer Truppe eingesammelt, wobei ich mich bis heute noch frage, wie sie so schnell den Berg heruntergekommen sind… Egal… Dort sind wir dann auch aus der Camioneta von dem Reservat-Mann ausgestiegen und in eine andere eingestiegen, die uns wieder nach Machachi bringen sollte. Und es war kalt! Und unbequem… Der einzige, der einen guten Platz erwischt hatte, war Pablo. Und er machte auch keinen Hohn daraus, das zu verkünden. Aber wart’s ab…Rache ist süss, Pablito :) . Die Fahrt war dafür aber ziemlich lustig, der Abend vorher wurde eingehend analysiert und wir kamen gut gelaunt an unserem Ausgangspunkt, dem Almuerzo-Restaurant von Santiagos Tante an.

Dort dann der zweite Versuch, Reis mit Linsen und Ei zu bestellen. Inzwischen waren wir das Gespött der ganzen Truppe. War uns aber egal, schmeckt schliesslich gut. Nach fünfmaligem Bestellen dachten wir, sie hätte verstanden, was wir meinen. Hatte sie aber nicht, denn kurze Zeit später hatten wir einen Teller voller Linsen auf unserem Tisch stehen. Dani hat schliesslich versucht, ihr zu erklären, dass wir drei Portionen Reis mit Linsen und Ei und eine Portion nur Reis mit Linsen wollten. Nun ja, im Endeffekt hatten wir vier Portionen mit allem. War uns dann auch egal. Eigentlich hatte ich auch gar keinen Hunger und habe dann auch das meiste an die anderen weitergegeben.

Von dort aus ging es dann mit dem Bus wieder nach Quito. Ziemlich schräger Ayudante, der Annika doch tatsächlich statt 65 cents 1 Dollar abkassieren wollte und als sie fragte warum sagte er „Für das Gepäck“. Klar! Und wieder frieren. Dummerweise sassen Santiago, Alvaro, Mechas und ich ganz hinten und der Busfahrer hielt es für absolut überflüssig, die Türen zu schliessen, nachdem die Leute eingestiegen waren. Also wieder das häufigst gesagte Wort: „Achachay“ :) .

Dann mit den drei Jungs die Planung für den Abend. Weggehen. Vorher bei uns die Nudeln mit Sosse, die wir eigentlich schon mittags essen wollten, machen. So wirklich überzeugt von unserem Plan schienen sie aber nicht zu sein, was man an Kommentaren wie „chica loca“ und ähnlichem gut heraushören konnte. Uns war’s egal. Wir wollten Party machen, schliesslich waren wir heil wieder unten ;) . Das einzige Problem war nur, dass wir schon ziemlich spät dran waren. Dann kamen wir in Quito an. Dumm war nur, dass der Bus gar nicht zum Terminal fuhr. So sind wir an der Strasse ausgestiegen und dann ging alles so schnell irgendwie. Dort stand schon der Bus nach Otavalo und der Grossteil war schon drin und irgendwie war ich auch ziemlich verplant in diesem Moment weil ich mit der ganzen Situation völlig überfordert war, dass ich Manu nur ganz schnell gesagt habe, wo das Terminal ist und dann auch schon meinen Rucksack abgegeben hatte und im Bus sass. Hoffentlich ist er gut in Baños angekommen. Aber bestimmt… :)

So waren wir dann um 21 Uhr wieder in Otavalo und haben beschlossen, das Essen doch lieber bleiben zu lassen und uns stattdessen um halb 11 direkt zum Partymachen zu treffen. Wir sind also nach Hause, nach zwei Tagen endlich aus den nassen Schuhen, in denen teilweise wirklich das Wasser stand, raus, schnell gekocht und unter die Dusche. Wie geil… Kurz nach halb 11 waren wir dann wieder bei Christian, Pablo und Dani, die aber alle schon im Bett lagen. ¡Peresosos! :) Immerhin konnten wir wenigstens Pablo dazu bewegen, mitzukommen. Wir haben dann noch versucht, ein paar von den anderen zu holen, aber da es kein Netz gab konnten wir nicht anrufen und ich glaube spätestens als sie uns vor der Tür gesehen hätten wären sie geflüchtet :) . So sind wir halt zu dritt los, waren aber nur etwas trinken und haben sowohl im Jampa als auch im Jala Jala geguckt. War uns aber dann doch zu teuer, fast 5 Dollar zu zahlen, also sind wir wieder zurück ins Fauno und haben da noch gequatscht. Und es war sooo w itzig.

Ja, wieder ein aufregendes Wochenende. Und so anstrengend wie es gewesen ist: ES WAR GEIL!!!

Verfasst von: pijalsanpedro | April 22, 2009

Imbabura – Der Berg ruft!

So, extra für Tim dieses Mal wieder mit Smileys :) :) :) :) :) mir gehts immernoch bestens… Schöne Grüsse nach München oder wohin auch immer ;)  

 

Nachdem die gesamte letzte Woche ziemlich unspektakulär war (okay, bis auf Donnerstag, als ich ziemliche Kopfschmerzen hatte, woraufhin mir Mauricio dann erzählte, dass ich den “mal viento” eingefangen hätte und mir diesen wieder ausräuchern wollte…hehe…), folgte der Langeweile Spannung, Spass und Abenteuer pur.

 

Schon die ganze Woche hatten wir in der Schule verschiedene Tänze eingeübt, die wir am Freitag bei der Parade zum Jubiläum von Gonzales aufführen wollten. Was irgendwie zwar ziemlich witzig, auf der anderen Seite aber auch nervig war, da dadurch mehr oder weniger der gesamte Unterricht einer Woche ausgefallen ist. So trauten Stuart und ich uns, zu fragen, ob mit der Parade am Freitag die Feierlichkeiten (endlich :) ) zu Ende seien. die Antwort: “Ja… DANN kommt Inti Raymi!”… Sprich: mindestens drei der so oder so schon wenigen Wochen bis zum Schulende werden mit Sicherheit noch für andere Proben draufgehen… Nun gut.

 

Wir haben uns also am Freitag Morgen im Haus meiner Direktorin getroffen, wo Anna, Sarah, Sven und ich gleich mal als Floristen eingestellt wurden. Eine ganze Weile haben wir damit zugebracht, Rosen zu Gestecken zu formieren :) . Wir haben wirklich unser Bestes gegeben und waren mit dem Ergebnis auch ziemlich zufrieden. Die Betonung liegt hierbei jedoch auf “wir”, denn ich glaube, meine Direktorin war von den Gestecken nicht sooo angetan :) . Als ich sie nämlich fragte, ob das so in Ordnung sei, folgte ein langer Blick, ein zögerliches “Ja” und dann: “Hm, könntet ihr nicht die Rosen noch ein bisschen wieter runter stecken und das so und das…ach, egal… ja, sieht schon gut aus.”. Wer’s glaubt :) . Nun ja, das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Gestecke der Ecuadorianer – egal zu welchem Anlass – generell Grabgestecken gleichen und sie das aus unerklärlichen Gründen schön finden. Das ist Interkulturalität :) .

 

1gestecke 2gestecke

 

Anna, Sarah und Sven sind dann wieder gefahren, dafür kam von Maike ein Anruf, dass sie jetzt käme. Also bin ich mit den dreien ein Stück in den Ort gelaufen und habe Maike abgeholt. Und kaum waren wir wieder zurück beim Haus, stand da schon unser Mittagessen (nicht, dass wir uns einige Minuten zuvor an einem Stand Pommes geholt hätten :) )… Zwei Teller voll mit Kartoffeln, Käse und Maiskolben. Zum Essen kamen wir jedoch erst um einiges später, denn inzwischen war die Pappe mit den Grüssen auf dem Auto “montiert” (wofür sollte man sich grossartig Gedanken machen, wie man das macht? Man nimmt einfach ein paar Nägel und schlägt diese durch die Pappe in das Auto hinein… Rost? Was ist das??? :) ) und es ging los mit dem Dekorieren des gesamten Wagens. In typisch ecuadorianischer Genauigkeit wurden Paletten, Teppiche und Lautsprecher auf die Ladefläche verfrachtet, etwa fünfmal wieder abgebaut, da natürlich nicht daran gedacht wurde, sich vorher zu überlegen, wie man das am Besten anstellt. Ebenso verhielt es sich mit den Stoffen, mit denen die Seiten (und zum Schluss auch noch die Windschutzscheibe :) ) zugehangen wurden.

 

4mittagessen 3auto 5auto 6auto 7kids 8jimmy_brayan_brayan 10tatiana_rocio

 

Sah gut aus – bis zu dem Punkt, an dem das “In-sich-stimmige” der Deko durch knallorange-farbenes Nähgarn, mit dem die Stoffe befestigt wurden, die Einheitlichkeit gänzlich zunichte machte :) . Vor allem an den Stellen, an denen Männer am Werk waren, die ohne Rücksicht auf das äussere Erscheinungsbild cremefarbenen und weissen Stoff mit groben, ungleichmässigen Stichen – für alle Welt gut sichtbar – zusammennähten. Maike und ich haben dann bis zum Aufbruch – mehr oder weniger erfolgreich – versucht, wenigstens die sichtbarsten Ungleichmässigkeiten durch Rosen zu verstecken :) .

 

So ging es dann irgendwann los, einmal durch Gonzáles. Auf dem Wagen die Kleinsten, die sich damit vergnügt haben, unsere schönen Gestecke zu ruinieren und die Rosen in die Zuschauer zu werfen, und hinter dem Wagen die Grösseren, die zur Musik getanzt haben. Es war so lustig und durch die vielen Wägen und die ganze Musik war die Stimmung einfach spitze. Und gelohnt hat es sich auch, enn unsere Schule hat immerhin den dritten Platz bei dem Tanzwettbewerb belegt :) .

 

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Gegen fünf Uhr war dann alles vorbei. Wir sind noch kurz zurück zum Haus von Señorita Lidia gegangen, haben uns mit ihr für den Abend, an dem noch in ganz Gonzales ein Fest sein sollte, verabredet und sind dann gegen halb sieben wieder in Otavalo gewesen. Dort haben wir zu Abend gegessen – frisch gebackenes Bauernbrot aud der Brotbackmischung, die in Tinchens Weihnachtspaket war (Danke!!!) mit echt deutschem Emmentaler von Maikes Mom (Danke!!!), dazu Radieschen und Tomaten. Was bei euch wahrscheinlich jeden Abend auf dem Tisch steht ist für uns hier echt ein Festmahl :) .

 

Nun ja, inzwischen war es schon halb neun, wir sassen ziemlich unmotiviert auf dem Balkon und wären da wohl auch sitzen geblieben, wäre da nicht eine gewisse Person gewesen, die uns mehr oder weniger dazu zwang, mitzukommen und unser Alter (nun ja, zumindest das von Sven und mir ;) ) zu vergessen. Nun ja, Annika… Im Endeffekt sind wir Dir dann ja doch dankbar gewesen. Also, ich zumindest ;) . Wir sind also los, haben den Bus genommen, in dem uns glaube ich alle verflucht haben, und  sind nach Gonzales gefahren. Dort standen wir eine ganze Weile bei einem Schulhof/Sportplatz, auf dem verschiedene Gruppen Tänze aufgeführt haben. Das war richti cool und insgeheim verfluche ich Anna bis heute noch, dass sie mir ausgeredet hat, meine Kamera mitzunehmen, denn “die wird dort eh nur geklaut” :) .

 

Ja, und dort fing dann auch alles Übel an. Und zwar mit dem Pfirsichwein, den sie dort – original ecuadorianisch – in Tetrapacks verkauft haben. Wir sind also mit besagtem Pfirsichwein die Strasse hinunter und wollten noch tanzen gehen. Unterwegs in einer Tienda noch Nachschub des mit jedem Glas – ähm…Pappbecher :)   – leckerer werdenden Getränks geholt und eine kleine, aber komplizierte Pause eingelegt, um in einer Bäckerei aufs Klo zu gehen. Betti: “Können wir mal Ihr Klo benutzen?” – Bäckerei-Fach(???)verkäuferin: “Hä???”. Betti: “ Können wir mal Ihr Klo benutzen?” – Bäckerei-Fach(???)verkäuferin: “Empanadas?”… Man bedenke, dass die Worte “baño” und “empanadas”  nicht wirklich ähnlich klingen, aber gut… Irgendwann hat sie uns  dann doch verstanden und schliesslich konnten wir unsere Suche nach der Party auch fortsetzen :) .

 

Und irgendwie und irgendwann kamen wir dann doch noch an unserem Ziel an. Der Park in Gonzales… :) . Leute waren da genug. Nur von tanzenden Leuten war keine Spur. Da musste erst eine Gruppe verrückter Gringos kommen, um den Laden in Schwung zu bringen :) …hehe… Naja, man muss auch dazu sagen, dass die Musik, die da kam, ziemlich bescheiden war. Höchste Zeit für Musikwünsche. “A dormir juntitos”. Das hilft wirklich immer. Also habe ich mich ans Werk gemacht und meinen Wunsch einem netten Herrn auf der Bühne mitgeteilt. Was mir allerdings erst nach wiederholten Versuchen und einer ganzen Weile später klargeworden ist, war die tatsache, dass sein Kopfnicken und Lächeln und Daumen zeigen wohl eher seiner alkoholgetränkten Fröhlichkeit entsprungen war und nicht – wie ich dachte – der Tatsache, dass er verstanden hatte, was ich von ihm wollte. Schade :) . Ich habe mich mit meinem Problem also lieber an eine Frau gewandt (nachdem ich mich vergewissert hatte, dass sie weniger als 1,5 Promille im Blut hatte wohlgemerkt :) ). Und das hat auch wunderbar funktioniert… :)

 

Kurz darauf tippte mir jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um und es war meine Direktorin mit ihrem Mann…(später kam dann auch noch ihr Bruder und dessen Frau dazu). Und sie sah so süss aus. Corny, da musste ich sofort an dein schweizer Hit-Kinderlied denken: “Kennt ihr das Geschichtlein scho, von dem kleinen Eskimo” :) hehe… Man bedenke: ich stand da in Tanktop und sie hatte eine Fellmütze auf dem Kopf und dazu passend eine Adidas-Trainingsanzugsjacke an… Egal. Sie war da und jetzt konnte die Party richtig losgehen. Wir haben den zweien erst einmal einen unserer Willkommensdrinks ausgegeben, was sich im Laufe des Abends als folgenschwerer Fehler herausstellen sollte, denn kaum neigte sich unser Tetrapack dem Ende zu, standen entweder sie, ihr Mann oder ihr Bruder schon mit einem neuen da. Ja, und so ging das dann den ganzen Abend, nur dass zu dem Pfirsich- noch eine Art Apfelwein kamund dazu dann noch der heisse Trago mit Brombeersaft, den die Polo-Bolo-Association ständig gekauft hat. Das waren übrigens die Jungs, mit denen wir mehr oder weniger den ganzen Abend getanzt haben. Man kann sie sich in etwa so vorstellen: vom Aussehen der typische Harvard-Absolvent, studieren alle in Quito, waren zur Abwechslung mal echt nett und haben auch nicht als erstes gefragt, wo wir herkommen oder gesagt wie schöne Augen wir doch hätten…hehe… Und sie konnten echt gut tanzen. Nun ja, zumindest Merengue, denn was anderes kam den ganzen Abend nicht :) . Dann hörten aber bei dem ein oder anderen – eher bei dem einen :) – die Vorzüge auch schon auf…hehe.. Aber lustig war’s auf alle Fälle. Ich glaube nur, meine Direktorin war leicht besorgt um uns, denn als sie gegangen ist kam sie noch einmal zu mir und sagte “Wenn keine Busse mehr fahren, dann klopft an meine Tür!”

 

Nun ja, etwas später sind wir dann auch leicht abrupt aufgebrochen und kamen dann – sagen wir einmal gut gelaunt – zu Hause an, wo noch ein paar andere – sagen wir einmal auch ziemlich gut gelaunte – compañeras auf uns gewartet haben, sind dann aber – nicht ohne vorher das gesamte Haus zu wecken – relativ bald schlafen gegangen.

 

Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und fühlte mich erstaunlicherweise topfit. also erstmal frühstücken und kaum war der Teller leer, klopfte es an die Tür und Gloria stand mit Lizeth davor. Lizeth wollte mal sehen, wo und wie wir wohnen. Allerdings hat sie die Tatsache, dass ich um zehn Uhr morgens immer noch in Schlafsachen und ziemlich verzaust durch die Wohnung laufe, anscheinend so sehr geschockt, dass sie den Grund ihres Besuches darüberhinaus vollkommen vergessen haben, denn sie standen in der Türe, weigerten sich, hereinzukommen und waren auch generell ziemlich schweigsam, was normalerweise gar nicht deren Art ist… hehe… :) Glücklicherweise sassen da am Tisch noch mehr Gestalten, die mir ziemlich ähnlich sahen…So war ich zumindest nicht die einzige :) .

 

Nun ja, weshalb ich mich so gut fühlte weiss ich immer noch nicht, aber Selana hat dann die Theorie aufgestellt, es wäre deshalb, weil wir den ganzen Samstag immer noch betrunken gewesen wären und der Kater dann in der Nacht zum Sonntag kam, wo wir geschlafen haben. Ich weiss nicht, ob ich das glauben soll, aber es wäre eine Möglichkeit :)

 

Dementsprechend sinnlos haben wir den Samstag verbracht, grösstenteils damit, den Abend zu analysieren, wer jetzt eigentlich als erstes nach Hause gehen wollte und weshalb und auch damit, komische Sachen auf Annas Seite zu schreiben. Dann habe ich noch ein wenig nach dem Cotopaxi gegoogelt, was ich aber vielleicht lieber hätte bleiben lassen sollen, denn nachdem ich dann auf dem Blog von zwei Touristen Sachen gelesen habe wie “Brett died” und dass nur 20 % es bis zum Gipfel schaffen, weiss ich nicht, ob ich da wirklich noch hoch will. Immerhin war Brett dann doch nicht richtig tot und sie haben es auch bis zum Gipfel geschafft, aber es hörte sich doch “etwas” anstrengend an :)

 

Nun ja, so verging der Tag, ohne dass wir etwas gescheites zustande gebracht hätten. Ne, halt. Etwas haben wir dann doch geschafft. Wir haben die CD mit dem Lied gefunden, was ich schon ewig gesucht habe. Das war allerdings ein Abenteuer für sich, denn der erste Mann erkannte aus unserem Vorsingen gar nichts, die zweite Frau dachte dann, sie hätte es erkannt und meinte “Aaaaah, cumpleaños feliz sucht ihr!”. Nicht ganz, aber trotzdem danke. Gott sei Dank war da noch deren Tochter, die dann mit einem Griff die richtige CD heraussuchte. So sinnvoll war die Gestaltung unseres Tages also nicht, aber immerhin hatten wir Spass. Ausserdem hätten wir so oder so nichts anstrengendes machen können, denn wir mussten den ganzen Tag Kraft sammeln für das Abenteuer am Sonntag: Die Besteigung des Imbabura.

 

Das hatten wir uns ja schon eine ganze Zeit lang vorgenommen, aber aus irgendwelchen Gründen immer wieder nach hinten verschoben. Ja, der Imbabura… 4600m hoch und steht da schon ein wenig angsteinflössend in der Gegend herum. Aber das konnte uns nichts anhaben. Wir sind also – bis auf ein paar Angsthasen oder Verletzte – am Samstag Abend ziemlich früh schlafen gegangen. Und am Sonntag Morgen ging es los.

 

04:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Wir stehen auf und verfluchen uns innerlich selbst dafür, aufstehen zu müssen. Vor allem nach den tollen Kommentaren unserer Daheimbleiberinnen Sophia und Anna. “Ich würd’ durchdrehen, wenn ich jetzt aufstehen müsste und dann auch noch da hochklettern!”

 

04:45 Uhr. Frühstück. Wieder nette Ratschläge von Anna: “Mädels, ich wünsch’ euch viel Spass. Aber wenn ihr merkt, dass es nicht mehr geht, dann dreht um und macht irgendwas anderes tolles, geht ne Pizza essen oder so.”

 

04:55 Uhr. Anna fällt noch etwas auf: “Scheisse, dann ist es ja erst so sieben oder acht Uhr. Für Pizza noch zu früh.”
Anna, vielleicht solltest du einfach schlafen gehen.

 

04:57 Uhr. Prozession vor unserer Haustür. Alle stehen auf dem Balkon, sehen, wie eine Marienfigur durch die Strasse getragen wird und ein Mann abwechselnd mit den Leuten betet: “Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder. Amen”. Insgeheim betet wahrscheinlich jeder von uns, dass wir heil hoch- und auch wieder runter kommen.

 

05:05 Uhr. Der Bus ist da. Einsteigen. Los geht die Fahrt, in Richtung Ibarra. Durch Villenviertel bis hoch zum Refugio des Imbabura.

 

06:10 Uhr. 3400m über NN. Ich sehe den Berg vor mir. Also einen Teil davon. Der andere Teil hängt in Wolken. Aber mir wird klar, dass das kein Spaziergang werden wird.

 

06:15 Uhr. Alles ist bereit. Einer unserer Guides zieht sich komische Stulpen über die Hose und sieht nun noch professioneller aus. Okay, JETZT haben wir wirklich Angst. :) . Er sagt, wegen der Nässe. Gut. Wir haben Jeans an… hehe…

 

06:30 Uhr. Es geht los. Noch sind wir gut motiviert, die Sonne scheint schön und die Natur sieht einfach wahnsinnig aus…

 

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06:32 Uhr. Annika: “¡Ya no avanzo!” Okay, noch war das ein Spass. Denn noch konnten wir. Der Guide, der übrigens den seltsamen Namen Mote trägt, was hier auch eine Maissorte ist, (okay, eigentlich heisst er Alvaro, aber ständig hörte man Mote und bekam dadurch automatisch Hunger), denkt sich wahrscheinlich, wir hätten sie nicht mehr alle, und schaute uns dementsprechend müde lächelnd an.

 

Mote1
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        Mote2 :)

 

06:40 Uhr. Okay, jetzt konnte ich wirklich nicht mehr, mein Herz raste und ich fühlte mich wie ein Hund nachdem er 5km einem Auto hinterhergerannt ist. Mist, wir waren gerade einmal auf 3400m, hatten noch 1200 m Höhenunterschied und geschätzte 6 Stunden Aufstieg vor uns.  Gott sei Dank ging es uns allen so.

 

07:30 Uhr.  Die erste längere Pause. Vor uns lag der erste richtig steile Abschnitt. Christian sagte uns, wenn wir den überwunden hätten, käme danach ein Stück flacherer Aufstieg, dann nochmal ein steiler und oben, das letzte Stück wäre noch einmal richtig schwierig, da dort nur noch Felsen wären. Worauf habe ich mich nur eingelassen?!?! Nein, erstaunlicherweise ging es mir inzwischen richtig gut, ich hatte keine Probleme mehr mit der Luft und auch von der Anstrengung her war es wirklich zu schaffen.

 

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09:40. Pause. Inzwischen sind nur noch Fabienne, Annika, Cathy und ich in einer Gruppe. Die anderen sind ein Stück vor uns. Aber dafür haben wir mehr Fotos ;) . “Jardín de encantos” Nun ja, ich weiss ja nicht, ob Vergnügungsgarten der richtige Ausdruck für einen Ort auf 4200m ist, an dem der Wind pfeift und es schon leicht kalt ist. Egal. Mote muntert uns auf. Eine Stunde noch, dann sind wir da. Schneller als erwartet. Es geht weiter.

 

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10:00 Uhr. Es ist a****kalt. Und ich merke mal wieder, dass ich Berge eigentlich gar nicht mag. Nicht, dass ich mit mir zu kämpfen gehabt hätte, dort hoch zu kommen (erstaunlicherweise nicht ;) ), aber ich habe einfach immer Angst. Da läuft man über so nen Grat aus Felsbrocken, abwechselnd von links und von rechts kommen Windböen und in meinem Kopf sehe ich immer noch den Mann, der damals im Skiurlaub in Oberstdorf mitsamt Skiern einfach die Schlucht runtergestürzt ist. Also immer schön irgendwo festhalten.

 

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10:45 Uhr. Geschafft. Wir sind auf dem Gipfel. Und es geht uns gut. Da sitzen wir, warten auf Christian, der das Essen im Rucksack hat und versuchen, einen Platz zu finden, an dem der Wind nicht mit 100 km/h an uns vorüberzieht. Es ist kalt, ich meine: wirklich kalt. Ich sitze da und zittere. Eigentlich will ich nur wieder runter, irgendwo hin wo die Sonne scheint und es nicht so kalt ist. Hätten wir mal auf Cathy gehört und Handschuhe eingepackt :) .

 

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11:00 Uhr. Immer noch am Gipfel. Cathy und ich müssen aufs Klo, was sich aber dort oben als nicht so einfach herausstellte. Erstmal wieder um die Felsen herum, ein kurzer Abstieg. War auch ein bisschen gefährlich, aber egal :) . Selana hat das Adrenalin gepackt. Ihr einziges Gesprächsthema auf dem Gipfel des Imbabura ist der Cotopaxi. Zum Ärger von Theres, die einfach die Tatsache geniessen will, dass wir dort oben waren. Mir ist immer noch kalt. Endlich kommt auch Christian, der wegen einer Erkältung und seiner neuen Schneeschuhe, die er ausprobieren wollte und die etwas an Skistiefel erinnern, nicht so schnell laufen konnte. Mittagessen. Sandwiches und Popcorn. Echt lecker, aber richtigen Hunger hatten wir alle irgendwie nicht.

 

11:30 Uhr. Abstieg. All das, was wir hochgekommen sind, müssen wir auch wieder runter. Mist. Der Abstieg ist noch schwieriger als der Aufstieg. Naja, was heisst schwieriger. Anstrengender. In meinen Knien merke ich, dass ich langsam alt werde :) und der Verdacht des Rheumas, den ich ja schon das ein oder andere Mal aufgestellt hatte, bestätigt sich wieder einmal… hehe…

 

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12:45 Uhr. Der schwierigste Part ist geschafft. Ab jetzt kommen keine Felswände mehr, sondern nur noch Wege über Berge, die mir jetzt wie Hügelchen vorkommen. Ich frage mich, ob wir das wirklich alles in der kurzen Zeit hochgelaufen sind. Scheint so, ich kann mich trotzdem nicht mehr wirklich an alles erinnern :) . Aber der Wind ist weg. Was ein Glück. Annika und ich erinnern uns an die Methode, wie wir den Fuya Fuya hinabgekommen sind. Warum laufen, wenn man sich auch auf den Hintern setzen und runterrutschen kann. Gesagt, getan. Funktionierte nicht ganz so gut wie beim letzten Mal, aber besser als Laufen.  

 

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13:15 Uhr. Wir rutschen immer noch. Irgendwas tut mir aber inzwischen ganz schön am Hintern weh. Ich stelle fest, dass meiner Jeans das ganze nicht so gut gefallen hat. Zwei riesige Löcher. Da kann man mal sehen. Keine Qualität mehr, schon beim zweiten Berg geht sie kaputt. Vielleicht hätte ich doch lieber auf die bewährte Qualität von Levi’s setzen sollen. Egal. Immerhin sind wir schon fast unten.

 

14:00 Uhr. Wir sind an der Stelle, an der wir beim Aufstieg die erste Pause gemacht haben. Und zu meiner grössten Verwunderung bin ich echt noch fit, fühle mich weder schlapp noch müde. Vielleicht ist der Cotopaxi also doch zu schaffen?

 

14:30 Uhr. Die letzten 100m liegen vor uns. Das Refugio ist schon in Sichtweite. Ein letzter Sprint von Annika und mir und es ist geschafft. Wir sind wieder am Ausgangspunkt. Und: ES WAR GEIL!!!!

 

Pablo, unser Guide - den haben wir ganz schön fertiggemacht :)
Pablo, unser Guide – den haben wir ganz schön fertiggemacht :)

 

 

Im Auto überkam mich dann doch die Müdigkeit. Aber gleichzeitig die Aufregung auf das, was noch kommt. Der Cotacachi. Unser nächstes Ziel. Schon etwas schwieriger. Aber was soll’s. Dumm nur, dass Christian sagte, der Weg wäre nicht passierbar. Sprich: man müsste von ganz unten beim Cuicocha anfangen, einen Tag etwa 5 Stunden laufen, da dann zelten und am nächsten Tag den Rest. Hm… das wird bestimmt kalt :) . Aber immerhin, der Termin, den wir anpeilen, wäre das Wochenende vom 1. Mai und bis dahin bleibt ja noch ein wenig Zeit. Vielleicht ist der Weg bis dahin wieder frei. Und dieses Wochenende sind ja auch die Wahlen, also vielleicht hilft es, wenn wir vorher noch mal ein wenig vor dem Rathaus demonstrieren, dass sie den Weg freiräumen. Schliesslich will Mario Conejo ja Bürgermeister bleiben :) .

 

Wieder zurück in Otavalo war ich dann schon ein wenig fertig. Ausserdem hatte ich ziemliche Kopfschmerzen, genau wie viele andere auch. Wir sind einfach zu schnell wieder runtergelaufen. Erstmal duschen. Und dann zum nächsten Programmpunkt. Mit Annika Früchte für ihre Schule und unsere Familien kaufen. Und nachdem wir das alles wieder nach Hause geschleppt hatten, waren wir echt fertig :) . Durften wir aber glaube ich auch. Schliesslich hatten wir viel geschafft an diesem Tag und mir wurde mehr und mehr bewusst, wie bekloppt wir eigentlich sind. Ich glaube, in Deutschland würde niemand eben mal so auf die Idee kommen, einen der höchsten Berge zu besteigen, ohne sich vorher intensiv darauf vorzubereiten. Aber das ist halt Ecuador. Das Land, wo nichts unmöglich ist. :)

 

Am Montag Morgen war ich dann doch ziemlich fertig. Ich bin nach Pijal gefahren, und war ehrlich gesagt ziemlich froh, als die Schule aus war. So bin ich dann nach Hause gegangen, habe mich mit einem Buch vors Haus gesetzt, aber ziemlich bald entschieden, dass es im Bett doch bequemer sei, wo ich dann kurze Zeit später eingeschlafen und erst um fünf Uhr nachmittags wieder aufgewacht bin.

 

Abends waren Anita und ich alleine. Die anderen sind nach Rumiñauhi in unser Dorfgemeinschaftshaus gegangen, um zu unterschreiben, dass sie Dünger oder so etwas bekommen. Als wir dann beim Abendessen sassen, klopfte es an die Tür und Selana kam vorbei. So haben wir uns eine Zeit lang über unser Befinden, Muskelkater und so weiter unterhalten, haben beschlossen, Anita das nächste Mal mitzunehmen und und auch so noch ein bisschen unterhalten. Als sie dann wieder in Richtung Atahualpa aufgebrochen ist, haben wir uns noch die Fotos von der Parade und vom Imbabura angeschaut und ich bin anschliessend sofort ins Bett :) .

 

Am Dienstag Nachmittag waren wir wieder am Markt in Gonzales, um wieder einmal Kuchen zu verkaufen für meine Schule. Als ich dort ankam und aus dem Bus stieg, lief mir doch tatsächlich einer der Polo-Bolo-connection über den Weg. Peinlich :) . Egal. Kurze Zeit später kam auch Maike und wir sind also zum Markt runtergelaufen. Leider hatte keiner von uns wirkliche Lust, zu verkaufen, und auch unser Plan, die Kinder loszuschicken, wurde zunichte gemacht, als wir Jimmy den Teller mit Kuchenstücken in die Hand drückten und er sich mit einem breiten Lachen dafür bedankte und schon das erste Stück in den Mund stecken wollte. Alter Fresssack :) . Dementsprechend kläglich fiel das Ergebnis auch aus. 1 ½ Kuchen waren am Ende weg, davon haben wir allerdings einen halben alleine gegessen. So sassen wir lieber dort herum, haben uns mit Marco (einem Schüler von Maike, der auch am Freitag Abend da war) und dessen Bruder unterhalten, CDs gekauft und mit den zwei Jungs geplant, irgendwann einmal zelten zu gehen und vielleicht auch nochmal mit ihnen auf den Imbabura. Als es schon anfing, dunkel zu werden, haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht und beschlossen, den Kuchenverkauf lieber auf die Volleyballmannschaft in Otavalo zu beschränken…

 

 

ach so: hier noch ein Tipp für alle Autofans… für den Fall, dass ihr euer Auto ein wenig musiktechnisch aufmotzen wollt, hab ich hier noch eine Idee für euch:

Pimp my ride auf Ecuadorianisch ;)

 

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Verfasst von: pijalsanpedro | April 13, 2009

Canoa zum Zweiten oder „Eric, der Schweigsame“ :)

Ferien!!! Und was macht man, wenn man in Ecuador Ferinen hat??? Richtig, man fährt nach Canoa!

J So haben wir am Mitwoch die letzten Vorbereitungen getroffen und sind dann – mehr oder weniger schwer bepackt (ich eher schwer, und genauso Maike, die der festen Überzeugung war, dass es unbedingt notwendig sei, ZWEI Fleecepullis mitzunehmen und sich auch nicht von unseren Hinweisen, dass wir nicht in die Berge, sondern an die Küste fahren, davon hat abbringen lassen, denn: O-Ton Maike: „Ward ihr noch nie an der Küste? Es wird kalt dort nachts im Zelt!!!) nach Quito gefahren.

 

 

Schon die Busfahrt war ein Erlebnis, denn was der Bus an Tempo zu wenig hatte, hatte er an Lautstärke der Modern-Talking-Musik definitiv zu viel J. Aber lustig war’s trotzdem und so kamen wir gut gelaunt in Quito an, wo Annika und Maike noch einen kurzen Abstecher zum Mega-Maxi gemacht haben. Schliesslich brauchten wir ja noch unsere Unterkunft. Und dort gab es auch ganz leckeres Eis. Man sollte das nur nicht kaufen geschweigedenn essen, wenn man a) vollbepackt im Gang vom Bus steht und b) es einfach nicht kann J. Dieser Ratschlag gilt besonders für Maike, die nämlich so lange die Hose eines sitzenden Fahrgastes mit ihrer Eiscreme dekorierte, bis er sie eindringlich aufforderte, sich doch auf seinen Platz zu setzen. Schliesslich kamen sie aber doch noch am Terminal an.

Wir hatten in der Zwischenzeit schon die tickets gekauft und warteten jetzt verzweifelt die Abfahrt des Busses ab. Gerade als es losgehen sollte, fiel Annika ein, sie könnte ja noch einmal aufs Klo gehen. Das wollte sie aber dann doch nicht, da der Busfahrer sagte, sie solle dann hochlaufen und er würde oben auf sie warten. Nach einigen Minuten voller Diskussionen wollte sogar der Ayudante vom Bus sie zum Klo begleiten, weil er dachte, sie würde sich alleine nicht trauen… hehe… Die dachten bestimmt, wir hätten einen Schaden, weil wir schon vorher versucht haben, uns mit ihnen zu unterhalten, sie aber nicht verstanden haben, so dass sie seit diesem Zeitpunkt nur noch gaaaaanz laaaaangsaaaam mit uns gesprochen haben J.

 

Ansonsten verlief die Busfahrt ohne weitere Zwischenfälle. Morgens um halb acht waren wir dann endlich am Ziel unserer Reise: CANOA!!! Sonne, Strand, Surfer und: ERIC!!! J Aber dazu später. Wir haben uns also erst einmal ein Plätzchen für unser mobiles Zuhause gesucht und es auch gleich  - gut hinter Büschen versteckt – aufgestellt. Versteckt war es wirklich gut, denn nicht einmal Stuart, der annähernd wusste, wo wir uns befanden, hat uns gefunden J. Aber ganz ideal war der Platz dann doch nicht und wir würden es später noch bereuen, das Zelt einfach ohne viel nachzudenken aufgestellt zu haben.

zeltaufbau zelt

Wir haben uns also umgezogen und sind dann erst einmal frühstücken gegangen, wobei wir die ganze Zeit von einer (O-Ton Stuart) „evil cat“ angefaucht wurden. Als dann etwa eine Stunde später auch Stuart seinen Batido und Fruchtsalat hatte, konnten wir endlich zum Strand gehen. Dort lagen wir eine ganze Weile und dann kam: Eric! JJa, Eric… Ich weiss nicht, ob ich schon einmal von Eric erzählt habe… Anneke und die Jungs (und Selana und ich natürlich auch) haben ihn schon kennen gelernt, als sie das erste Mal in Canoa waren. Obwohl… kennen gelernt ist übertrieben. Er war einfach plötzlich da… Eric ist ein bisschen strange, aber „er is ´n guter!!!“

Das ist eric, der Schweigsame :D

Das ist eric, der Schweigsame :D

Ich versuche jetzt mal, zu beschreiben, wie er ist… obwohl das wirklich ziemlich schwer ist J. Er redet grundsätzlich kaum. Und wenn man versucht, ihn in die Konversation einzubinden, antwortet er immer in einer Art und Weise, die es unmöglich macht, die Unterhaltung darauf aufzubauen. Hat er doch mal eine gesprächige Minute (was wirklich äusserst selten vorkommt) redet er vorwiegend komisches Zeug. So ging es uns dann am Donnerstag Nachmittag, als wir an der Bar einen Batido trinken wollten. Anneke und ich waren vorne zum Bestellen und als wir zum Tisch schauten, sassen da nicht mehr nur Annika und Maike, sondern plötzlich auch Eric (das ist übrigens eine weitere Eigenschaft von ihm. er taucht immer urplötzlich von irgendwoher auf und ist genauso schnell wieder verschwunden J), der den Mädels erzählte, wie es ist, wenn man gerade auf dem Surfbrett steht „und da kommt die Welle, und das ist so blöd, weil dahinter gleich die nächste Welle kommt und sich unter die erste schiebt … Riech‘ mal, Zwiebel!“ und hält ihnen die Hand unter die Nase… Ja, er ist strange… aber er is auch ´n guter J.

 

Also, wir lagen am Strand und er lief mit einem anderen Mädel vorbei. Wir haben ihm dann gewunken, denn wir hatten ja einen Plan. Wir brauchten schliesslich jemanden, der auf unser Zelt aufpasst und Eric war genau der richtige Mann für diesen Job. Das haben wir schon letztes Mal gemerkt, als er grundsätzlich 2 Meter hinter uns gelalaufen ist ,die Sonnenbrille auf der Nase und immer schweigend J. Leider war er von der Idee nicht sonderlich angetan (was aber auch durchaus daran liegen könnte, dass er gerade auf einem Strandspaziergang mit seiner neuen Flamme war und wir ihn dabei gestört haben J). Nun ja, er wollte also nicht auf unser Zelt aufpassen. Auch gut, noch war es so oder so gut versteckt. Und so haben wir den Rest des Tages am Strand oder im Meer verbracht.

 

Irgendwann drehten wir uns wieder um und da stand er wieder (und schien da auch schon eine ganze Weile zu stehen…). Wir haben wirklich unser Bestes gegeben, aber er wollte einfach nicht mit uns reden. Stattdessen stellte er sein Surfbrett bei uns abe, wartete noch eine Weile, bevor er irgendwelche Zeichen machte und einfach davonlief. Wir vermuten, dass es heissen sollte „Passt mal darauf auf!“. Hätte aber genauso gut heissen können „Verkauft es!“ J. Maike stellte dann die Theorie auf, er könne einfach nicht sprechen und auch nicht hören… Aber ab und an hat er ja doch geredet… Also, Maike. Deine medizinischen Diagnosen solltest Du doch lieber erst nach deinem Studium stellen J

 

So ging der erste Tag vorbei. Wir haben uns im Laufe des Tages dann dazu entschieden, das Zelt doch noch einmal umzustellen, da wir es für nicht urlaubstauglich hielten, sich erst einmal durch etliche Meter Schlingpflanzen zu kämpfen, die sich über den ganzen Boden ausgebreitet haben, bevor man zum Zelt gelangt. Ausserdem gab es docht stehendes Gewässer und wie wir bereits beim Vorbereitungsseminar gelernt haben, ist das Dengue-Fieber-Risiko dort extrem hoch J. Also haben wir alles wieder eingepackt (und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Chaos schon in dem Zelt herrschte, obwohl es a) ein 6-Mann-Zelt war und wir uns b) gerade erst ein einziges Mal kurz darin umgezogen hatten) und das Zelt an allen vier Ecken einfach hochgenommen und über das Schlingpflanzen Dickicht getragen. Auf der Hälfte des Weges wurde es uns wegen starker Windböen doch zu umständlich. Schliesslich hätten wir bis zu dem Platz unter den zwei Palmen am Strand noch gut 200 m zu Laufen gehabt und sahen so ziemlich bescheuert aus. Also haben wir dann doch  - auf Annika hörend – die Stangen aus dem Zelt herausgenommen, um etwa 20 m weiter den „perfekten!“ Zeltplatz zu finden und dort alles wieder aufzubauen. Schlau war die ganze Aktion nicht, aber lustig war’s J.

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Alles war gerichtet und wir konnten duschen und Abendessen gehen. Danach sollte eigentlich am Strand eine fette Full-Moon-Party sein, aber als auch um 21 Uhr weit und breit noch nichts davon zu sehen war, sind wir dann doch schlafen gegangen. Und geschlafen haben wir alle erstaunlich gut J. Zumindest dafür, dass wir keine Matratzen hatten, sondern nur Decken oder Schlafsäcke und sich unter unser Zelt doch noch einige Schlingpflanzen verirrt hatten J.

 

Am nächsten Morgen haben wir dann Frühstück geholt und uns vor dem Zelt ausgebreitet, was so ein komischer alter Typ einer Motorradgang, die am Strand zu unserem Ärgernis einen Heidenlärm machten, zum Anlass nahm, sich gleich einmal zu uns zu gesellen und einfach da zu bleiben, obwohl ziemlich offensichtlich war, dass er nicht gerade einen gebetenen Gast darstellte. Noch dazu kam, dass ausser „Wo kommt ihr her?“ nichts aus ihm herauskam.

Irgendwann ist er tatsächlich abgehauen, so dass wir endlich frühstücken konnten… Mit gutem deutschen Vollkornbrot (von dem leider eine Packung schon verschimmelt war L). Und kaum hatten wir den letzten Bissen im Mund, war er schon wieder da und das ganze Spiel ging wieder von vorne los, bis ich wirklich genervt war und ihm ziemlich eindrücklich klargemacht habe, dass keiner von uns gewillt war, sich mit ihm zu unterhalten geschweigedenn sein Freund zu werden. Es dauerte immernoch eine ganze Weile, bevor er dann endgültig abgehauen ist, aber nur, um Stuart zu belästigen, dass er ihm doch unsere Telefonnummern geben solle. Wie gut, dass Stuart kein Handy und somit auch keine unserer Nummern hatte J. Wir sind danach wieder an den Strand gegangen und lagen da mehr oder weniger den ganzen Tag faul herum. Ab und an einmal bekamen wir Besuch von Eric oder seinen Freunden, aber sie verschwanden auch relativ schnell wieder.

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Am Nachmittag sass Eric dann erstaunlich lange bei uns, hat aber wieder kaum geredet, sondern unsere MP3-Player gehört und gelesen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob er die Sache mit den Büchern wirklich verstanden hat, denn er brauchte ewig lang für die erste Seite, war aber plötzlich schon bei Seite 24. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass er Seite für Seite lesen müsse, nickte er nur mit dem Kopf… Auch gut J. So sassen wir da und haben gechillt und gelesen. Am späten Nachmittag bekamen wir dann noch VIP-Unterhaltung, als ein paar von den Jungs direkt vor unserem Strandzelt angefangen haben, capuera zu machen. Ziemlich cool…  Ja, das wird dann unser nächstes Projekt, das zu lernen.

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Als die Sonne nicht mehr ganz so stark war, sind wir zurück zum Zelt gegangen. Schliesslich ist es nicht einmal mehr ein Monat, bis wir auf den Cotopaxi mit knapp 6000 Metern hochwollen und es wird höchste Zeit für ein bisschen Konditionstraining. So sind Maike und ich am Strand joggen gegangen. Und ehrlich gesagt habe ich mich gewundert, dass von meiner Kondition doch noch so viel übriggeblieben ist. Okay, wir sind auch nicht sooo weit gelaufen, aber trotzdem J. Anschliessend sassen wir vor unserem Zelt, haben den Sonnenuntergang angeschaut und uns unterhalten. Eigentlich wollten wir dann duschen und dann zu den anderen gehen, die schon in die Bar von Stuarts Hostal gegangen waren. Aber wir waren selbst dazu zu faul und so haben wir uns einfach andere Klamotten angezogen und sind dann auch dorthin.

 

Die drei sassen mit einem Typ am tisch, der der Kandidat der Region Manabí für den Asembleista war und irgendwie ziemlich seltsame Ansichten vertrat. so hatten wir ziemlich heftige Diskussionen darüber, was iun der Bibel steht und was nicht und er wollte mich daraufhin doch  tatsächlich davon überzeugen, doch jetzt Fleisch zu essen, obwohl Karfreitag war… Strange Ansichten, und ziemlich krass für jemanden, der einer liberalen Partei zugehörig ist, wie ich finde. Er wollte uns dann zum Essen einladen, aber ehrlich gesagt war Maike und mir das ein wenig suspekt und so sind wir dann doch lieber zu dem Restaurant gegangen, in dem wir am Donnerstag Morgen schon gefrühstückt haben. Und wie wir dort so sassen ist uns aufgefallen, dass unser gesamtes Geld in Stuarts Hostalzimmer war… J. Also haben wir den Kellner gefragt, ob wir nicht am nächsten Tag zahlen könnten, da wir uns ja so oder so jeden Morgen dort Fruchtsalat oder Batidos zum Frühstück holen. „Kein Problem“, sagte er und so haben wir uns die Pesto-Spaguettis schmecken lassen. Als wir dann gehen wollten, legte er die Rechnung auf den Tisch, als ob er von nichts eine Ahnung hätte. Wir sassen erst einmal ziemlich irritiert da und haben uns in Gedanken schon Teller spülen sehen, als plötzlich Anneke angesprungen kam und uns aus unserer Geldnot gerettet hat J.

 

Den Abend haben wir dann an einer Strandbar verbracht. Also eigentlich an mehreren, denn Maike und ich waren noch woanders einen Batido trinken, wobei Maike einem kleinen Jungen den Schock seines Lebens versetzte. Der Junge, vielleicht 4 Jahre alt, stand da auf der „Tanzfläche“ (also im Sand) vor der bar und tanzte zu irgendwelchen Reggaeton-Liedern. Es sah so witzig aus und er hatte das auch schon voll drauf. Auf einmal ging Maike zu ihm und fing an, mit ihm zu tanzen, was ihn wiederum so geschockt hat, dass er urplötzlich wie versteinert stehen blieb – so lange, bis Maike sich aus dem Staub gemacht hat J.

 

Daraufhin hatten wir noch eine Diskussion mit dem Barkeeper, warum er denn Wassermelonensaft hat, aber keinen Batido aus Wassermelone machen kann. Er behauptete, die Milch würde sich nicht gut mit der Wassermelone vertragen. Wir fanden das sehr wohl. Als wir ihn so weit hatten, dass er uns einen Batido daraus gemacht hätte, haben wir uns aber doch lieber überlegt, auf Nummer sicher zu gehen und uns für Ananas entschieden J.

 

Und als wir da so in der Hängematte lagen und auf unseren Batido warteten, kam uns der Entschluss: wir angeln uns jetzt einen Surfer, weil die so schöne Muskeln und so haben J. Gragt nicht, wie aber irgendwie kamen wir dann auf Eric, haben aber beschlossen, dass man vorher erst den Eric-Test machen muss, um zu sehen, ob das überhaupt funktionieren könnte. Also haben wir beschlossen, ab sofort nur noch in Zeichensprache mit ihm zu kommunizieren J (Nur zur Info: Wir hatten KEINEN Schluck Alkohol getrunken!!! hehe).

 

Am Samstag Morgen wollten wir dann eigentlich um halb sieben schon joggen gehen, sind aber erst um zehn nach sieben aufgewacht, so dass wir im Endeffekt erst eine Stunde später loskamen. Dafür sind wir dann aber auch eine knappe dreiviertel Stunde gelaufen und waren fast am anderen Ende der Bucht. Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich gleich Frühstück holen. Dumm war nur, dass unser Geld immer noch in Stuarts Hostal war und unser Geldproblem sich somit noch nicht aufgehoben hatte. Planänderung… Zuerst zurück zum Zelt, denn schliesslich hatten wir ja am Abend vorher schon gemerkt, dass das mit dem später zahlen nicht sonderlich gut funktionieren würde J. Auf dem Weg dorthin haben wir dann schon Stuart getroffen, der am Strand frühstückte – Reis, Tortilla und Kochbananen. Sah ziemlich lecker aus, aber wir wollten ja Fruchtsalat.

 

Er sagte, er würde dann zu der Bar nachkommen, um für uns zu zahlen, und als er hörte, in welche Bar wir gehen wollten, meinte er nur: „och, da hab ich ja Zeit“. Und wie Recht er damit behalten sollte… Als er nämlich eine knappe Stunde später ankam, hatten sie noch nicht einmal angefangen, das Obst zu schneiden. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem Maike und ich beschlossen haben, den Fruchtsalat in unserer Batido-Bar (was übrigens unsere neueste Geschäftsidee ist) „ya mismo“ zu nennen. J

 

Als wir zurück zum Zelt kamen, haben wir gefrühstückt und sind dann wieder vor an den Strand, wo wir eine Weile lagen und dann das Opfer unseres nächsten „Anschlags“ auftauchte: Eric J. Er war sogar recht gesprächig und aufgeschlossen an diesem Tag, hat uns sogar gefragt, wie es uns geht…hehe… Aber dann verfiel er sofort wieder in sein altes Schema und nachdem wir einige Minuten schweigend neben ihm gesessen hatten, wollten wir ins Meer. Zeit für den Eric-Test. Maike: „Stephi, mach ihm doch mal in Zeichen vor, dass wir jetzt schwimmen gehen.“ Stephi zeigt auf Maike und sich, macht dann die Schwimmbewegung der Arme. Eric klopft sich mit der Hand auf den Bauch. Maike: „Bei den Orang-Utans wäre das jetzt eine Antwort gewesen.“ Aber hey, immerhin hat er mich verstanden. Ich wäre also die geeignete Frau an seiner Seite gewesen J

 

Ansonsten verlief der Rest des Tages ziemlich unspektakulär. Als die Sonne weg war, sind wir wieder joggen gegangen, waren dieses Mal sogar eine knappe Stunde unterwegs und sind die Bucht bis fast ans Ende hin- und wieder zurückgelaufen. Dumm waren nur die Wellen, denn man hat sie leicht unterschätzt, so dass am Ende meine ganze Hose und auch ein Teil meines T-Shirts von Meerwasser getränkt war. Eine Dusche wäre da echt angebracht gewesen, blöd nur, wenn es weder Wasser noch Strom gibt und davon abgesehen die öffentlichen Duschen auch schon geschlossen waren. 

Abends sassen wir wieder am Strand und nachdem Annika und Maike schon ins Bett gegangen waren, sassen Anneke und ich noch ein Stückchen vom Zelt entfernt an einem Lagerfeuer. Naja, wirklich gebrannt hat es nicht, aber warm war es trotzdem. Da kamen dann plötzlich zwei Polizisten auf uns zu und sagten in einem ziemlich unfreundlichen Ton (wir waren etwas irritiert, denn normalerweise kommen von den Polizisten hier immer irgendwelche Sprüche) „Buenas Noches. Was macht ihr hier?“ – „Äh, wir sitzen hier und reden.“  - „Seid ihr alleine?“ – in der Zwischenzeit suchte der andere Polizist die gesamte Umgebung nach Marihuana ab – „Nee, wir sind zu viert. Die anderen zwei Mädels liegen schon im Zelt und schlafen.“ – „Habt ihr keine Angst?“ – „Vor was?“ – „Vor dem Wasser?“ – „Äh, nein?!?!“ – „Und wenn das Wasser bis hier hoch steigt?“ – „Naja, dann ist erstmal das Zelt von den Jungs hier vorne weg, da bleibt uns noch ein bisschen Zeit, um uns in Sicherheit zu bringen.“ – „Seid vorsichtig!“ Und weg waren sie wieder… Die sollten vielleicht lieber mal andere Leute durchsuchen… solche zum Beispiel, die schon morgens früh um neun Uhr andere Leute um Feuer anbetteln, damit sie sich ihren ersten Joint des Tages anmachen können… hehe… Ich glaube, es hat sie etwas genervt, dass sie bei uns nichts gefunden haben, das hätte nämlich nen schönen Zusatzverdienst für sie bedeutet. Tja, Jungs…Pech gehabt J.

Am Sonntag Morgen haben wir dann schon einmal den Grossteil unserer Sachen zusammengepackt, denn am Abend mussten wir ja schon wieder nach Bahía, da wir Tickets für den Bus am nächsten Morgen um 6 Uhr hatten. Eigentlich wollten wir ja über Nacht fahren, aber da es das Osterwochenende war, waren fast alle Busse – insbesondere die Nachtbusse – schon ausgebucht. Nun ja, wir waren also den Tag über am Strand und haben uns am späten Nachmittag wieder auf den Weg nach Bahía zum Terminal gemacht. Dort wollten wir noch eine Nacht im Zelt schlafen, haben uns dann aber auf der Fahrt überlegt, ob es nicht schlauer wäre, doch noch einmal zum Terminal zu gehen und zu fragen, ob nicht jemand abgesprungen ist. Wir haben also zu Abend gegessen (Reis mit Linsen und Ei, wie die letzten drei Tage auch… aber immer wieder äusserst lecker J) und sind dann dorthin gelaufen, wo wir dem Angestellten etwas vorgeheult haben, dass wir unbedingt wieder zurück müssen, da wir dachten dass am Montag schulfrei wäre, jetzt aber doch Unterricht ist und die Kinder nun unbeaufsichtigt durch die Gegend hüpfen und dann den Abschluss nicht schaffen, weil ihre Englischnoten so schlecht sind… (okay, gaaaanz so übertrieben haben wir dann doch nicht, aber fast J). Er sagte uns, er hätte drei Sitze frei, die könnte er uns geben. Wir brauchten aber fünf… Zwei sollten also im Mittelgang auf dem Boden sitzen. Besser als am Montag den ganzen Tag über im Bus zu sitzen.

Also haben wir unsere Tickets umgetauscht und und und mitsamt unserem ganzen Gepäck vor das Terminal gesetzt, in der Hoffnung, dass noch jemand käme um seine Tickets umzutauschen. Und da kam dann tatsächlich noch eine ganze Horde, die aber nur ein Ticket für den 21:30 Uhr-Bus hatten oder drei für den Bus um 23 Uhr. Wir brauchten aber nur zwei Tickets. So hatten wir eine ziemlich lange Diskussion, da sie uns nur alle drei verkaufen wollten, wir aber nicht mehr als normal zahlen wollten. Nun ja, irgendwann haben wir uns darauf geeinigt, dass wir ihnen für die drei Tickets 20 Dollar zahlen und sie sind wieder abgezogen, um kurze Zeit später mit den Tickets zurückzukommen. Was dann jedoch nie geschah…

warten 

Inzwischen war es halb zehn. Und der Ayudante von dem Bus lief wie wild durch die Menge und fragte immer wieder, wer denn jetzt noch Tickets für diesen Bus habe. Annika und ich haben uns gedacht, vielleicht ist der Bus doch gar nicht voll, also sind wir noch einmal zu ihm und haben ihn gefragt – ohne Erfolg. Aber wo wir schonmal da waren, konnten wir auch noch einmal die Toilette aufsuchen, und als Annika rauskam meinte ich zu ihr, sie soll doch nochmal den Busfahrer direkt fragen. Vielleicht bringt das etwas.

Als ich aus der Toilette wieder rauskam, war sie verschwunden. Der Toiletten-Mann zeigte nur in eine Richtung und ich dachte mir, dass sie wieder zu den anderen zurückgegangen war. Also bin ich auch dorthin. Und da stand sie dann ganz aufgeregt und meinte, „Stephi, zwei Leute können da noch vorne im Fahrerhaus mitfahren. Hol dein Zeug!“. Dann ging alles ganz schnell, den anderen noch die Tickets gegeben, mitsamt meinem Tagebuch, wo ich die Tickets reingelegt hatte – was sich noch als folgenschwerer Fehler herausstellen sollte – und schwuppdiwupp sassen wir vorne beim Fahrer, Ayudanten und noch einem anderen Typen.

Und die Fahrt sollte einfach nur der Horror werden. Erstens war der „Sitz“, auf dem ich sass, überhaupt nicht gepolstert und ausserdem noch absolut unbequem, zweitens war  das Türschliesssystem defekt, so dass die ganze Fahrt über jemand die Türe zuhalten oder zubinden musste und drittens war der Ayudante einfach nur ein aufdringlicher Idiot. Als wir nach etwa einer Stunde anhielten, um noch zwei weitere Leute in das Führerhaus hereinzulassen (was mit sieben Leuten nun echt aus allen Nähten platzte), fing er an, mir etwas sagen zu wollen. Aber ich verstehe die Leute von der Küste doch einfach nicht. Nachdem er das dreimal wiederholt hatte, hatte ich es dann auch verstanden. Und da hätte ich mir gewünscht, ich hätte es doch lieber nicht verstanden. Denn da kamen dann so Sachen wie „Du hast so schöne Augen!“ BÄÄÄÄÄÄH!!!! Und das schlimmste war, dass ich wusste, ich müsste noch bestimmt 6 Stunden neben diesem Typ verbringen.

Und als ich dachte, es könne nicht mehr schlimmer kommen, kam es schlimmer. Ich habe mir dann aus Vorsichtsmassnahmen schon immer meinen MP3-Player in die Ohren gesteckt und mich schlafend gestellt, was aber gar nicht so einfach war, da der Busfahrer meinte, mit 60 Sachen in total enge Kurven fahren zu müssen, so dass man ganz automatisch im Bus hin- und hergeschleudert wurde. Und sobald ich meine Augen auch nur für eine Sekunde aufmachte, tippte mich der Ayudante wieder an und meinte: „Ich fang‘ dich auf, wenn du fällst!“ BÄÄÄÄÄÄÄÄÄH…. Danke, da fall ich aber lieber auf den Boden. Bei der nächsten Pause hat Annika beschlossen, sich lieber in den Gang zu setzen, weil ihr der Busfahrer auch ziemlich auf die Nerven ging, da sie – genau wie ich – ihre Mühe hatte, sich irgendwie in einer Position zu halten, und das einzige Problem des Busfahrers war, dass sie doch vorsichtig sein solle, nicht dass sie am Ende noch seine Tasche zerdrückte.

Gesagt, getan. Und das Gesicht des Ayudanten war ziemlich blöd, als er feststellte: „Oh, jetzt ist mein Platz weg!“ Tja, dumm gelaufen, was??? J. Aber es kam im Endeffekt noch schlimmer, denn jetzt sass er mir direkt gegenüber und berührte immer „ganz zufällig“ meine Knie. Na, pfui!!! Irgendwann habe ich – ebenfalls ganz zufällig“ Mal eine kurze, aber dafür umso ruckartigere Bewegung mit meinen Beinen gemacht, dass er fast nach hinten umgefallen wäre. So ein Depp!!! Ihr glaubt gar nicht, wie froh wir waren, als irgendwann doch ein paar Leute ausgestiegen sind und wir nach fünf Stunden in dem Horrorkasten da vorne endlich zwei Sitze hatten.  Das erschien uns dann doch gleich wie ein richtiges Luxushotel J.

Nun ja, gegen halb acht waren wir endlich wieder in Otavalo, haben gefrühstückt und auf die anderen gewartet, die aber ewig nicht kamen. Als Anneke dann kam, wussten wir auch wieso. Das erste was sie sagte war nämlich: „Stephi, mir ist was ganz blödes passiert!“. Im ersten Moment kam mir sofort in den Sinn: „Meine Regenjacke wurde dir geklaut!“ – „Hä? Regenjacke? Nee, das nicht, aber mir wurde meine Tasche geklaut. Mit deinem Tagebuch drin!“ Oh neeeeeeee, die ganze Arbeit von über sieben Monaten. Einfach nur futsch. Nun ja, was will man machen. Vielleicht findet es ja jemand und gibt es bei der Polizei ab, denn in ihrer Tasche war abgesehen von ihrem Handy rein gar nichts, was für eine andere Person von Bedeutung sein könnte. Okay, ihr Reisepass war drin, aber so ähnlich sehen Ecuadorianer Deutschen dann doch nicht… Und: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

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und nachmittags kamen dann plötzlich die Wellen :)

und nachmittags kamen dann plötzlich die Wellen :)

getting ready to go back to freezing Otavalo :)

getting ready to go back to freezing Otavalo :)

Verfasst von: pijalsanpedro | April 8, 2009

Die Geschichte, wie Maike und ich zum Osterhasen wurden

Freitag Abend. Das Haus war leer. Nur einige wenige sassen gechillt auf dem Sofa. Doch nicht mehr lang… dann kam: ICH!!! Hehe :) . Ich gebe ja zu, at times kann ich ziemlich unausstehlich sein. Aber mir gefällt es :) . Nachdem ich also mit Selana vom Einkaufen zurückkam, lag mir ein Problem extrem auf der Seele… Ich muss dazu sagen, dass das nichts wirklich ungewöhnliches ist. Ich stelle mir schliesslich öfter so merkwürdige, aber wie ich finde äusserst sinnvolle Fragen wie: „Wer hat eigentlich festgelegt, dass eins und eins zwei ergibt?“… Aber nun zurück zum Problem, das natürlich sofortiger Diskussion bedurfte.

Ich werde die Situation erst einmal schildern: Wir nehmen an, dass in Greenwich gerade der 1. Januar 2009 um 12 Uhr mittags ist. Gehen wir jetzt nach Osten, ist es auf der anderen Seite der Erdkugel, nennen wir diesen Punkt „x“, 12 Stunden später, also 24 Uhr am 1. Januar 2009. Geht man aber nach Westen, geht man ja zurück und am Punkt „x“ wäre es dementsprechend erst 24 Uhr am 31. Dezember 2008. Schlussfolgerung: Es fehlt genau ein Tag. Wo ist der also geblieben?

Wer immer sich das mit der Zeitverschiebung ausgedacht hat, einen ganz entscheidenden Punkt hat er nicht beachtet. Lorenz war glaube ich ziemlich entnervt von „solchen blöden Fragen, die auch nur Frauen stellen können“ und hat sofort versucht, uns das mit Logik zu erklären. Einige Zeit haben wir uns das auch angehört, aber trotz allem: Der fehlende Tag kam nicht her. Aber dann hatte Sophia die entscheidende Idee: „Die Erde müsste einfach wieder eine Scheibe werden, dann wäre das Problem ja schon gelöst!“ LOOOOOGISCH!!!!! Sorry, Lorenz, aber in dieser essentiellen Frage waren die Schwaben den Schweizern eindeutig einen Schritt voraus.

Wir haben also beschlossen, dass die Sache mit der Erde in eine Scheibe umwandeln sofort abgestimmt werden musste. Also schnell das Problem auf einen Zettel geschrieben und zur Abstimmung an den Kühlschrank gepinnt. Dumm ist nur, dass bis zum heutigen Tag nur eine einzige Stimme abgegeben wurde – von Annika – und die auch nicht gerade zur Lösung des Problems beiträgt. Ihrer Meinung nach sollten wir nämlich öfter mal „denk no más“, das würde helfen… Aber ein wenig Recht hat sie schon, nach weiterem Denken bin ich nämlich zu dem Entschluss gekommen, dass sich genau an der Stelle, an der es 2 Daten auf einmal gibt, das Nimmerland befindet :).

So haben wir uns also wieder dem anderen Problem des Tages zugewandt: dem Abschiedsessen von Alex. Also eigentlich war nicht einmal das Essen an sich, sondern eher Selanas krankhafter Sparzwang der Grund jeglichen Problems. Sie war nämlich der Meinung, wir könnten, um ein paar Cents zu sparen, anstatt der Bohnen aus der Dose die frischen Bohnen vom Markt für unser Chili verwenden. Dafür standen wir dann etwa 2 Stunden vorm Herd und die Bohnen waren immer noch ziemlich hart :) . Irgendwann waren sie aber dann doch schon sooooo weich, dass man sie essen konnte, ohne sich gleich beim Zahnarzt einen Stock unter unserer Wohnung einen Termin zu holen, und so wurde das Essen doch noch ein mehr oder weniger grosser Erfolg.

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Am Samstag Mittag, nachdem unsere kleine Weltwärts-Reunión mit Celia vorbei war, haben wir dann schon wieder angefangen zu kochen. Wir hatten ja schliesslich Mauricio, dem Inhaber des Internet-Cafes, wo wir uns am Wochenende mehr oder weniger oft aufhalten, versprochen, ihn anlässlich seines Geburtstages mal zu einem „typisch deutschen“ Essen einzuladen. Und dieses typisch deutsche Essen bestand dann aus Spätzle, brauner Hackfleischsauce, Möhrengemüse und zwei Riesenschüsseln Salat. Da hatten wir uns ganz schön was eingebracht… Macht mal Spätzle für fünf Leute. Da habt ihr schon die Schnauze ganz schön voll, wenn ihr fertig seid. Wir waren etwa 15 (vielleicht sogar noch mehr)!!!

Dafür gingen dann 30 Eier und ne ganze Menge Mehl drauf. Aber lecker war es – das fanden wir zumindest. Leider machte weder Mauricio noch seine Frau überzeugend den Eindruck, dass es ihnen schmecken würde. Schliesslich war ja kein Reis dabei…hehe :) . Etwa eine halbe (gefühlte 2 Stunden) später hatte er es trotz allem fertiggebracht, den Teller leergegessen zu haben, woraufhin von den gemeinen Tischnachbarn (ich sage nur Maike und Sophia) die Frage kam, ob er denn noch etwas mehr haben wolle. Das wurde zunächst einmal von seiner Seite verneint, aber irgendwann schien ihm einzufallen, dass das doch unhöflich wirken könnte und er sagte, er würde doch noch ein bisschen nehmen. Dies verleitete besagte Tischnachbarn dann jedoch dazu, ihm den Teller noch einmal mit einem ecuadorianischen „poquito“ im wahrsten Sinne des Wortes vollzumachen, so dass es ihm am Ende glaube ich echt lieb gewesen wäre, er hätte eine Tüte dabei gehabt, um das Essen am nächsten Tag dem Hund füttern zu können :) . Aber trotz allem behauptet sowohl er wie auch seine Frau bis zum heutigen Tag vehement, dass es ihnen geschmeckt habe… Wer’s glaubt… :)

Sonntag. Kuchentag :) . Schliesslich musste ja auf die Pleite der letzten Woche, was die Kuchen anging, mal ein kleiner Erfolg folgen. Also sind Maike und ich morgens los. Der Plan: wir backen zehn Kuchen! Die Einkaufsliste: 5 Pfund Butter, 2 Stiegen (also 60) Eier, 4 kg Mehl, 3 Liter Milch Zucker, Schokolade, Kakao, Puderzucker und zwei Hände (ich weiss nicht, ich verlerne hier alle deutschen Wörter… wie heissen diese zusammenhängenden Bananen, die man kaufen kann, also so ein Teil einer Staude??? ) Bananen (von denen eine hier wohlgemerkt gerade einmal 50 Cent kostet!!!

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Los gings. Und so bestand der gesamte Sonntag eigentlich nur aus den Wegen zwischen Küche und Hängematte auf der Terasse, aus Rühren, Formen einfetten und – dem anschliessenden Vernichten zwei der schliesslich doch nur sechs Kuchen :) . Ein bisschen Nervennahrung musste schliesslich auch sein, und vier Kuchen zu verkaufen würde auch ausreichen. So ging der Tag ziemlich schnell vorbei, und gegen Abend fiel uns dann urplötzlich ein, dass wir eine Sache ja ganz unter den Tisch haben fallen lassen: Dass ja schon die Karwoche ist und wir eigentlich für unsere Kiddies in der Schule Ostereier färben wollten.

Also ist Maike noch einmal los, um noch einmal 4 Stiegen Eier kaufen zu gehen. Schliesslich brauchten wir insgesamt 120 Eier, damit jedes unserer Kinder (okay, im Laufe der Woche ist Maike dann aufgefallen, dass ihre 80 Eier weder den Kindergarten noch das 1. und 2. Nivel beinhalteten :) ) ein Osterei suchen kann. Diese 120 Eier (naja, eigentlich waren es 150, denn wir hatten ja nur 6 Kuchen gebacken und somit noch fast eine Stiege Eier übrig) wurden also gekocht und gefärbt. Leider mussten wir dabei feststellen, dass die Reaktion ecuadorianischer Eier auf deutsche Eierfarbe nicht dieselbe ist wie die deutscher Eier, denn um es kurz zu sagen: es tat sich gar nichts, bis auf die Tatsache, dass einige Eier nun ziemlich schimmelig vergammelt oder grün gesprenkelt aussahen. Auch die Färbetechnik mit Roter Beete führte zu keinem grösseren Erfolg. Irgendwann waren wir dann so genervt, dass wir beschlossen haben, die Eier nun eigenhändig am Montag mit Wasser- oder Plakafarbe anzumalen.

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Nachdem dieses Problem also gelöst – naja, sagen wir auf den nächsten Tag verschoben – worden war, ging es wieder zurück zur Planung des Osterwochenendes, das wir dieses Jahr am Strand verbringen werden. Der Plan war, dass wir am Mittwoch über Nacht nach Canoa fahren. Also haben wir in dem Hostal angerufen, in dem wir letztes Mal für $ 4 – ich wiederhole: $ 4!!! – geschlafen haben. Mit dem Ergebnis, dass nur noch ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad frei war, dass aber plötzlich $ 8 kosten sollte. Und die Doppelzimmer mit Privatbad waren schon bei $ 24. Nach kurzer Beratung haben wir noch einmal angerufen und gefragt, ob wir nicht mit zwei Personen in dem Einzelzimmer schlafen könnten und mit drei Personen im Doppelzimmer, wenn die zwei Personen im Einzelzimmer je $ 5 zahlen und die drei Personen im Doppelzimmer je $ 8. Die Frau am anderen Ende sagte dann, die Leute im Einzelzimmer sollten je $ 8 zahlen und die im Doppelzimmer je $ 12. WHAT??? Das ist ja Wucher… naja gut, besser als gar nichts. Aber dann kam der Haken: wir sollten ihr am nächsten Tag die Hälfte als Anzahlung überweisen. Hallo??? Wo gibts denn so etwas, wir sind hier in Ecuador?!?! Abgesehen davon hat auch niemand von uns ein Konto hier, und so haben wir im Endeffekt beschlossen, uns lieber am Mittwoch im Megamaxi in Quito ein Zelt für $ 40 zu kaufen und einfach irgendwo am Strand zu campen. Ist eh viel cooler :).

 So wollten wir dann unseren wohlverdienten Schlaf nachholen und waren schon mit einem (oder auch mehreren Füssen im Bett), als uns auffiel, dass ja Sonntag Abend war und die Bude immer noch aussah, als hätte hier die wildeste Party des Jahrhunderts stattgefunden. Und so haben wir die nächsten Stunden damit zugebracht, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. In Sophias Fall würde ich jetzt sagen: Sie hat es versucht, denn als wir dann schon im Bett lagen und sie sich immer noch mit der Küche abgemüht hat, kam sie plötzlich völlig verwirrt ins Zimmer und fragte uns, wie sie denn nun die Saftkanne spülen soll, wenn sie mit ihrer Hand gar nicht hineinkommt :) . Wir haben uns eine ganze Weile darüber amüsiert, aber dann doch beschlossen, ihr zu helfen, und so war auch das letzte Problem des Abends gelöst und wir konnten doch noch ein wenig schlafen.

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Am Montag Morgen in der Schule kam dann die nächste Überraschung. Die ganze Zeit hiess es, es gäbe nur für die Hispano-Schulen Ferien, die Bilingües hätten bis zum Mittwoch Schule und nur Donnerstag und Freitag frei. Aber ganz ehrlich hätte es mich auch gewundert, wenn das die letzte Entscheidung geblieben wäre. Und ich behielt Recht, denn am Montag Morgen hiess es dann von meinen Lehrern, dass die Dirección der Bilingüe, also mehr oder weniger das Schulamt unserer Schulen, sich am Freitag Nachmittag noch einmal getroffen hat und dabei zu dem Entschluss gekommen sei, dass es ja ziemlich ungerecht wäre, wenn wir die ganze Zeit noch Unterricht hätten. So wurde dann beschlossen, dass nun auch die Bilingüe-Schulen Ferien hätten. Nun, in meiner Schule hatten wir letztendlich doch Montag und Dienstag noch Unterricht, da wir die zwei Tage, in denen die Schule wegen Windpocken geschlossen war, nacharbeiten mussten – was sich im Nachhinein noch als sehr hilfreich herausstellte :) .

 So bin ich nach der Schule wieder zurück nach Otavalo gefahren, um die 150 gekochten Eier mit bunten Punkten, Streifen und Blümchen zu verschönern. Vorher wollten wir noch kurz ins Internet und die neuesten Neuigkeiten abchecken. Was wir lieber einmal hätten bleiben lassen sollen, denn aufgrund gewisser Nachrichten einer gewissen Person und den etwas später folgenden Geständnissen einer anderen Person entsprach unsere psychische Verfassung nicht gerade der, in der man dazu in der Lage ist, Eier bunt anzumalen, sondern eher der, in der man sich fühlt, als müsse man sich jetzt betrinken. Was sich aber als äusserst schwierig herausstellte, wenn man keinen Rotwein mag, der Weinvorrat auf dem Küchenschrank aber nur Rotwein hervorbrachte (der auch schon seit mehreren Wochen offen war, wie sich später herausstellte), und sämtliche Läden entweder schon geschlossen waren oder schlicht und ergreifend einfach keinen Weisswein im Sortiment hatten. Und das, obwohl wir in der Strasse in Otavalo wohnen, die als die „Säuferstrasse“ bekannt ist :) Unverschämtheit… Was soll ich sagen… An diesem Abend haben wir festgestellt, dass Rotwein auch nach ein paar Wochen noch geniessbar ist und dass Apfelwein auch nicht soo schlecht schmeckt, wie man immer denkt :) .Irgendwie haben wir es dann doch noch geschafft, zumindest drei der fünf Stiegen Eier anzumalen und so sind wir dann spät, aber doch erleichtert, ins Bett gefallen.

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Am Dienstag morgen um sechs Uhr klingelte dann der Wecker, und wir hatten schon ein klein wenig Hass auf Sophia und Linda, die noch friedlich weiterschlafen konnten. Maike und ich sind dann zu mir in die Schule gefahren, wo wir direkt nach der Formación begonnen haben, die Eier auf der ganzen Wiese hinter der Schule zu verteilen. Und dabei habe ich eine weitere Feststellung gemacht: so idyllisch wie es auch ist, Kühe haben auf dem Schulgelände einfach NICHTS verloren. Diese Feststellung musste ich auch noch auf eine etwas unangenehme Weise machen, indem ich nämlich beim Verstecken der Ostereier mitten in einen Kuhfladen reingetreten bin, und das auch noch mit meinen Otavalo-Schuhen! Das hat man nun davon, wenn man den Kindern ein bisschen Interkulturalität beibringen will.

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Nun ja, nachdem der grösste Schmutz beseitigt war, haben wir dann auch noch die restlichen Eier versteckt und sind schliesslich zurück zu den Kindern, um ihnen erst einmal etwas über deutsche Bräuche zu Ostern zu erklären. Wir fingen also an von dem Osterhasen, der immer an Ostern kommt und bunte Eier im Gras versteckt, die die Kinder dann suchen. Soweit, so gut… Leider gab es das ein oder andere Kind, das immer noch nicht genau verstanden hatte, was zu tun war, so dass meine Direktorin dann alles noch einmal erklärte, wobei sie aber den Osterhasen immer gegen „Stephi und Maike“ austauschte. Jedes Mal, als das passierte, hörte man dann von uns nur ein Zischen: „Neeeee, wir nicht, der Osterhase!!!“

So sind die Kinder also alle – ganz gesittet in zwei Reihen – auf die Wiese gelaufen. Doch sobald die ersten Eier entdeckt waren, war es mit dem „gesittet“ auch ganz schnell vorbei und plötzlich herrschte grosses Chaos. Und von überall hörte man nur „Ich hab meins!!!“. Sie hatten wirklich riesigen Spass daran, und als alle Eier entdeckt waren, kam die Danksagung meiner Direktorin. Und dreimal dürft ihr raten, an wen! Natürlich an „STEPHI und MAIKE!!!“ Ja, da fehlt dann doch noch ein wenig interkulturelles Verständnis :) . Das war dann der Tag, an dem Maike und ich zum Osterhasen wurden. Auch recht schön…

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Danach ist Maike dann zu ihrer Familie gegangen, um wenigstens für sie ein paar Eier im Garten zu verstecken, da sie ja keine Schule mehr hatte und nun so oder so schon auf ihren 80 Eiern hockengeblieben ist :) . Eigentlich wollte ich ja auch noch mit nach San Augustín, aber dann habe ich an Maikes Familie gedacht und mir kam der Gedanke, dass das Risiko, dass sie uns nicht wieder weggehen lassen, ziemlich gross sei. Da ich aber noch eine ziemlich volle To-Do-Liste für den Tag hatte, habe ich also beschlossen, doch lieber direkt nach Otavalo zu fahren.

Dort habe ich dann erst einmal alles mögliche erledigt und bin dann zurück zum Haus, um noch ein wenig zu chillen und endlich einmal mein neues Buch anzufangen, bevor die nächste Aktion anstand: der Kuchenverkauf am Markt in Gonzales. Kurz bevor wir los wollten, kam Maike dann der entscheidende Einfall: wir brauchen ein gutes Motto… Und sie hatte wirklich eine GENIALE Idee!!! O-Ton Maike: „Wir nennen das so: Gringa-Kuchen… werden auch Sie ein bisschen weisser!“ Ihr Argument war, dass die Leute hier alle gerne etwas weisser wären… :)  Ja, Maike… wir waren damit nicht ganz so einverstanden :) Und nur, dass hier jetzt keine falschen Schlüsse gezogen werden. Wer Maike kennt, weiss, dass sie hin und wieder Dinge von sich gibt, die man nicht GANZ so ernst nehmen muss… :)

Um vier Uhr hatten wir uns mit unseren Kindern in Gonzales verabredet, und kaum waren Maike und ich aus dem Bus ausgestiegen, kamen auch schon meine Jungs und Mädels aus dem Septimo an. Wow! Also das muss ich ihnen echt lassen, was diese Kuchensache angeht, zeigen sie so viel Motivation. Fast alle waren gekommen und wir sind zusammen runter zum Markt gelaufen, wo wir am Stand meiner Gasttante unseren Kuchen präsentieren konnten. Das war ziemlich nett von ihr, da sie ja gleichzeitig auch Essen verkauft hat, nur halt Kartoffeln mit cuy. Ich glaube aber auch, dass sie nach einiger Zeit ziemlich angenervt war, da unser Kuchen sich wesentlich besser verkaufte als ihre Spezialitäten.

Na gut, wir hatten auch gute Promotion :) . Maike ist nämlich mit einigen Kindern immer über den ganzen Markt gelaufen, hat Autos angehalten und unseren „original deutschen Kuchen für nur 25 Cents, den es auch nur heute gibt!“ angepriesen. Ihre Euphorie übertrug sich dann auch auf die Kids, so dass Jimmy in seiner Aufregung gelegentlich mitten im Satz einfach vergass, weiterzusprechen oder eben einmal aus Bananen- oder Kakaokuchen einen Kiwikuchen machte :) .

Irgendwann liess der Absatz unserer Ware aber extrem nach, was auch daran liegen konnte, dass es immer wieder geregnet hat, und da es inzwischen schon nach halb 6 war, haben wir beschlossen, unsere Zelte dort abzubrechen. Schliesslich mussten die Kids ja auch noch zurück. Und immerhin hatten wir von vier Kuchen nur noch 1 ½ übrig. Die wollten wir dann noch im Bus an den Mann bringen, aber da schon der Kassierermensch keinen Kuchen kaufen wollten und auch die anderen Leute nicht gerade den interessiertesten Eindruck machten, haben wir den Plan wieder fallen gelassen und stattdessen lieber dem Busfahrer und seinem Kassierergehilfen je ein Stück Kuchen geschenkt, unter der Bedingung, dass sie aber beim nächsten Mal ein Stück kaufen müssten.

 Und wie gute Geschäftsleute das machen, haben wir selbst auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Haus noch weiter versucht, Umsatz zu machen – mit mehr oder weniger seltsamen Methoden. Die Methoden von Maike waren jedoch teilweise äusserst fragwürdig. So starrte sie plötzlich eine Frau im Vorbeigehen einfach an, mit dem Kommentar: „heee, die Frau hat genau die gleiche Tasche wie ich in Deutschland, wo hat sie die her?“. Das andauernde Anstarren wiederum führte zu der Tatsache, dass die Frau, die inzwischen schon an uns vorbeigelaufen war, stehen blieb und sich umdrehte. Maike starrte noch einige Sekunden weiter, und anstatt ihr die Situation mit der Tasche zu erklären sagte sie: „Wollen sie Kuchen kaufen?“ Ich glaube, die Frau dachte einfach, wir hätten nicht mehr alle Tassen im Schrank, und dementsprechend hatte sie auch nicht gerade die grösste Motivation, uns überhaupt irgendetwas abzukaufen.

So ging unser Weg weiter, und etwa einen Block von unserem Haus entfernt hatten wir immer noch 1 ½ Kuchen übrig. Dann liefen wir aber an einem Volleyballfeld vorbei, wo gerade ein Spiel im Gange war. Wir haben also wieder unser Sprüchlein aufgesagt, weshalb wir das machen, und schienen dieses mal etwas mehr Glück zu haben, denn wir wurden sofort hereingewunken und plötzlich reichte unser Kuchen gar nicht mehr aus, da einige gleich vier Stücke auf einmal bestellten. Und dann sagten sie uns noch, dass sie jeden Tag um 16 Uhr dort spielen würden und dass wir doch morgen wiederkommen sollten… Und so hatten wir schon beim ersten Kuchenverkauf $ 13.75 eingenommen. Das hört sich für europäische Verhältnisse vielleicht nicht gerade sooo toll an, aber hier ist das schon eine ganze Menge Geld. Und ich glaube, so können wir guten Gewissens in unseren Osterurlaub gehen!!!

Und da ich meine Zeit am Strand wahrscheinlich wesentlich sinnvoller verbringen werde, als im Internet zu hocken, wünsche ich euch schon jetzt ein wunderschönes Osterfest mit ganz vielen bunten Eiern und einem netten Osterhasen. Ach ja, und solltet ihr doch noch Mangel an Ostereiern haben: Wir hätten da noch etwa 80 Stück übrig :).

happy-easter

Und ganz zum Schluss noch ein Suchbild. Das könnt ihr ausdrucken und dann alle Ostereier suchen :) . Bis bald und schöne Grüsse in die Heimat, ich denke dann mal an Euch, wenn wir batidoschlürfend in der Sonne am Strand liegen ;) .

suchbild

Verfasst von: pijalsanpedro | April 3, 2009

Eine Woche voller Aufregungen

Der gesamte Samstag bestand mehr oder weniger nur aus den Vorbereitungen für den Abend, an dem wir im Fauno den Geburtstag von Anneke, Betti und Fabienne und gleichzeitig Alex’ Abschied gefeiert haben. Am frühen Abend sind wir dann ins Fauno gegangen und haben dort alles mit Luftballons und Luftschlangen dekoriert. Das war etwa um acht Uhr. Und als wir dort ankamen, sassen schon die ersten Leute betrunken an der Theke… Das konnte ja ein toller Abend werden :) .

Wir sind also wieder nach Hause gegangen, um etwa 1 ½ Stunden später zusammen mit allen anderen zurückzukommen. Und es war total lustig. Dort war nämlich auch dieser eine Typ, der auch auf dem Markt einen Stand hat und immer angezogen ist, wie ein “echter” Indianer… Also, so wie wir uns das vorstellen, mit Federschmuck und so. Zwischen uns allen und auch zwischen den ganzen anderen “modern” gekleideten Leuten sah das ziemlich komisch aus, aber ich fand es irgendwie auch recht cool…

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So ging die Party eine ganze Weile gut. Irgendwann wurden aber besagte Leute, die inszwischen (man glaubt es kaum) noch betrunkener waren als vorher, leicht nervig, da sie einfach nicht verstehen wollten, dass a) keiner mit ihnen Tanzen und b) auch keiner mit ihnen reden wollte und c) auch keiner wollte, dass sie die Geschenke, die wir schön auf dem Tisch verteilt hatten, einfach mitnehmen. Das ganze ging dann soweit, dass Sabi, die Eigentümerin der Bar, die Musik ausmachte und sagte, die Party würde erst dann weitergehen, wenn die ganzen Besoffenen rausgeschafft sind. Ja, gute Idee…

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Anneke und ich haben uns dann des einen Typen angenommen, der oben auf der Empore friedlich schlummerte. Was aber gar nicht so einfach war, denn er schlummerte wirklich tief und fest. Nachdem er auch von unserem auf dem Holzboden mit Absatzschuhen umherhüpfen und von Annekes Flamenco-Einlage nicht aufwachte, haben wir dann beschlossen, dass er so weit weg ist, dass er keiner Fliege etwas zu Leide tun können würde und ihn also weiter schlafen lassen :) . Die anderen Betrunkenen waren irgendwann draussen, aber die Stimmung war auch ziemlich am Boden, so dass die meisten von uns dann doch lieber nach Hause gegangen sind.

Am Sonntag Abend sassen wir dann noch ziemlich lang zusammen und es war wirklich lustig. Es ging nämlich wieder einmal um unsere Reiseplanung. Da weder Sophia noch ich eine wirkliche Ahnung von der Schweiz haben, haben wir mit Lorenz ausgemacht, dass er uns doch mal auf eine Schweizrundfahrt mitnehmen soll. Ja, aber wir haben auch vom Rest der Welt nicht wirklich viel gesehen und so ging es dann weiter. Am Ende hatten wir einen ziemlich coolen Plan für unsere Reisen in den nächsten 1 ½ Jahren. Hier der Überblick: Zuerst fahren wir mit Lorenz durch die Schweiz, anschliessend mit dem Fahrrad durch die Provence (oder vielleicht auch die Toscana, das ist noch nicht sicher). Dann ein paar Monate Pause, dann geht es mit dem Wohnmobil von Sophies Eltern durch Skandinavien, bevor wir im Sommer dann mit dem Pferd (vielleicht auch dem Hundeschlitten oder Schneemobil) durch Island reisen. Und zum Abschluss kommt dann die Fahrt im 50er-Jahre Cadillac auf der Route 66 durch die USA :) . Gut, ne? Ist aber leider noch nicht vollständig, denn Maike hat schon ihre Ansprüche geltend gemacht, dass sie aber auch noch in die Ukraine muss… Änderungen bleiben also vorbehalten.

Soweit war der Plan ja ganz gut, nur ist uns dann aufgefallen, dass wir zum Beispiel für die Toscana noch Italienisch brauchen. Also haben wir gleich mal angefangen, uns von Theres und Lorenz ein wenig Italienisch beibringen zu lassen. Ich kann jetzt schon ein paar Wörter sagen. So “ti amo” und so :) hehe. Dafür, dass ich eigentlich schon längst im Bett sein wollte, war der Abend also noch ziemlich aufregend.

Am Montag kam ich dann wieder gut gelaunt in Pijal an. Da wurde mir dann erst einmal brandheiss erzählt, dass das Pferd zweimal “verlorengegangen” und fast bis zum Gipfel hochgelaufen sei. Meine arme Oma… Die ist ihm nämlich im strömenden Regen hinterhergelaufen :) Aber nun steht es wieder brav im Garten. Ansonsten blieb der Montag eher unspektakulär. Nachmittags war ich in Otavalo, um die Stromrechnung zu bezahlen und schon einmal ein wenig von meinem Riesenberg Wäsche, der sich da angesammelt hatte, zu waschen.

Dienstag Morgen kam ich dann in die Schule und Señorita Clemencia sagte mir, dass sie Noten bräuchte. Noten??? Seit wann das denn? Davon war ja noch nie die Rede. Nun ja, sie betonte ausdrücklich, dass sie die nur von den Siebtklässlern bräuchte, und das war ja schon nicht mehr gar so schlimm. Also habe ich mit ihr ausgemacht, dass ich am Montag noch mal einen Test schreibe und ihr dann die Noten des 1. und 2. Trimesters gebe. Gut.

Nach der Schule bin ich dann zu Selana gelaufen und mit ihr zusammen nach Cayambe gefahren, um noch die restlichen Zutaten für den Kuchen einzukaufen, denn am Donnerstag sollte wieder eine Reunión sein. Wir haben im Bus extra mit einem 10-Dollar-Schein gezahlt, in der Hoffnung, der Typ würde sich wieder verrechnen, was aber leider nicht der Fall ist. Nun ja, unterwegs erzählte Selana mir dann, wie sie am Montag Morgen nichtsahnend in die Schule kam, als es plötzlich hiess “Wie ihr ja alle wisst, schreiben wir diese Woche Tests!” Ja, alle wussten das, nur Selana nicht, da sie ja die letzte Woche bei dem Seminar war :) Dementsprechend hatte sie nichts, rein gar nichts vorbereitet…Ich habe schon ein wenig mit dem Kopf geschüttelt und mir gedacht: “Gott sei Dank ist das an meiner Schule nicht so!”

Aber da hatte ich mich wohl zu früh gefreut, denn als ich am Mittwoch morgen dann in die Schule kam, traf mich dann der Schlag. Erstens hiess es plötzlich, sie bräuchten Noten von ALLEN Klassen und zweitens fiel mir dann ein, dass ich meine Tests ja gar nicht nächste Woche schreiben konnten, da Selana mir auch noch erzählt hatte, dass es vermutlich die ganze Woche Ferien gibt. Mist, was tun??? Nun ja, wir haben dann beschlossen, die Tests für die Septimos am Freitag zu schreiben. Das funktionierte aber dann doch nicht, da von meinen sieben Septimos vier an einem Malwettbewerb teilnehmen, dessen Finale am Freitag vormittag stattgefunden hat. Also Donnerstag. Glücklicherweise kam am Mittwoch Morgen ein Mädel, was gerade etwas wie ein Referendariat macht, so dass meine Computación-Stunde bei den Septimos (und komischerweise auch bei den Sextos) ausgefallen ist, so dass ich nun ein wenig Zeit hatte, um meinen Test für den nächsten Tag vorzubereiten, den ich dann meiner Lehrerin zum Kopieren mitgegeben habe.

Am Nachmittag habe ich dann schon einmal die ersten Kuchen gebacken, die wir eigentlich an der Reunión verkaufen wollten. Doch leider waren wir an diesem Tag nicht gerade vom Glück verfolgt, was sich im Verlauf des Tages noch mehrere Male bestätigen sollte. So hatten wir vergessen, die eingefettete Form noch mit Mehl auszustäuben und dementsprechend kam von zwei Kuchen einer nur in Stücken aus der Form. Aber immerhin hatten wir so ein ziemlich leckeres Kaffeekränzchen :) .

kuchen

Inzwischen war auch Selana gekommen und wir sind zur Schule gelaufen, um endlich einmal anzufangen, mit dem Pferd zu arbeiten. Zuerst haben wir beide uns draufgesetzt und als wir merkten, dass das problemlos funktionierte, waren Gloria, Brayan und Joselin an der Reihe, denen es – zumindest nachdem sie ihre Angst verloren hatten – riesigen Spass gemacht hat.

Nachdem der Reitunterricht beendet war, sind wir wieder nach Hause gelaufen und haben Gina im Vorgarten angebunden. Kaum war Selana ausser Sichtweite, kam schon der nächste Besuch. Leider war selbiger nicht gerade so erfreulich. Es war eine Frau aus dem Dorf, die einem unserer Hunde nachgelaufen ist, da er an zwei Tagen insgesamt fünf ihrer Hühner gefressen hatte. Jetzt wollte sie die Hühner bezahlt haben. Das war natürlich etwas zu viel, da besagter Hund auch schon 7 Hühner meiner Oma und ein kleines Huhn von Brayan etwas unsanft aus dem Leben gerissen hatte. Ich war schon beim Backen der nächsten Kuchen (die übrigens auch nicht sonderlich gut gelungen sind, so dass wir diese Woche statt Brot immer Kuchen essen werden :) ), als ich von draussen Schreie hörte: “Tötet den Hund!”. Ich dachte zunächst an einen Scherz, aber als ich kurze Zeit später rausging, hing der Hund mit einem Springseil stranguliert an einem Stock – immernoch zappelnd. Das hat mir schon ziemlich leid getan, und so habe ich sie wenigstens dazu bewegen können, den und doch irgendwie weniger qualvoll umzubringen, was sie dann auch gemacht haben…

So lag der tote Hund eine ganze Zeit lang dort herum, was sowohl Jimmy als auch Brandon dazu verleitete, mit selbigem, der immernoch den Strick um den Hals hatte, eine Art Marionettentheater aufzuführen. Nun ja, kurz vor der Dunkelheit haben sich die Kinder dann doch noch dazu bewegen lassen, ein Loch zu graben un d den Hund zu beerdigen, wozu Jimmy dann passend die musikalische Begleitung abgab… Möge er ruhen in Frieden…

Diese unanagenehme Sache war also erledigt und wir gingen alle zurück zum Abendessen, was ausnahmsweise mal unspektakulär verlief. Aber noch wr der Abend ja auch noch nicht vorüber. Kaum waren wir mit Essesn fertig, kam der nächste Schrecken. Gloria wollte zum anderen Haus gehen und meinte plötzlich: “Und das Pferd? Es ist weg!!!”. Oh, nein… Ich hatte mich schon so darauf gefreut, mich mit meinem Buch ins Bett zu chillen. Stattdessen hiess es wieder “Rein in die Gummistiefel und hoch auf den Berg”. :) Im Rausgehen noch schnell die Taschenlampe geschnappt und los gings. Etwa zwei Stunden sind wir so den Berg hochgeklettert – aber vom Pferd war keine Spur. Obwohl, Spuren waren da schon, aber das Pferd selbst blieb verschollen. Um halb 10 sind wir dann unverrichteter Dinge zurückgekehrt und haben die Suche auf den nächsten Tag verlegt, da sich die ganze Sache im Hellen wesentlich einfacher gestalten würde.

Ja, und dann ging plötzlich das Licht in meinem Zimmer an. Auch meine normalerweise immer funktionierende Strategie, mich einfach schlafend zu stellen, zeigte keine Wirkung, denn plötzlich stand Jimmy an meinem Bett, zog mir die Decke weg und meinte: “Steeeeephiiii, es ist schon Morgen! Gehen wir los und suchen das Pferd?!?!?” “Hä? Wieviel Uhr ist es denn?”. Seine Antwort: “Ich weiss nicht, so sechs Uhr oder so” Mentira! Es war gerade mal zehn nach fünf am Morgen. Das war der Augenblick, in dem ich beschlossen habe, dass ich unbedingt eine Türe zu meinem Zimmer benötige. :) Tja, so sind wir dann fünf Minuten später los. Und der Anblick des Cotacachi hat mich dann doch wieder entschädigt :) .

cotacachi1

Wieder ging es den Berg nach oben. Mit dem Unterschied, dass es inzwischen hell war und man sich – im Gegensatz zum Abend vorher – auf seine Augen verlassen konnte anstatt auf die Ohren, was die Suche wiederum erheblich vereinfachte. Trotzdem blieb das Pferd verschwunden. Gerade, als wir wieder zurück zum Haus kamen, kam uns eine Frau entgegen, die sagte: “Sucht ihr das Pferd? Das ist dort oben angebunden, vom Haus von Mama Theresa ein Stück weiter oben.” Ich weiss, dass ich mich schon ein paar Mal darüber beschwert habe, dass die Leute hier so früh zu den Kühen gehen. An diesem Tag hätte ich mir gewünscht, die Frau wäre eher gekommen, dann hätten wir uns einen langen Weg ersparen können :) . Nun ja, zumindest war das Pferd nun wieder “sicher” zu Hause und wir waren beruhigt…

Die Schule verlief – abgesehen von einer diesmal ziemlich üblen Auseinandersetzung mit Joselin, die erst wieder nicht zuhörte, als ich fünf Mal (ungelogen) erklärte, was sie machen sollten, und mich dann beschuldigte, ich hätte es ihr ja nie erklärt, sondern immer nur einem einzigen Mädchen, so dass ich sie am Ende in die Aula ihrer Lehrerin zurückgeschickt habe – unspektakulär. Nachdem ich nach der Schule meine Wäsche gewaschen hatte, sind wir wieder vor zur Schule gelaufen. Dort haben wir dann Maike mitsamt ihrer Gastschwester und Nikolaus getroffen und schon einmal die ersten Übungen mit den Kindern auf dem Pferd gemacht. Und auch das funktionierte wirklich spitze. Die Kids hatten rieigen Spass dabei und sogar die Kleinsten sassen schon auf dem Pferd.

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Nikolaus :)

Nikolaus :)

Anschliessend hiess es dann “hoch den Berg”, um Gina dort oben auf eine Wiese zu stellen, auf der es mehr Gras gibt. So sind wir eine gute halbe Stunde den Berg hochgelaufen und haben sie dort – ausbruchsicher :) – an einem Baum angebunden. Soweit, so gut. Dumm ist nur, dass wir jetzt mindestens zwei Mal am Tag diesen Berg hochlaufen müssen, und das ganze noch bewaffnet mit Wassereimern. Eigentlich wollte ich mal anfangen, joggen zu gehen, um mich für den Cotopaxi fit zu machen. Das kann ich mir jetzt glaube ich sparen :) .

cero gras abstieg

Dort oben haben wir dann noch Gras für die Meerschweinchen gesammelt und sind anschliessend wieder nach Hause gestapft bzw. gerollt. Dort herrschte schon wieder grosse Aufregung. Irgendjemand verkaufte Kürbisse und so sind Anita und Gloria los und kamen mit drei riesigen Kürbissen im Auto meines Gastonkels zurück. Nun stellt Euch mal vor. Ein Kürbis mit einem Durchmesser von einem Meter. Und den gibt es hier für $ 2,50… Ich sag’ ja, es ist toll hier :) . Und nun dürft ihr raten, was es zum Abendessen gab??? Richtig!!! Kürbissuppe. Hört sich gut an, nicht? HÄTTE auch gut schmecken können, aber dann kam der Zucker. Und die 2 Esslöffel Zucker, die in meinem Teller landeten (zusätzlich zu dem Zucker, der so oder so schon in der Suppe war) haben im Endeffekt jeglichen Kürbisgeschmack zunichte gemacht :) .

Am Abend habe ich dann wieder schöne Fotos vom Cotacachi gemacht… Ich glaube, mittlerweile halten sie mich für bekloppt, wenn ich jeden Morgen und Abend aus dem Haus gehe und das erste, was ich sage, ist: “¡ Queeee boniiiiiiitoooo!” :) Nicht mal nur die Ecuadorianer denken das… O-Ton Selana, als ich am Dienstag den schönen Himmel gesehen habe, aber meine Kamera ein einziges Mal nicht mitgenommen hatte: “Stephi, du musst auch mal Fotos im Kopf machen!” :) Ja, aber… ich bin doch schon alt und vergesse sowas immer ;)

himmel cotacachi11

Dann wurde ich noch weiter in die ecuadorianische Kräuterheilkunde eingeführt. Anita hat nämlich vor einer Woche ziemlich schlimme Kopfschmerzen gehabt, und Mamita hat ihr daraufhin folgendes verordnet: neun Tage lang jeden Morgen einen Drink aus Wasser, Karotten, Alfalfa und 1 ganzen Ei (mitsamt der Schale!!!) zu trinken. Und schon geht es besser. Ich fand die Vorstellung ehrlich gesagt leicht eklig, rohes Ei – und dann auch noch mit Schale – zu trinken (okay, nachdem es alles im Mixer gelandet ist, war von der Schale nichts mehr zu sehen, aber trotzdem), habe es dann aber doch probiert und muss sagen, dass es gar nicht so schlecht geschmeckt hat. Und was macht man nicht alles, damit es einem besser geht, nicht??? :)

Heute Morgen bin ich dann mit einer meiner Lehrerin und einigen Kindern zu einem Malwettbewerb nach Gonzales gefahren. Nun ja, viel gesehen habe ich nicht, denn um zehn Uhr sollte es anfangen, um viertel nach neun waren wir dann an dem Platz, wo es sein sollte. Um kurz vor zehn kam dann einer der Zuständigen und sagte, dass wir wegen der Sonne doch wieder runter in die Schule gehen sollten. Dort waren wir dann etwa um 10 nach 10. Die nächste halbe Stunde wurde damit zugebracht, zu versuchen, die keine Ahnung wie vielen Kinder in eine Aula zu “stopfen”. Das war auch irgendwann geschehen, etwa um viertel vor 11. Kurze Zeit später hiess es dann “Alle Kinder, die am Malwettbewerb teilnehmen: Wir versammeln uns jetzt auf dem Schulhof!” Also war die Arbeit einer halben Stunde wieder zunichte gemacht. Auf dem Schulhof folgten dann mehrere Ansprachen, bis es wieder hiess: “Alle Kinder nach drinnen!” und das ganze Spiel von neuem anfing. Als ich gegangen bin, hatten die Kinder noch nicht einmal Papier erhalten :) Ja…. Ecuadorianische Organisation halt ;) .

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